Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

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- one to two
- one to some (beliebige Zahl)
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Tobias

Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Hier werde ich zukünftig etwas bastel, sägen, flexen, schweissen, mischen,
synthetisieren, analysieren ...

an Worten, Sätzen, Texten, auf der Suche nach dem "Stein der Weisen".

Es ist das Lobor eines Wahnsinnigen ... und ein reiner Monolg ...

Diskussionen unter: "Das Atman-Vichara-Labor (Diskussion)"

Prägnante Aussagen aus Geschichte und Gegenwart, an denen geschliffen,
gefeilt, untersucht, etc. werden soll, werden unter

"Das Atman-Vichara-Labor (Kühlschrank)" gelagert.

:magic: :magic: :magic: :magic:

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Ein recht genialer Text von Karl Renz, den ich da gerade zufällig
zu seiner Veranstaltung in Paris las:

La seule mort possible est celle de l'ego (l'idée de séparation). Et la question est : « Comment ce qui n'existe pas pourrait-il mourir ? Comment pourrait mourir ce qui est une apparence se présentant dans la perception comme simplement une sensation ? Par quel moyen le mensonge prétendant à l'existence d'un être séparé peut-il disparaître ? Pour quoi ou pour qui le mensonge de la séparation disparaît-il ? »

Lorsque tu vois qu'il ne s'est jamais rien passé, il n'y a plus d'étapes. Tu es ce que tu as toujours été et toujours sera ; le reste est simplement le lila, un jeu théâtral.

Reviens toujours à ce point : soit antérieur à ce qui existe dans le temps. Vois que ce que tu es ne peut être perçu par aucun des sens.


Denn eigentlich ist das "Atman Vichara", was er hier sagt. Ich werde
es später ausschnittsweise übersetzen. Aber alleine die Definition von "Ego" finde ich
sehr schön: Ego = Idee des Getrennt-seins ...

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Eigentlich wollte ich den Text von Karl Renz übersetzen, aber er wirft für mich
in Hinsicht auf seine Beschreibung von "Atman vichara" zu viele Fragen auf.

Einmal spricht er von einem "vor den Dingen", dann auch von "etwas, was du
bist, und was durch kein Sinnesorgan wahrgenommen wird", auf das man
achten solle.

Ich hatte mit solchen Beschreibungen früher große Probleme, denn die Menschen
schienen von etwas zu sprechen, was nicht bereits Bestandteil meiner ganz gewohnten
Selbsterfahrung gewesen wäre. Dieses "vorher" schien wie auf ein "vor mir (mich)" zu deuten -
und das stimmt nicht. Das ist eben das Problem mit diesem "Ego", dieser
"Idee des Beschränkt-Seins" ... man wähnt dann in solchen Worten sich selbst
getrennt vom "wahren Selbst", was ein "anders" zu mir wäre: vorher, nachher,
außen herum, innen, in mir verborgen ...

das ist aber alles Blödsinn: das "Ego" ist nur eine Idee, aber meine eigene Realität,
die Karl Renz so zu umschreiben versucht, immer gegenwärtig, verfügbar, präsent,
seiend. Und das ist hilfreich zu verstehen, interessiert man sich für "Atman vichara".

Man sucht in diesem "ich selbst" nicht etwas, was verborgen wäre, sondern etwas,
was bereits jederzeit hell "leuchtet", die Präsenz meiner selbst: ich bin.

Und muntert mich auf, dieser meiner Präsenz meine Aufmerksamkeit zu widmen. Die
eigene Präsenz ist immer etwas, was jederzeit vorhanden ist, und ohne die
Sinneswahrnehmung gar nicht stattfinden könnte, denn: für wen? - sie ist
für mich - und verweist darin wieder auf mich, den wahrnehmenden "Hintergrund",
der in derselben Weise ein "mit dem Wahrgenommenen" und ein "Vordergrund" ist -
ungetrennt. Hier spricht er von etwas, was keine Sinneswahrnehmung ist - aber die
Sinneswahrnehmung verdeckt mich auch nicht - sie geschieht in der Präsenz meiner selbst -
und ich "spüre" diese Präsenz, einfach so, wie sie ist, und es ist eigentlich dabei völlig egal, was
sich in ihr gerade entfalten mag.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Es gab zwei Gedichte von Milarepa, die ich um das Jahr 1988 auswenig lernte.
Damals, Studium, ging ich gerne im Wald spazieren, und sagte dann diese Gedichte
vor mich hin - versuchte zu ergründen, was Milarepa wohl meinte:

"Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt
auf den ursprünglichen Zustand seines Geistes
lösen sich alle trügerischen Gedanken von selbst auf
in das Reich der letzten Wirklichkeit.
Niemand ist mehr zu finden, der Leiden verursacht,
und niemand, der leidet.
Das erschöpfendste Studium der Sutren
lehrt uns nicht mehr als dies Eine."

Das Problem für mich war, dass er von etwas zu sprechen schien, einem
"Reich der letzten Wirklichkeit", das nicht schon wäre, hier wäre - irgendwo
wäre, dann, wenn sich alle trügerischen Gedanken aufgelöst hätten.

Und nun, wie würde ich denn heute so ein Gedicht schreiben?

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Schwierige Frage, denn eigentlich ist das Gedicht sehr schön.

"Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt,
auf den ursprünglichen Zustand seines Geistes ..."


Wenn sich jemand bewußt als die eigene Präsenz (vorhanden-sein) spürt

lösen sich alle trügerischen Gedanken von selbst auf
in das Reich der letzten Wirklichkeit.


erkennt sie/er sich mit der Zeit als die eigene Präsenz,

Niemand ist mehr zu finden, der Leiden verursacht,
und niemand, der leidet.


die wirklicher als dieses Leben ist.

Das erschöpfendste Studium der Sutren
lehrt uns nicht mehr als dies Eine."


Alle Lehren des Geist-Yoga kreisen nur um diese einfache
Tatsache.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Und darin habe ich eigentlich die vollständige Einfachheit des Geist-Yoga
umschrieben: bewusst, absichtlich die eigene Präsenz spüren -
und in diesem Spüren findet automatisch das statt, was man "Besinnung"
und "Erkenntnis des ursprünglichen Geistes" nennt - und all die sich daraus
ergebenden Konsequenzen für das eigene Verständnis.

Ich setze einfach meinen Überzeugungen über mich selbst bewusst meine eigene Realität
entgegen - und meine Überzeugungen werden sich automatisch an ihr messen.

Und die eigene Präsenz kennt jeder ... sie ist ja Bedingung zu jeglicher Wahrnehmung:
mein eigenes "präsent-Sein", das von anderen wiederum als das "ich bin" umschrieben wird.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Eigentlich umkreise ich das Thema ja nur, damit der interessierte Leser
immer wieder zu diesem bewussten absichtlichen Spüren seines eigenen
Vorhanden-seins angeregt ist: mich gibt es ... wie fühlt sich das an?

Und dann spürt sie/er einfach dieses eigene Vorhanden-Sein. Das ganze Problem
am Geist-Yoga ist nur das, dass es für jeden eine gewisse Zeit braucht, bis es
"funkt", ein "ahhh ..." entsteht, ein Erkennen von mir selbst in der
eigenen Präsenz, als die eigene Präsenz, die auch als das "hier" umschrieben wird.

Nur birgt die Beschreibung "hier" wieder das Risiko, dass jemand denken
könnte, sie/er sei zu irgendeiner Zeit nicht hier. "Nicht hier" kann
man nur in der Vorstellung sein, aber Vorstellung ist immer im "hier"-
man ist immer vollständig nur "hier".

So mag dann vieleicht jemand denken, sie oder er müsste erst "hier" sein,
um das eigene Präsent-sein bewusst spüren zu können, also "es richtig zu machen",
aber das ist Unfug. Die Gedanken, die von einem "nicht hier" sprechen,
sind in deiner eigenen Präsenz - und nur sie ist bei dieser Übung wichtig.

Das Denken kann dabei so geschehen, wie es will - es stört nicht - ich lenke meine
Aufmerksamkeit von ihren Geschichten, die von einem "nicht hier" als
Vergangenheit, anderer Ort, oder Zukunft sprechen, einfach immer wieder auf
meine eigene Präsenz zurück. Natürlich werden sie die Aufmerksamkeit immer
zu entführen versuchen, in all ihre bunten Geschichten ...

aber irgendwann wird dir auffallen, dass sie dich eigentlich nie aus dir selbst,
eigene Präsenz, entführen - sondern in ihr leben.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Wenn du also lange genug diese dir eigene Präsenz spürst, findet eine Art
"Erkennen" statt, das dir die "spirituelle Sprache" des Geist-Yoga
erschließt ... du erkennst, dass sie alle von dieser dir eigenen Präsenz sprechen: ich bin,
einfach der Präsenz, die ist und wie sie ist ... immer ist, jetzt schon ist, genau hier ist,
anstrengungslos von selbst ist.

Sie ist jedem gewohnt, vertraut, aber in diesem bewussten Spüren erschließt sich
für mich ihre Bedeutung für dieses "ich selbst", das ich in der "Vichara" gleichsam
suche, zu greifen suche - und damit zu begreifen versuche - um zu diesem neuen
Selbstverständnis zu kommen, was "erwachen" genannt wird.

"Erwachen" ist im Grunde ein tiefergehendes Selbstverständnis in den Aspekt der
eigenen Präsenz hinein - ein "über alle Gestalt hinaus" meiner selbst ... die Integration der
gestaltlosen Präsenz meiner selbst in mich selbst, als Bedeutung für mich selbst -
für mich selbst, als dieser Mensch.

Und das ist wiederum große Einfachheit des Geist-Yoga, oder von "Atman vichara":

Ich muss mir meine eigene Präsenz nur bewusst betrachten, oder sie spüren - egal wie man diesen
Akt noch viel treffender anders umschreiben könnte. Einfach mich selbst in Aufmerksamkeit spüren,
mein vorhanden-sein - was dasselbe ist, was mit "sich selbst betrachten" gemeint ist.

Wenn jemand sagt: "Schaue auf dich selbst", da frägt man sich ja "welches selbst?", also:
"worauf achte ich dabei?" ... auf deine eigene Präsenz: ich bin

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

In der Tradition des Geist-Yoga spricht man von: "Der Segen des Geist-Yoga
ist unermesslich". Und das würde ich in meiner heutigen "spirituellen Sprache"
so uneingeschränkt stehen lassen ... für den Menschen ist der Segen unermesslich,
in jeder Hinsicht ... auch wenn ich selbst darin an mir weder etwas gewinne
noch verliere - ich blende ja nur etwas als meine eigene Identität aus - was
ich aber schon kenne - meine eigene Präsenz.

Und hier haben wir wieder dieses "Ego", ein Begriff, den ich selbst ungern
verwende, aber ein Gespenst, das in der spirituellen Diskussion wie ein
Drache wütet. :bgdev: :biggthumpup:

Ich habe mich auf meine Gestalt beschränkt. Ich denke, ich glaube, ich
bin emotional überzeugt, nur meine Gestalt zu sein. Und hier darf ich mir
dieses "Ego" gerne aufmerksam genauer betrachten: "meine eigene Überzeugung,
nur meine wahrgenommene Gestalt zu sein - aber nicht ich selbst, der ich
meine Gestalt wahrnehme, und ihre Heimat bin."

Das ist: "Ego" ... ein Irrtum meiner selbst. Wie willst du nun dieses "Ego"
verjagen, töten, vernichten? Du musst dein Selbstverständnis revidieren.

Und wie tue ich das? indem ich selbst nachschaue, was ich eigentlich bin.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

"Das Umkreisen des Geist-Yoga ist Geist-Yoga"... weil nur etwas daran wichtig
ist: nicht meine Worte, nicht meine Versuche, es dir so treffend als mir möglich
zu beschreiben - der Blick auf dich selbst, der dabei entsteht, liest du es,
und reflektierst darüber ... Spüren deiner eigenen Präsenz ... was ist das eigentlich ...
zu sein? Wie fühlt sich das an? Wie fühle ich mich an, in meinem direkten Sein,
präsent-sein? Ich bin?

Um beim "Ego" zu bleiben, das sich nun einmal durch Karl Renz :icon_mrgreen_small: in
diese Betrachtungen geschlichen hat: es ist bei der Praxis des Geist-Yoga ohne jegliche
Bedeutung.

Es hat insofern Bedeutung, dass du dich durch das "Ego" von dir getrennt fühlst, und
dich dieses Unbehagen bis hierher geführt hat, auf der Suche nach einer Lösung: das
ist schon das ganze "Ego" ... ein Irrtum deiner selbst. Und ich spreche hier nicht von einem
richtigen oder falschen Selbst, sondern nur von dir selbst - denn "richtiges Selbst" und
"falsches Selbst" sind Gegenstand des "Egos": eines Irrtums ... es gibt kein "falsches Selbst".

Es gibt aber diesen Irrtum von dir selbst über dich selbst - in diesem Erleben des
Menschsein. Und du darfst dich gerne fragen, wen ich dabei anspreche? Dich

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Eigentlich leiden die Menschen in vielen Aspekten völlig überflüssig,
durch einen Irrtum über sich selbst.

Und das ist das, was Buddha mit "Leid - und dem Ende von Leid" meinte. Weiterhin
wird es Schmerzen, Gefühle aller Art, auch sehr traurige, geben - aber
sie sind alle du selbst - sie sind kein Mangel mehr, sondern eher Reichtum.

Sozial ist der Geist-Yoga in seinem Wesen noch unermesslicher, als für den
einzelnen Menschen ... und das ist auch der Grund, warum ich an diesem Buch schreibe.
Als Mensch werde ich nicht die sein, die ich gerne davon profitieren lassen würde,
aber dem Wesen nach bin ich sie alle.

Am liebsten wäre mir ein Zauberspruch, wie: "Akra kadabra, erwachibus" - und
du sagst "aha", und das wars, sagst zum Nachbarn "Akra kadabra, erwachibus",
und sein Hund, der zufällig neben ihm steht, sagt auch: "ahaaaaa ... wau wau
(ich bin erwacht)".

Und dieser Zauberspruch verbreitet sich wie eine Epedemie, und nach 2 Tagen
sagte jede Laus "Ahaaaa ...".

Man darf das rein sportlich sehen, als die Idee eines Wahnsinnigen, eines
wahnsinnigen Alchimisten ... der Terroranschlag auf das "Ego" - und damit soll
mich das "Ego-Thema" auch nicht mehr weiter interessieren - "ich bin" ist
real, das "Ego" ein Phantom der Vorstellungen der menschlichen Spezies über
sich selbst.

Es soll auch das Buch eines Wahnsinnigen sein - es gibt schon genug Bücher
von klugen Menschen, die die Welt (und damit sich selbst) verstanden
haben: = E G O

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Was man mit der Beseitigung des Ego meint, ist also nur die
Beseitigung meines eigenen Irrtums über mich selbst, durch Erkenntnis,
die in der Selbstbetrachtung (dem Spüren meiner eigenen Präsenz)
geschieht.

Ich muss dabei nichts entfernen, keine Gedanken, keine persönlichen
Vorlieben, keine schlechten Eigenschaften, wie Furzen beim Essen -
ich muss gar nichts entfernen, nur mich selbst bewusst, absichtlich spüren;
mit dem Ziel einen eigenen Irrtum zu beseitigen, eine Überzeugung über mich
selbst, die ich sozial übernommen habe.

Und in diesem "revolutionären Aspekt" des Sprechens über den Geist-Yoga
bin ich dann wieder mit John Sherman verwandt - auch wenn er sich
inzwischen ganz aus der Spiritualität (als Thema der Diskussion) verabschiedet hat.

Ich halte aber persönlich einen solchen Abschied für von Nachteil, da
die spirituelle Tradition des Geist-Yoga über genau dasselbe zu sprechen
versucht wie ich auch.

Zu glauben, davon überzeugt zu sein, nur dieses menschliche Wesen zu
sein, ist das viel gehasste "Ego" - zu erkennen, dass du der Selbstgeist
selbst bist ("Gott") ist der "Tod des Ego" ... wie solltest du dabei sterben,
bist du jetzt schon der Selbstgeist? Ein Irrtum stirbt - von dir, über dich
selbst.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Und da dies das Buch eines Wahnsinnigen ist, sei ihm gestattet, das "Ego"
mit dem Pockenerreger zu vergleichen, und den Geist-Yoga mit einer
Medizin. John Sherman stieß mich auf diesen Vergleich, und er hat
einfach etwas "griffiges" ... denn der über den Geist-Yoga Sprechende
versucht quasi den Lesenden auf eine in ihm seiende Medizin gegen
diese Erreger (Ego) hinzuweisen. Die Medizin bist du selbst, in diesem
bewussten Spüren deiner eigenen Präsenz. Er weist nur auf diese dir
innewohnende Medizin hin: ich bin

Und diese Medizin ist jederzeit und an jedem Ort für dich verfügbar,
denn du bist sie selbst.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Für den Geist-Yoga muss ich weder wissen, wer ich bin, noch was ich bin, noch was
das Leben ist, wie es besser wäre, und so weiter - ich muss eigentlich nur verstehen,
dass ich mich als Geist-Yoga einfach in meiner eigenen vertrauten Präsenz bewusst
spüre, immer wieder, bis er "greift" ... dann geschieht er eh von selbst. Denn diese
Nähe zu mir selbst, die ich im Geist-Yoga zu begreifen und zu leben lerne, lockt
mich als empfundenes Wohlgefühl, das ich dann durch ihn verspüre ... und dieses empfundene
Wohlgefühl in dieser Direktkeit des Spürens meiner selbst, in meiner Präsenz, ist das,
was man das "Erlöschen des Ego" nennt ... der "Irrtum" beginnt sich aufzulösen.

Tobias

Re: Das Atman-Vichara-Labor (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Da es das "Ego" quasi nur als "religiösen Fanatismus" (Glauben) gibt, möchte ich mich
nun einem vielleicht ergiebigerem Thema zuwenden, dem Thema "Gnade". Denn diese "Gnade"
steht wie ein unerbittlicher und unbeherrschbarer Knüppel im Raum der spirituellen Diskussion - und
hatte mich zeitweise selbst in Phasen tiefster Verzweiflung gestürzt.

Um diesem "Knüppel der Gnade" eine Kontur zu geben, zitiere ich mal wieder den von
mir sehr geschätzten Milarepa:

"Die große Weisheit der Erleuchtung,
die Samsara und Nirvana weit hinter sich lässt,
der Wille erzwingt sie nicht. Sie kann nur errungen werden,
mit dem Segen und der Hilfe des Wahrers der echten Überlieferung."

Was "Gnade" ist, weiß eigentlich niemand. Sie steht wie ein unerklärliches
Phänomen im Raum der spirituellen Diskussion - etwas, durch das die
einen "erwachen", und die anderen halt nicht. So etwas wie "Glück gehabt" und
"Pech gehabt".

Aber eigentlich ist das Rätsel um die Gnade hier einfach aufzulösen - und warum
es Milarepa nicht selbst tat, ist mir ein Rätsel.

Im Geist-Yoga ist das Spüren deiner eigenen Präsenz (ich bin) Hinwendung
an "den Wahrer der echten Überlieferung." "Der Wahrer der echten Überlieferung"
ist deine eigene Präsenz selbst. Indem ich mich ihr(mir) bewusst zuwende, greife ich
nach "dem Segen und der Hilfe" dieses "Wahrenden der echten Überlieferung" -
dem sogenannten "reinen Bewusstsein" (zu diesem Begriff später mehr).

"Der Wille erzwingt sie nicht." singt Milarepa vorher. Und das kann man durchaus
so sehen. "Wille" ist hierbei meine bewusste Zuwendung, die ich meiner eigenen
Präsenz zuteil werden lasse. Und mehr kann ich dabei auch nicht tun - und muss
ich auch nicht. Ich kann "die Erkenntnis" über den Verstand nicht erzwingen, aber
das brauche ich auch nicht, denn ich wende mich direkt an "den Wahrer der echten Überlieferung." -
Und es ist dieses "Wahrende der echten Überlieferung", das in diesem Prozess
die Führung übernimmt - und ich mache gar nichts, nicht mehr, als bewusst "das Wahrende der
echten Überlieferung" zu spüren - und nehme damit seine Hilfe und seinen Segen in Anspruch.

Und wer das tut, warum auch immer, völlig egal -- niemand weiß, was "Gnade"
einer Gestalt nach sein soll -- steht automatisch "im Segen des Wahrenden der
echten Überlieferung" ... . Warum? Sonst würde sie oder er es gar nicht tun.
Dieses Tun selbst ist bereits die "Gande" im Geist-Yoga - und unergründlich in
seinem eigentlichen Herkommen.

Wer also einfach nur sich selbst bewusst spürt, erlebt bereits das, was man "Gnade" nennt-
und sie ist darin im Prinzip so einfach, wie wenn man sich an der Nase kratzt.

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