Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

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Der/die/das Fragestellende (falls der Thread sich auf eine Frage zur Selbstbetrachtung bezieht) legt im Eingangstext fest, mit wer/wem/was er/sie/es die Frage diskutieren möchte:

- one to null (monolog)
- one to one
- one to two
- one to some (beliebige Zahl)
- one to all (jede(r)(s) der/das/die Lust hat)
Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

"Warum kratzt du dich an der Nase?"

"Weil es juckt."

Mehr brauche ich dazu nicht zu wissen. Ist die Ursache ein Käfer, eine Fliege, ein Staubkorn?
Braucht mich nicht zu interessieren. Ich spüre, dass es mich juckt - und kratze mich dann.

Im Geist-Yoga kommt quasi jemand daher und fragt mich: "Es juckt mir an der Nase.
Was kann ich dagegen tun?"

Und ich sage: "Kratze dich." Das ist alles.

Das Kratzen gegen das Jucken des "Ego" ist das Spüren der eigenen Präsenz. Und jede(r)
weiß: ich bin. Und ich brauche darin nicht einmal zu wissen, was dieses Jucken verursacht.

So primitiv einfach ist der Geist-Yoga.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Du kannst dieses "Jucken" "Ego" nennen, aber auch "Gnade", da es der Antrieb dazu ist,
dich selbst zu kratzen (eigene Präsenz bewusst zu spüren).

Und ich könnte hier, wären wir vor Gericht, das "Ego" als die "Gnade" selbst
verteidigen, oder der "Idee der Gnade" vorwerfen, sie sei selbst ein Teil
des "Ego" - denn schon die Idee, einer Gnade zu bedürfen, ist im Grunde
ebenso "Ego", wie jede andere Überzeugung, die die Idee einer Trennung
zu mir selbst beinhaltet. Wenn ich nicht von mir selbst getrennt bin, welcher
fremden Gnade bedarf ich dann eigentlich?

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Und hier holt mich dieses "Ego" in meinem Schreiben über den Geist-Yoga wieder
ein, das ich mit dem Karl Renz- Zitat in diese Diskussion warf - und das mich seither
hartnäckig verfolgt.

Ja, was ist dieses "Ego" überhaupt?: Zu glauben, der "Gnade" zu bedürfen, ist im Grunde
"Ego" - und: das "Ego" ist die Gestalt der "Gnade" - das, was juckt, mich im Geist-Yoga
treibt, motiviert.

Das ist doch irgendwie interessant. Es scheint eine enge Verwandschaft von "Gnade"
und "Ego" zu geben. Gäbe es das "Ego" nicht, gäbe es auch die "Gnade" nicht - also
das, was das "Ego" "heilt".

Und womöglich ist es so einfach, wie sich das Kratzen als Methode gegen das Jucken
entwickelte. Der Geist-Yoga ist die Methode das "Jucken des Ego" zu mildern, eine
Methode, die das Leben wie das Kratzen selbst entwickelt.

die heutige Flucht der Menschheit in den exzessiven Konsum ist nichts anderes, als
auch ein Versuch, dem "Jucken des Ego" zu entkommen, aber er funktioniert nur
temporär, und verlangt dann nach Steigerung.

Im Geist-Yoga konsumiert man quasi sich selbst - was gratis ist, und dazu noch jederzeit
verfügbar, und hat dadurch eine Quelle der Befriedung dieses "Juckens", die
bedingungslos ich selbst bin.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Es ist immer schön, aus einer fremden Sprache zu zitieren, denn das klingt unheimlich gebildet,
so, als würde ich etwas wissen - auch wenn ich hier einen Deutschen aus dem Französischen zitiere, der
meines Wissens gar kein (oder nur ein wenig) Französisch spricht: Karl Renz.

Lorsque tu vois qu'il ne s'est jamais rien passé, il n'y a plus d'étapes. Tu es ce que tu as toujours été et toujours sera ; le reste est simplement le lila, un jeu théâtral.


"Wenn du das erkennst, dem nie etwas passiert ist, gibt es keine weiteren Stufen mehr.
Du bist das, was du schon immer warst und immer sein wirst - der Rest ist einfach
"Lela", ein theadralisches Spiel."

Karl Renz verweist hier auf dieses "Aha ...", du erinnerst dich, ich sage: "Akra kadabra
erwachibus", und du sagst "Ahaa ...", dann, wenn du das erkennst, von was er hier
spricht - und das ist zudem die einzige "Stufe", die es im Geist-Yoga gibt. Mit
diesem "Ahaa ..." ist man dann "entlassen" - man hat den "gestaltlosen Guru" erkannt,
den sogenannten "Sat-Guru", "den Wahrer der echten Überlieferung" - und der ist in allen
"Nicht-Wissens-Fragen" oder "Fragen des Nichtwissens" immer wesentlich kompetenter als Worte.

Wie man das Leben dann wiederum bewerten will, das ist in meinen augen Geschmacksache. Ist es ein
"Spiel"? - ich weiß es nicht - aber dieser Begriff verweist auf etwas, was wir mit einem
Spiel verbinden: "nicht ernst". Und dieses "nicht ernst" verweist wiederum darauf, dass
dir im Leben eigentlich nicht wirklich etwas passieren kann, dass eigentlich nicht du selbst in
ihm in Existenz kommst, dann ums Überleben kämpft, und zwangsläufig stirbst ...".

Seltsame Sache. Er sagt: "Eigentlich passiert mir nichts" ... was auch ein "im Grunde passiert
gar nichts" beinhaltet. Das liegt in der alles umschließenden Natur des reinen Bewusstseins,
das Ramana dazu anstiftete zu sagen: "Ich bin nicht die Ohren, die Nase, die Augen ... ich
bin "Shiva"." Und "Shiva" ist das "reine Bewusstsein" und das "reine Bewusstsein" weiß immer
um sich, um seine Existenz, als diese "Präsenz deiner selbst", die du empfindest.

Das ist der "Cosmic spirit", von dem Ramana im Bericht über sein Todeserlebnis in Madurai
erzählt, das was "das Bleibende" ist.

Und was wiederum Aussagen wie "Was kommt und geht ist nicht wirklich" hervorbrachte. - Der "cosmic spirit",
das "Selbst", der "Selbst-Geist", bleibt unberührt - und dann noch Ramanas berühmtes Beispiel mit der Leinwand
und dem Film. Im Film tobt es auf der Leinwand, aber diesem "ich selbst", das du als "die Leinwand"
bist, dem passiert eigentlich nichts.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Die/der den Geist-Yoga Übende versucht zu erkennen, was mit diesem "cosmic
spirit" gemeint ist - er ist ein Teil deiner eigenen Erfahrung - und der Hinweis
lautet: "Achte auf dein eigenes vorhanden-sein, deine Gegenwärtigkeit, deine
Präsenz", also auf das, was mit dem Begriff "ich bin" gemeint ist: du bist.

"Der Selbst-Geist ist seiend, aber dem Wesen nach unergründlich", und hier
zitiere ich einmal nicht Milarepa, sondern einen Geist-Yogi, den ich gerade
einfach erfunden habe, um meinem Zitat Glaubwürdigkeit zu verleihen. Denn ich
selbst bin hier nur der wahnsinnige Autor.

Die Aussage könnte dir helfen, deine Aufmerksamkeit zu justieren. Schaust du auf die
Inhalte, ist der Selbst-Geist unergründlich - es gibt darin keine endgültige Antwort auf sein Wesen.
Schaust du auf den "seienden Aspekt" - "der Selbst-Geist ist seiend" (und darin ist er
jederzeit erfahrbar: ich bin), erkennst du das, was Ramana mit der "Leinwand" meinte -
den Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund, zu jeglicher Erfahrung: ich bin.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Das Schreiben über den Geist-Yoga, oder "Atman vichara", ist dem Wesen nach sehr
einfach, denn der Selbst-Geist ist immer gegenwärtig. Der Selbst-Geist ist etwas,
was man nicht verlieren kann, nie verlieren konnte, aber in seinem "schon seiend"
erkennen kann. Und dieses Erkennen nennt man dann "der Tod des Egos", was der
"Tod eines Weihnachtsmannes" ist - der Tod von etwas, was ein "Glauben" war.

"Ahhh ... alles eine Einbildung ... ich bin eigentlich nicht in Gefahr", was nicht heißt,
dass Gefahr im Leben angenehm wäre - sie ist aber dem Wesen nach "entschärft", was
immer das dann für den Einzelnen bedeuten mag.

Wie sich diese Grenzenlosigkeit des Selbst-Geistes in deinem Verständnis
artikuliert, ist einfach von deiner Persönlichkeit abhängig - da gibt es keine
großartigen Regeln. Es entspricht dann halt einfach deiner Persönlichkeit.

Auf die Frage "Wer oder was bin ich?" habe ich die direkte, immer seiende Antwort
in meiner eigenen Präsenz - und im Leben eine (vielleicht) interessante Geschichte dazu.

Man selbst besteht quasi aus zwei Aspekten: etwas, was regungslos verharrt (reines
Bewusstsein) und etwas, was sich bewegt, ständig verändert: das Leben.

Und im Leben kann ich mich nicht festhalten, ich entschlüpfe mir ständig, in
ein anders Bild, in ein anders Geschehen - aber in dem, was regungslos verharrt,
kann ich mich immer greifen, berühren, spüren.

Und es erfordert eigentlich kein Festhalten, denn es entkommt mir nicht. Und
warum? Weil ich es fest bin.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

"Was kommt und geht ist nicht wirklich" verweist also auf dieses "auch der Hintergrund
meines Lebens zu sein", das, was traditionell der Selbst-Geist genannt wird, und
was bleibt, egal was kam oder ging.

Der "Selbst-Geist" ist die rätselhafte Grundlage eigenen Mensch-Seins, das Holodeck,
in dem das Leben stattfindet. Ein Holodeck, das zwar seiend ist, und
ursächlich für Mensch-Sein, aber in einer ihm eigenen Gestalt und in dieser Ursache
als Holodeck für mich unergründlich.

Und das wird irgendwie gerne verwechselt. Man erwartet bei diesem "Ahaa ..."
gerne, sucht man es, eine Art Antwort, eine Art Erklärung: "Es ist so und so, und
ich bin das und das ... und das wars."

Aber die Antwort gleicht eher dem Gegenteil einer solchen erwarteten Antwort. Man
blickt ohne eigentliche Antwort auf das Rätsel der eigenen Existenz.

Manche sagen daher: "Die Antwort ist das Sterben der Frage." Und doch ist nicht einfach
nur die Frage verstorben, sie hat tatsächlich eine Art Antwort erhalten, oder
erhält sie, im bewussten Spüren meiner eigenen Existenz.

Das eigene Verständnis, und damit Selbstverständnis, wird mit dem konfrontiert, was
wir "Bewusstsein" nennen, aber nicht begrenzt auf den Aspekt des Wahrgenommenen
(Leben), sondern auch im Aspekt des wahrnehmenden Subjekts, was Bewusstsein selbst
ist.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Über das "reine Bewusstsein" kann man viel erzählen, ohne dass es erklärlich
wäre. Man spricht halt über seine Unerklärlichkeit - was einfach auch wieder
"Ego-Tode" sind. Einfach Grenzen, in denen ich mich selbst beschränkt sah,
und die eigentlich gar nicht existieren.

Was bin ich, wenn ich vor jedem Anfang stehe? Im Bewusstsein dringt man in den
Raum des seienden "ich bin" ein, und er hat keine Grenzen, und vernichtet
gleichzeitig alle Bedingung an mein Sein, mein Gestalt-Sein ... es ist keine wirkliche
Grenze meines Wesens.

Wie geht man damit um, als Mensch?

Die Betrachtung des reinen Bewusstseins in eine Herausforderung: Wer bin ich?

Und ich suche die Antwort im Spüren, im bewussten "bei mir sein", dort, wo
ich bin, hier, wo ich weiß, *dass* ich bin.

"Dass ich bin" weiß ich immer - "was ich bin" ist ein sich ständig verändernder
Diskussionsstoff --- und das "dass ich bin" (bewusste Spüren meiner selbst)"
beflügelt die Diskussion, darüber, "was ich bin".

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Bewusstsein ist etwas, was dem Wesen nach nicht über einen Anfang und ein
Ende begreifbar ist. Es erschafft Anfang und Ende. Es ist die Realität, die über jeglichem
Anfang und jeglichem Ende, und damit jeglicher Gestalt steht. Und sie ist
"still", "unbewegt tragend".

Und: das bist Du selbst.

"Denn der Sohn-Geist und der Mutter-Geist sind ein Geist", steht irgendwo im
Mahamudra. Im Spüren, bewussten Spüren der eigenen Präsenz, findet quasi diese
Begegnung des "Sohn-Geistes" mit dem "Mutter-Geist" statt, der Realität, die über
jeglichem Anfang und Ende steht, über allem Leben - und du erkennst dich im
Wesen identisch mit dem "Mutter-Geist": "Denn der Sohn-Geist und der Mutter-Geist
sind ein Geist."

Aber man hat im Leben keinen direkten "Vorteil" daraus, mit dem "Mutter-Geist" identisch zu
sein, denn das ist dann halt jeder andere auch, selbst die Mücke, die um die
Kaffeetasse schwirrt - und war auch schon immer so.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Indem man sein eigenes "existent-sein" spürt, spürt man eigentlich das
"reine Bewusstsein", das, was Karl Renz als etwas umschreibt "was nicht
durch die Körpersinne wahrgenommen wird." Es ist aber völlig egal, ob
du weißt, ob du dieses "existent-sein" durch die Körpersinne oder unabhängig der
Körpersinne wahrnimmst. Man spürt es einfach, bewusst: ich bin.

Es ist auch völlig egal, wie du dieses eigene "existent-sein" interpretierst, ob
als etwas "erschaffenes", aus dem Körper hervorgehendes, oder wie auch immer.
Wesentlich ist nur das Spüren eigenen "präsent-seins", egal wie ich mir dieses
"dass es micht gibt" erkläre.

In diesem Wissen eigenen existent-seins liegt das Wissen des Bewusstseins um seine
eigene Existenz. Und die Existenz von Bewusstsein ist das eigentliche Rätsel,
das unauflöslich scheint.

Warum gibt es Bewusstsein? Man greift in einen Grund, den es für Bewusstsein
gar nicht gibt. Das Verständnis versucht sich in akrobatischen Einlagen einer
Wahrheit über das Bewusstsein, dich selbst, zu nähern und scheitert.

Das einzig gesicherte Wissen, das es über Bewusstsein gibt, ist, dass es Bewusstsein
gibt. Und das weiß das Bewusstsein selbst, du selbst: ich bin.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

In der heutigen Zeit richten die Menschen ihre Aufmerksamkeit fast ausschließlich
auf Bewusstseinsinhalte, Ereignisse im Bewusstsein, also ihr Leben, und erwarten
eine Antwort auf die Frage nach sich selbst daher in Form eines Ereignisses. Und es ist
logisch, dass darin dieses Ereignis "Erwachen" ein Ziel ist, wie alles, was in den
Bewusstseinsinhalten erreicht wird, zum Beispiel ein Schulabschluss, eine
Beziehung, den Zahltag am Monatsende, und so weiter.

Es gibt zwar beim "Erwachen" tatsächlich auch so etwas wie einen Tag x im Leben,
aber es ist ein Erkennen von etwas, was schon immer ist - und daher ist das, um was
das Thema kreist, eigentlich nicht selbst Gegenstand eines Zieles, eines Erreichens - und
doch ist die Erkenntnis etwas, was im Leben erreicht wird, dann, wenn mir dieses
"bereits seinede" auffällt, eine Art Integrartion in meine Persönlichkeit stattfindet.

Nach diesem "erstmaligen Erkennen" gab es für mich bisher eine längere Phase
der "Vertiefung des Erkennens", die immer weitergeht, und bei der für mich auch kein
Ende absehbar ist.

Als ich zum Beispiel zum ersten Mal erkannte, "nur hier" zu sein, war dies ein sehr
erstaunliches Erlebnis. Heute ist das völlig normal, und es ist in Gesprächen mit den Menschen
in meinem Umfeld eher verwunderlich, dass das jemand nicht sieht, nicht erkennt,
dass "hier" die einzige Realität ist, und immer war, egal wie gigantisch das Konstrukt
der Zeit und des Raumes in meinen Vorstellungen ist. Es ist der Aspekt meiner selbst, in
dem ich realer als die Zeit bin, denn die Zeit, wie auch der Raum ist eine Schöpfung des
Bewusstseins, also von dir selbst.

Das klingt erst einmal völlig sonderbar, tritt man in diese Thematik ein, ja, unvorstellbar -
aber es ist eigentlich so, wie jedes Leben schon stattfindet.

Bei "Atman Vichara" richte ich meine Aufmerksamkeit also auf meine Präsenz, mein
vorhanden-sein, unabhängig davon, wie die Inhalte meines Lebens gerade ausschauen,
der Kaffee duftet, eine Fliege über den Bildschirm läuft, was auch immer.

Das stört aber auch alles nicht, muss nicht anders sein, oder weg sein - indem ich
wahrnehme, richte ich meine Aufmerksamkeit einfach immer wieder auf mein eigenes
vorhanden-sein. Es gibt also für "Atman vichara" keine Bedingung im Leben, keine
besondere Sitzhaltung (bequem ist immer angenehmer als unbequem), auch gibt
es keine bestimmten Handlungen, die ich dabei zu tun oder zu unterlassen hätte.

Das ist einfach alles für "Atman vichara" nicht wichtig - wichtig ist nur mein
vorhanden-sein mit dem Fluss der Wahrnehmung von Ereignissen und Veränderungen
bewusst zu spüren. Dabei erkenne ich mit der Zeit, dass sich mein eigenes
vorhanden-sein gar nicht verändert - es gleich bleibt, unabhängig der Entwicklungen
im Leben.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Diese eigene Präsenz ist auch im Tiefschlag gleich präsent, und das, was
dann behauptet "da war nichts". Wenn da nichts war, wie kann dann jemand
behaupten, dass da nichts war? Der Zeuge ist also auch im Tiefschlaf "wach",
nur, wenn nichts geschieht, dann gibt es auch nichts zu berichten - und
damit hat der Tiefschlaf im Empfinden keine zeitliche Ausdehnung. Dazu müsste
er einen inhalt haben, der sich dann über die Vorstellung der Zeit gliedern
könnte. So ist eigentlich der wirklich leere Tiefschlaf nicht einen Bruchteil
einer Sekunde lang, da zeitliche Ausdehnung eine Veränderung von Inhalten
verlangt. Zeit existiert eigentlich nur als ein Vorstellungshintergrund, in dem
Veränderungen dargestellt werden.

Und alle Veränderung bezieht sich auf Inhalte, also Ereignisse im Bewusstsein.

Der Tiefschlaf ist, wie der Tagesablauf, und wie die Träume, einfach ein Inhalt
des Bewusstseins - und Bewusstsein ist immer hier - egal ob in ihm etwas
geschieht, oder auch nicht.

Ich erwähne dieses Thema Tiefschlaf aber eigentlich nur, um darauf hinzuweisen, dass
man sich durch die Diskussion über den Tiefschlaf nicht irritieren lassen
soll. Er scheint in der Vorstellung (Erinnerung) etwas zu sein, in dem ich nicht präsent
wäre - aber nur so lange, wie ich mich ausschließlich über Inhalte definiere.
Und dort, wo dann kein inhalt ist, scheint dann ein "Loch" in mir zu sein.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Aber im Grunde ist der Tiefschlaf einfach ein Ereignis im Bewusstsein -
wie alle anderen Ereignisse auch - oder man könnte auch sagen, der
Tiefschlaf ist ein Nicht-Ereignis im Bewusstsein.

Bewusstsein selbst hat als "reines Bewusstsein" weder eine zeitliche noch
eine räumliche, noch eine erkennbar andersdimensionale, Gliederung.
Es ist "blankes Hier" könnte ich sagen - aber dieses "spirituelle hier" ist
ein umfassendes zu allem, auch zu jeder Zeit- und Raumvorstellung, auch
wenn das "realtive hier" des Sprachgebrauchs in die richtige Richtung weist.

Aber das erschließt sich alles für das eigene Verständnis im Fortgang
der Vichara. Ich sage hier nur einmal als Anregung: du bist
wirklicher als alle Zeit und aller Raum, und damit wirklicher als dieses
Universum, das den Hintergrund für dein eigens Leben bildet.

So lange man sich aber auf seine eigene Gestalt begrenzt (Ego), glaubt man
sich in dieser Begrenzung im Wesen als Opfer von Raum und Zeit, als
etwas, das darin einen Anfang und ein Ende hat - und das stimmt für
die Persönlichkeit auch vollständig. Aber du bist halt nicht nur diese
Persönlichkeit, die du gerade erlebst - und das erschließt sich für dich
mit der Zeit, indem du dich bewusst deinem vorhanden-sein zuwendest.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

In diesem vorhanden-sein deiner selbst erkennst du im Fortgang der Vichara,
dass etwas an dir realer als dieses Leben ist, auch wenn du dieser höheren Realität
keinen Inhalt als Gestalt zuweisen kannst. Sie zeigt sich als dieses vorhanden -sein
deiner selbst: ich bin. Und in ihm steckt eine Art Potenzial an Erkenntnis für dein
eigenes Verständnis, das sich entfalten kann, indem du dich deinem
vorhanden - sein bewusst zuwendest -- es spürst, betrachtest, und dadurch erforschst,
einfach für dich selbst erforschst. Was bedeutet das, DASS ich bin?

Man könnte auch sagen, es ist einfach ein Zuhören. So wie man gewönlich den
Erscheinungen des Lebens zuhört, wahrnimmt was geschieht, so wendet man
sich der eigenen Erfahrung "zu sein" zu, hört ihr gleichsam zu, betrachtet sich
diese Erfahrung aufmerksam.

Dein vorhanden - sein ist im Grunde eine Erfahrung wie jede andere Erfahrung
auch, etwas, was du schon unter dem Begriff Erfahrung kennst: ich weiß, ich bin.
Betrachte dir diese Erfahrung, und versuche dadurch ihre Bedeutung für dich
selbst zu entschlüsseln. Was hat es mit dieser dir bereits vertrauten Erfahrung auf sich?
Was bedeutet sie?

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Die Frage nach mir selbst war eigentlich in meinem Leben immer eine fundamentale Frage,
und eigentlich ist es für jeden einmal sinnvoll, sie sich bewusst zu stellen. Man agiert
im Leben weitgehend in einer still geglaubten Vermutung, darüber, wer oder was man
wäre. Man hinterfrägt diese Vermutung gar nicht. Man weiß, man ist die oder der, hat
dies oder das erlebt, erreicht, erworben, verloren ... im Spüren meiner selbst, also
meiner Präsenz, meinem vorhanden-sein stelle ich mir, ohne es zu sagen, die Frage
nach mir selbst: "Wer oder was bin ich?"

Aber es geht über die reine Frage hinaus ... ich bin im "ich bin" bereits in Kontakt mit
der Antwort auf die Frage.

Im reinen Bewusstsein geschieht einfach alles umfassend, und wie es nicht vorhanden ist, ob
als Ereignis, Gedanke, Idee, Gefühl, Gestalt, was auch immer, ist es auch ohne jegliche Relevanz
für das "ich selbst" meiner Gestalt.

Aus der Warte des "reinen Bewusstseins" ist das Leben ein Geschehen. Es gleicht mehr
etwas, was unter seinem Licht gedeiht. Diese Erfahrung ist vergleichbar mit
Sonnenlicht. Unter dem Licht der Sonne wachsen die Pflanzen, aber die Sonne tut
ja eigentlich nichts daran ...sie scheint halt einfach. Und so ähnlich kann einem
das auch mit dem Bewusstsein erscheinen. Es ist das, in dessen Licht die Sonne
entstand, und alles andere.

Dieser schöpferische Aspekt des Bewusstsein ist aber in meinen Augen noch weitgehend
unergründet, und wie Schöpfung durch Bewusstsein funktioniert wohl eine
Wissenschaft der Zukunft, wenn eben die Inhalte des Bewusstseins so weit
gediehen sind. Es ist dasselbe Bewusstsein, das mich(sich) als Mensch erlebt,
das auch alles andere im Ereignis Universum erlebt hat und erleben wird.

Aber das klärt sich im eigenen Verständnis im Fortgang der eigenen Vichara,
so wie die "Einzigkeit" des Bewusstseins erkannt wird und diese Erfahrung
sich dann als Verständnis artikuliert.

Im Verweilen im "ich bin", oder Spüren meiner selbst, oder Spüren meiner
eigenen Präsenz (alles dasselbe), konfrontiere ich mein Verständnis mit dieser
Selbsterfahrung ... was bedeutet sie für mich?

Was der Mensch in der heutigen Zeit fast sträflich, da sozial eben so
konditioniert, vernachlässigt: seine Aufmerksamkeit nicht nur den
Ereignissen zuzuwenden, sondern auch dem, für den sie geschehen: sich selbst.

Er glaubt sich dann rein als eine Gestalt, und beginnt sich plötzlich zu
vermissen. Er ist wie verloren in einem Ereignis, irgendwo, ohne Ahnung
über ein wozu? noch warum? --- aus unbekannter Ursache einfach erschienen,
und kämpft nun um diese seine Existenz, über deren Herkommen er gar
nichts weiß.

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