Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

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Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Das Paradox ist, dass ich als Mensch vollständig begrenzt bin, und aus
dieser Beschränkung heraus einer Welt gegenüber stehe, aber dass dies
nicht für die eigentliche Identität gilt. In dem, was Identität ist (ich),
ist Leben keine Begegnung mit Fremden, sondern mit mir selbst.

Habe ich nun zwei Identitäten? Eigentlich nicht. Es ist immer dieselbe Identität,
die sich mal mehr, dann wieder weniger, eine Gestalt gibt, die sie als ein "ich selbst"
in einer Situation annimmt. "Ich selbst" ist in diesem Aspekt ein sich permanent wandelndes
Phantom. Ich kann mich eigentlich an dieser Gestalt nirgendwo festmachen.

Aber schaue ich in das "immer gleiche Licht" (Gegenwart) findet sich ihre eigentliche
Heimat hier, in der sogenannten Gegenwart, als etwas, das als die Gegenwart
verweilt.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

5. November 2010

Die letzten Tage überlegte ich mir, ob ich überhaupt Texte über "Erwachen"
schreiben soll, nachdem hier etwas von Karim gepostet war - und ich mich bei
ihm mal umgeschaut habe.

Schön finde ich ja, dass er "atma vicara" lehrt.

Aber er schrieb etwas von "Erwachen" als eher "ungeeignet" für bestimmte
Personengruppen. Und wenn ich mich so auf jetzt-tv.net umschaue, was
ich auch die letzten beiden Tage tat, ist ja in der Szene "Satsang" inzwischen
oft mit der einen oder anderen therapeutischen Maßnahme verbunden.

Ich möchte hier einfach einmal betonen, dass ich weder "Therapeut" bin, noch über
"Erwachen" in einem "therapeutischen Kontext" schreibe.

"Erwachen" ist etwas, das man so angehen kann, wie man ist - vollständig nicht
therapiert (was einfach heißt: es bedarf weder einer Therapie noch schließt es eine aus.)

Ich möchte das für mich so von jeder Art "Doktorspiel" getrennt betrachten, und
auch getrennt beschreiben, nicht dass der Eindruck entsteht, man müsste sich als
Vorbereitung auf "atma vicara" erst therapieren oder seine Flausen im Kopf verändern.

In meinen Augen bringt das einfach in ein "von sich auch schon so schwer genug zur
verstehendes Thema" nur noch mehr Hürden hinein.

Ich sage nicht: "alles ist Liebe", ich sage nicht: "alles ist gut", ich sage nicht: "du
sollst dich nicht ärgern" - ich sage einfach: "Jedes Schwein kann erwachen", im
übertragenen und im direkten Sinne des Wortes.

Ich sage im Grunde einfach nur: "Schau auf dich selbst" ... aber dazu genügt das, was ist.
Und ist es halt ein Schrottplatz, ist es halt ein Schrottplatz, in dem du dich zu
sehen versuchst. - Und ist es halt ein Palast mit Säulen aus Alabaster, in dem gerade
eine wilde Orgie steigt, so ist es halt so. Und ist es eine nach Pisse und Kotze stinkende
Kneipe, so ist es halt das ... und ist es im Lotos-Sitz unter einem Bodhi-Baum, dann ist es
halt unter einem Bodhi-Baum.

Keiner dieser Orte ist näher oder ferner zu dir: schaue auf dich selbst.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Zur Zeit schreibe ich nicht mehr viele Texte. Das liegt einfach daran, dass
ich im Moment selbst nicht weiß, was ich "lehren" könnte. In meinem
Haus leben verschiedene Tiere.

Eines ist der Hundertfüßler. Der ist schon recht groß für ein Insekt, und
ist eine Art Raubtier unter den Insekten, das halt ab und zu mein Zimmer
durchstreift, um mit einem tödlichen Biss ein anderes Insekt zu erlegen. :scared:

Angeblich sollen Hundertfüßler ziemlich aggressiv sein, aber meine gehen einfach
ihrer Wege.

Dann die Ratten. Die befinden sich derzeit wohl in einer Art Semi-Winterschlaf,
und ab und zu lege ich ein Stück trockenes Brot hin, oder eine Kartoffel ... denn
eigentlich habe ich ihnen gekündigt.

Dann die Katzen. Die sitzen derzeit oft frierend vor dem Fenster, und
schauen mir zu, aber herein trauen sie sich nicht, so sehr sie auch durch
das Fenster den Platz vor dem Ofen bewundern. :irre:

Zumindest sind sie so viel an der "frischen Luft". Natürlich könnte ich eine Katze
als Hausangestellte gebrauchen, sofern sie sich auch mit Ratten auskennt -
und diese dann vertreiben, aber keine der Katzen traut sich, diese hoch dotierte
Stelle anzutreten: Kost und Logie frei, und dann noch beruflich einem Hobby nachgehen
können. Nur, da ist noch "das Monster": ich. :tobroll:

Zur Zeit muss ich ja auch alle Vögel durchfüttern und gestern ist noch ein
Dompfaff an der Scheibe verunglückt, und musste wiederbelebt werden.

Als "das Monster" genießt man verschiedenste Privilegien, z.B. das "Recht
des Stärkeren" (nämlich die Macht des "monströsen"). Man kann die Armen
(Gartenbewohner) speisen, oder sie vertreiben.

Das Dasein der Tiere richtet sich in Vielem nach den Aktivitäten des Monsters.
Verläßt es die Küche, und verhallen die Schritte auf der Holztreppe (in der seit
vielen Jahren Holzwürmer ihr Unwesen treiben), müssen sie gleich nachschauen,
was alles "vergessen" wurde. Kommt das Monster zurück, gibt es einen genauen
Fluchtplan.

Das mit den Holzwürmern ist auch so eine Sache. An sich ist die Treppe ja
alt und aus Eichenholz. Und Holzwürmer können bei Eiche nur ins Splintholz.
Man sieht halt öfter die Sägemehlhäufchen.

Auf gewisse Art sind wir so schon "ein König der Tiere", ein Raubtier, das die
anderen Tiere wohl gar nicht mehr verstehen. Es verfügt über mirakulöse
Fähigkeiten, und vor allem: es hat ziemlich viel zum Fressen.

Und das macht den Menschen wiederum attraktiv. Entweder man versucht es
"hinten herum", wie die Mäuse, Ratten, etc., also durch "Diebstahl", oder man
schmeichelt sich ein, wie die Katze - um fürderhin das Dasein als "Sofatiger"
zu fristen. :tobroll:

Die Vögel sind von sich aus schon putzig genug, um gefüttert zu werden,
auch wenn sie gerne skeptisch bleiben, bezüglich der Vertrauenswürdigkeit
"des Monsters".

Vor ein paar Tagen sah ich oben im Garten den Fuchs, und wahrscheinlich schaut
er auch in der Nacht noch kurz vorbei, wenn alles schläft.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

4.12.2010

Ich kann zur Zeit nichts lehren, da ich nicht weiß, was ich lehren
könnte. Bisher war ich überzeugt, ich könnte "atman vichara" lehren,
und das kann ich eigentlich auch noch guten Gewissens, da es bei
mir "gewirkt" hat - nur weiß ich eben nicht, was da genau "gewirkt"
hat.

Und wenn man etwas lehrt, beschreibt man gemeinhin das, was
(zumindest im eigenen Falle) gewirkt hat, aber darin eben das, worauf
man die Wirkung selbst zurückführte. Und das kann tatsächlich ein
Trugschluß sein. Man ergreift irgendeinen Grund, etwas, was man tut,
und weiß aber im Grunde nicht sicher, ob das gewirkt hat, oder ob das
vielleicht einfach parallel auftrat. Auftrat wie etwas, was eher ein
Symptom der Wirkung ist, als seine Ursache.

Natürlich ist jedliche Wirkung letztlich transpersonal verursacht, die
Idee "was man tun könnte", also auf "personaler Ebene" getan werden
kann, dadurch für mich nicht minder interessant.

Und da tappe ich derzeit etwas im Dunkeln. Vielleicht ergibt es aus einer
ganz anderen Perspektive einen viel besseren "Sinn". Ich weiß es nicht,
aber vielleicht legen wir unser Augenmerk viel zu sehr auf die Aspekte,
die gemeinhin als "Lehre" im Raum stehen.

Zum Beispiel heißt es oft "alles ist Liebe", aber das beinhaltet eben
auch die Grausamkeiten des Universums, und man kann an solchen
Begriffen schön sehen, wie "einseitig" sie auf ein bestimmtes Gefühl weisen.

Oder "alles ist Hingabe", aber wie erlangt ein Mensch wieder Vertrauen zu sich
selbst? Was ist Hingabe anderes, als sich selbst "vertrauen können" ... und
wie schaut dann dieses Vertrauen aus? Ist das ein Vertrauen, wie das, das
dieses Wort vermitteln will? Teilweise "ja", würde ich sagen, aber es ist
wesentlich unbedingter. Warum sollte ich mich nicht an mir erschrecken?

Es geht eigentlich um die Beziehung zu mir selbst. Nicht darum, ständig, wie
gewohnt, an dieser Beziehung zu kitten, sondern einfach mal inne halten,
anhalten - und sich die eigene Lage betrachten. Einfach so, wie sie ist, keine
besondere Lage, keine andere Lage: aufmerksam die Lage, in der ich mich
befinde. Ob nun sanft ruhend im Bette, verschreckt unter dem Bett, oder
unruhig wach liegend - es ist egal. Man schaut sich einfach die Situation an,
in der man gerade ist, aufmerksam - und spürt dabei dieses eigenartige
eigene Vorhanden-Sein.

Dieses "Vorhanden-Sein" leuchtet eigentlich still und klar aus sich selbst
heraus, muss nicht erklärt werden, erklärbar sein, interpretiert werden,
richtig interpretiert werden - es soll einfach nur bewußt gespürt werden -
der Ablauf der gewöhnlichen Situation im eigenen Vorhanden-Sein.

Da das Vorhanden-Sein immer ist, und immer aus sich selbst ist (ohne meine Zutun)
kann es immer gespürt werden. Was man auch betrachtet, es ist immer im
"Vorhanden-Sein" jeden selbst.

Das ist eigentlich primitiv und einfach das, von dem ich bisher dachte, dass es
gelehrt werden kann - und womöglich kann es das auch, zumindest für einige.

Aber wo soll man einfacher ansetzen, als am eigenen Vorhanden-Sein, ist alles
andere im Kommen und Gehen? Es mag mal hier sein, dann wieder nicht.

Das eigene Vorhanden-Sein kommt einem nie abhanden. Es ist immer
verfügbar. Und was nicht unmittelbar hier ist, ist nicht das eigene
Vorhanden-Sein. Es ist eine Antwort die vor der Frage "Wer bin ich? ist,
mit der Frage, und bei jeglicher Antwort auf die Frage - nämlich als die
Antwort, die immer vorhanden ist: eigenes Vorhanden-Sein.

Nur hat es in dieser Veranstaltung keine ihm eigene Gestalt. Es beinhaltet
aber alle Gestalt. Man könnte so sagen, alles was ist, ist im Hintergrund
des eigenen Vorhanden-Seins, das fraglos immer ist.

Nun wäre es schon gefährlich, oder für die Lehre schlecht, nun eine nächste Übung
zu formulieren, die über dieses aufmerksame Spüren des eigenen immer seienden
Vorhanden-Seins hinausgeht? Warum? Weil man bei "atman vichara" schon immer
auf die Antwort blickt, aber die eigene Aufmerksamkeit, der scheint es zu entgehen,
da es mit einer Interpretation belegt ist, dieses "Vohanden-Sein", die
in seiner Betrachtung hinterfragt wird, automatisch - denn ich wende mich darin
einer weiteren Antwort auf die Frage: "Wer bin ich?" zu - der "transpersonalen
Antwort", die die über die Antwort "Persönlichkeit" hinausgeht.

Nur, wie sollte man das lehren?

Was ist ein "transpersonaler Mensch"? Ich weiß es nicht, denn *den* "transpersonalen
Menschen" gibt es so wenig, wie es zwei gleiche "personale Menschen" gibt.

Er ist genauso einzig, und wahrscheinlich noch viel extremer "einzig-artig", als dass
man von einem Modell des "transpersonalen Menschen" sprechen könnte. Auch er
ist in seiner Einsicht in vieler Hinsicht so limitiert wie der "personale Mensch".

Was viele der Erkenntnisse in ihrer vollen Tiefe bedeuten, weiß auch ich nicht.

Alles scheint sich zu widersprechen, aber lebt einträchtig miteinander. Aber
es ist als Mensch hilfreich zu erkennen, dass man von der eigenen Ursache, was
immer die sein, nicht getrennt ist.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Die "einfache Lehre" gibt quasi eine Antwort, die für jede und jeden jederzeit,
egal wo sie oder er sich befindet, verfügbar ist. Sie war sogar schon immer vor
diesem Hinweis verfügbar - aber wird in ihrer Bedeutung nicht beachtet.

Und in der Beachtung dieser Antwort entwickelt sich Verständnis für diese
Antwort, und damit das, was ich persönlich als den "transpersonalen Menschen"
bezeichnen würde, ohne da eine weitere Einschränkung machen zu wollen.

Ihm erschließt sich die Bedeutung des eigenen Vorhanden-Seins. Dieses Vorhanden-Sein
ist darin nichts neues, aber die Antwort die er sich als Mensch,
ich mir als Mensch, gebe - die verändert sich, indem ich die Bedeutung im Spüren
eigenen Vorhandens-Seins dem eigenen Vorhanden-Sein entlocke.

Warum das überhaupt funktioniert ist ein totales Rätsel, aber auch einfach
und logisch, denn dem was ich Aufmerksamkeit zukommen lasse, das
beeinflusst mich als Persönlichkeit.

Aber anstatt nur Münzen zu sammeln, oder Briefmarken, spüre ich halt auch
ab und zu mein eigenes Vorhanden-Sein in der Situation, spüre es einfach,
völlig zwanglos, wie eine Vergewisserung eigener Existenz. Ich bin doch?
Was ist das, was ich bin? Einfach nur im Spüren eigenen Vorhanden-Seins.

Und dann fallen einem, ganz gewöhnlich als dieser Mensch, seltsame Dinge
am eigenen Vorhanden-Sein auf, und wie einem diese auffallen, so weckt es
nach und nach vertiefendes Interesse - man erforscht es im direkten Spüren,
Verweilen, bei sich, im direkten Vorhanden -Sein.

Es reicht, das es das Leben entspannt - es macht es nicht minder prickelnd,
aber das Prickeln hat was für sich. Von ihm geht ein intensiver eigenartiger
Rausch aus - eine Art Lebensrausch.

Das Schöne ist, dass wir ihm nicht entkommen können, und das ist genauso
das Erschreckende daran. Aber diese Perspektive verändert sich eben eher
hin zum "das Schöne daran" ... Leben ist wahnsinnig echt, und daher so intensiv -
es ist etwas, in das sich das Gewahrsein verlieren kann - und Shiva sieht plötzlich
lauter grüne Männchen - und dann hält er sich auch noch für all die "grünen
Männchen" ... also, wenn es ein "patologisches Ereignis" im Universum gibt, ist
es "die Natur Gottes" ... man bekommt zwar die Prügel ab, aber dafür auch die
Belohnung, die die man nichts konnte.

Das kann man dann "Karma" nennen, auch wenn man trotzdem noch nicht mehr
über ein "warum?" weiß. Diese ganzen Begriffe sind nur mit illusteren Märchen
der Menschheit gefüllt, über einen Vorgang, über den sie kaum etwas weiß:
Leben, und damit sich selbst.

Gewahrsein wird quasi plötzlich mit einer "Gestalt seiner selbst" konfrontiert,
und wie diese Verbindung des Gewahseins mit Gestalt überhaupt möglich ist,
ist meiner Ansicht nach gänzlich unerforscht. Denn das ist das Phänomen, das wir
Bewusstsein nennen.

Und diese Nicht-Getrenntheit vom Gewahrsein kann man guten Gewissens weder
als ein "außerhalb" noch ein "innerhalb" definieren. Leben ist nur durch diese
Nicht-Getrenntheit zum Gewahrsein überhaupt möglich.

Das bedeutet letztlich, was eigene Aufgabe in der Selbsterforschng ist, zu erkennen,
dass man ohne Trennung zu seiner eigenen Gestalt existiert. Ich bin von mir nicht getrennt.

Und das in beiden, im Verständnis widersprüchlichen "alles" und "nichts". Ich werde so
wieder "identisch mit mir selbst", schien ich zuvor "nicht-identisch mit mir selbst" zu sein.

Und ist man identisch mit sich selbst, gibt es eigentlich nichts mehr im Sinne eines
"identisch-seins" zu finden, aber identisch war man mit sich im Grunde auch vorher.

Im "identisch-sein" mit sich selbst gibt es dann kein eigentliche "Gut" oder "Böse" mehr,
selbstverständlich immer noch im persönlichen Bereich, aber eher als ein
"wünschenswert" und "weniger oder nicht wünschenswert", aber absolut gesehen gibt
es keine Wahl. Es ist ein Prozeß, der sich in der Persönlichkeit, aus unbekanntem
Grunde, initiiert als persönliche Erkenntnis über sich selbst.

Aber dann geht das Abenteuer einfach weiter, wobei dieses "mit sich selbst identisch sein"
sich immer weiter wie vertieft. Es fallen viele Muster ab, andere vertiefen sich, die
ursprünglich schon eher "eigene Persönlichkeit" waren, egal um was es sich dabei
handelt. Sie fühlen sich noch natürlicher an.

Irgendwann merkt man dann, dass eigentlich niemand "fehl gehen" kann, weil niemand
"selbst geht" - und fallen alle in die Grube, dann war es eigentlich unvermeidlich.

Aber so etwas zu sagen ist ein Sakrileg in unserer auf "freiem Willen" gegründeten
Gesellschaft. Was, wenn es den "frei herumlaufenden Willen" gar nicht gibt? :tobroll:

Es ist eine menschliche Vorstellung über die "eigene Motivation", was einfach die
"ganz natürliche Motivation" des menschlichen Körpers ist: er will Nahrung,
Geborgenheit, ab und an etwas Sex, dann Unterhaltung ... was auch immer. Mal
will er auch solch einen Text schreiben.

So besucht man sich halt selbst, in all diesen Aspekten des eigenen Wesens.

Und das macht es mir so schwer, mich derzeit zu sehr zu engagieren. Will
es mich wieder aktivieren, tut es das von selbst. Manchmal scheint das Leben einfach
mit Optionen zu spielen. Es bereitet Situationen vor, ohne noch zu wissen, ob es
sie weiterentwickelt oder wieder verwirft.

Alles scheint eine gewisse Zeit in eine Richtung zu laufen, und dann schlägt es
wieder einen Haken, verwirft die Option ganz, tauscht sie durch andere aus, oder
nimmt ein alte wieder auf.

Das ist einfach viel zu komplex, als das wir es in seiner Vielfalt beschreiben
könnten, und dann noch prognostizieren.

Es steuert uns einfach, indem es uns das verfolgen lässt, das uns wünschenswert
erscheint, und das vermeiden, was uns nicht wünschenswert erscheint.

Warum soll man nicht der eigenen Freude folgen, als einfacher Ratgeber, gibt
es eh die Richtung vor.

Und das ist dann vielleicht die "einfachste Lehre" ..., oder "Kehre" im Leben :tobroll:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

10.12.2010

Eigentlich gibt es für mich kein grundsätzliches "gut und schlecht" mehr, und das
ist etwas schwierig zu erklären, denn natürlich bewerte ich ganz natürlich
weiter. Es fehlt aber immer mehr ein grundsätzliches "richtig und falsch" oder
"gut und schlecht", da das einfach persönliche Wertungen sind, also im Bezug zur
eigenen Persönlichkeit stehen. Da ist kein Absolutheitsanspruch in der
eigenen Wertung mehr, denn alles entzieht sich in Ursache und letztlicher
Wirkung. Man beleuchtet als Persönlichkeit einen Ausschnitt und nimmt dazu
Stellung, abhängig davon, wie man eben persönlich die Situation interpretiert-
kurzfristig, mittelfristig, langfristig, situationsbezogen, etc. ... das geschieht
einfach und ist das, was Persönlichkeit ist. Eine Perspektive füllt sich mit der
an sich "leeren Identität" und wird in dieser Verbindung "eine Gestalt des leeren
Gewahrseins". Das Gewahrsein ist quasi der Geist der Gestalt, aber wie der
Geist allumfassend ist, so ist es eigentlich auch die "ganze Person des Universums
der Gestalten" ... es ist eigentlich ein Körper ...

und als Persönlichkeit identifiziert man sich mit einem winzigen Teil "des Körpers des
Selbst".

Und all diese Bilder sind letztlich nicht wirklich, da sie mit der Gestalt in ähnlicher
Beziehung stehen, wie eine Fotografie z.B. mit einer Landschaft und dem Kommentar dazu.

Aber so betrachtet sich dieser Körper. Er kann sich ohne das Instrument der
Persönlichkeit gar nicht sehen, wahrnehmen.

Das Universum gibt es zwar, aber eigentlich auch nicht, denn es wird erst in dieser
Trennung, also Erschaffung eines Abbildes, sichtbar.

So ist es dem Wesen nach existent und auch nicht existent, da es sich um
wahrnehmbar zu sein sich selbst virtuell gegenübertreten muss. Um ein
Bild von mir zu machen, muss ich die Kamera in einem Mindestabstand zu mir
halten - sonst ist nichts sichtbar.

Und dieses Phänomen ist recht interessant in seiner Bedeutung. Ich bin zwar das
ganze Universum, aber als wahrnehmbare Gestalt nur die Persönlichkeit - das, mit
dem sich das Universum gegenübertritt.

Und da das Gegenübertreten virtuell ist, kann es sich in eigentlich unendlich vielen
Varianten gleichzeitig gegenübertreten. Es tut es auf der Erde als alle Lebewesen -
und es ist eigentlich klar, dass Persönlichkeit nicht den ganzen Körper für sich
beanspruchen kann, denn sie ist in ihrer Vollständigkeit ein Abbild.

So ist eigentlich das, worin die Realität Gestalt hat virtuell - und das worin
Gestalt Realität ist: leer, unsichtbar.

Und das ist das Paradox der Gestalt. Sie bildet zwar die Realität ab, aber ist
als dieses Abbild nicht das, was es abbildet - und doch das, was es abbildet.
Warum? Es ist seine sichtbare, wahrnehmbare Gestalt.

Aber die wahre Natur aller Gestalt ist: leer

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

weiter: 10.12.2010

Nun ist das für mich derzeit sehr interessant, auch vom weltanschaulichen
Standpunkt her, denn er erklärt die "Isolation der Persönlichkeit" eben einfach
darin, dass sie ein Abbild ist, wie ein Foto von irgendetwas, natürlich viel komplexer,
und eher wie ein Film.

Da kann ich derzeit wie hineingehen, in diese Erfahrung, in allem was wahrnehmbar ist
(von mir) eben einem "Abbild von mir" zu begegnen.

Aber das sind Ausflüge, die halt jeder so unternimmt, wie es ihn treibt.

Was hat ein Abbild von einer Landschaft schon über eine Landschaft zu bestimmen?

Und hier begegnen wir der Ohnmacht, die jedes Abbild insgeheim auszeichnet.

Es hat keinen wirklichen Einfluss auf das, was es darstellt, sondern stellt etwas dar,
was unsichtbar aus sich heraus geschieht.

So ist man in der eigenen Hand, ohne dass einem die eigene Hand als das Abbild
gehören könnte. Ein Foto kann keinen Anspruch auf die Landschaft erhebe, die
es abbildet - und doch kann ich es, dem Wesen nach, darin, wo ich nicht nur das Abbild bin -
in meinem Wesen, das der Natur nach Leere ist, unsichtbar - und dort sichtbar wird,
wo es ein "Bild" von sich macht.

So sind wir alle Bilder Gottes, aber gleichzeitig seine Gestalt und sein Wesen.

Was hat es damit für praktische Verwendungsmöglichkeiten? Man kann sich eigentlich
zurück lehnen, theoretisch, hätte man Einfluss darauf, was man abbildet.

Und trotzdem hat es einen Einfluss, denn auch das Erwachen ist ein Geschehen,
das durch es geschieht - und da es ein Vorgang als Abbild ist, hat es natürlich
auch Einfluss auf das Abbild "erwachte Persönlichkeit".

Was vom Erwachen sichtbar wird, ist auch nur das Abbild eines ursächlich
unerklärlichen Vorgangs in der Leere.

Erwachen geschieht eigentlich unsichtbar, und ohne jegliche Einflussnahme, denn
was wir als Erwachen sehen, wahrnehmen, ist das Abbild dieses Prozesses im Abbild.

So ist das auch mit der Lehre dieser ganzen Geschichte. Sie geschieht, aber
wo sie sichtbar ist, ist sie das nur als das Abbild - und das ist immer beschränkt.

Das heisst nicht, dass ich die "Lehre" aufgegeben hätte, wie sollte ich das,
bilde ich immer nur etwas ab, als meine Sichtbarkeit, was im Wesen in der
Leere meiner selbst geschieht?

Und das beinhaltet noch viel weitere interessante Aspekte, in der sich die
Beziehung zwischen Persönlichkeit und Gott klären.

Aber die Initiative liegt in niemandem - sie geschieht aus sich in der Leere -

und sollte es jemals etwas wie "Globales Erwachen" geben, ist dieses Ereignis
ein Abbild eines unerklärlichen Vorgangs in der Leere.

Nun muss ich leider meine Sammelbox "Louis de Funés: Balduin Collection"
weiterschauen, denn die Leere will sich amüsieren. :w00t: :icon_cheesygrin:

Und daher breche ich hier meine geistigen Ergüsse ab. :icon_mrgreen_small: :icon_wink_small:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

10.12.2010

In der ganzen Geschichte Selbsterforschung erscheint mir nur eines wichtig.
Und das ist, sich selbst im Wesen unverändert durch Gestalt, also durch das Leben,
zu erfahren. Eine Erfahrung, Selbst-Erfahrung, die immer vorhanden ist - und
im Wesen die einzige Erfahrung überhaupt ist, so sehr sie sich auch im Aspekt der
Gestalt verändern mag. Aber die Grunderfahrung "Selbst" oder "ich selbst" ist
durch die Erfahrung der Dynamik, also Veränderung, nicht wirklich tangiert.

Was sich darin auf der Ebene der eigenen Persönlichkeit dann ereignet, ist "Abklärung".
Diese Abklärung kann eigentlich niemand tun - man kann, sofern einem diese
Botschaft erreicht, oder erschließt - oder interessant genug erscheint, den
Selbst-Versuch zu wagen - die eigene Aufmerksamkeit auf diese permanente
Selbst-Erfahrung richten - aber dazu bedarf es wiederum einer Einsicht, die man sich
als Mensch dem Wesen nach nicht selbst geben kann.

Diese Einsicht kann nur aus der Leere für einen selbst geboren werden - und
warum sie für einige geboren wird - und für andere nicht - ist unerklärlich im
Dunkel des Selbst, der Leere - der unsichtbaren Gestalt, die alles umfasst, was
jemals war, ist, sein wird.

Wer will in diesem unüberschaubaren Konstrukt einen "wirklichen Grund" für etwas,
egal was, diagnostizieren? Das geht nicht. Das ist, wie jede Bewegung, Gesamtbewegung des
gesamten Universums, des "Körpers des Selbst".

Aber es scheint zu reichen, will man Erwachen, (unabhängig der Diskussion, ob man "kann" oder
"nicht kann"), die eigene Aufmerksamkeit auf den unveränderlichen Aspekt der eigenen
Selbsterfahrung zu richten, und mit der Aufmerksamkeit, so oft als einem möglich, diese
Selbsterfahrung zu spüren, und im Spüren automatisch zu ergründen.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

2. Januar 2011

Erkenntnis ist immer zutiefst subjektiv, und wie sich das vertieft, wird jede
"objektive Erkenntnis" als Vorstellung erscheinen, die den eigentlich subjektiven
Raum der Erkenntnis nicht wirklich übersteigt.

Eigentlich ist es am einfachsten man spricht bei Erkenntnis von "subjektiv",
und stellt dann nicht das in den Raum, was so schwer zu wiegen scheint:
"die objektive Wahrheit" - denn sie existiert für uns einfach nicht.

Sie mag es in der Begegnung als eine Art Raum "kollektiver Erkenntnis"
scheinbar geben, aber es handelt sich dabei um eine Ableitung "subjektiver
Erkenntnis", kann also auch im kollektiven Rahmen das Subjekt, und
damit das "subjektive", nicht wirklich übersteigen - sie formuliert eher einen
abstrakt erweiterten Körper subjektiver Erkenntnis, der sich in der
sozialen Begegnung erschafft --- Und hier würde dann "kollektive Erkenntnis"
besser passen, als "objektive Erkenntnis" - aber eine objektive Erkenntnis
gibt es nicht, da Erkenntnis immer subjektiv ist, immer Beziehung.

Für mich ist dieser Vorgang recht interessant, auch wenn es schwierig ist,
solche Dinge zu formulieren, also in den "kollektiven Raum" der Erkenntnis
zu stellen.

Vor dem "Erwachen" erscheint einem die Welt das "Objekt" zu sein, und
daraus formuliert sich auch unser sozialer Anspruch nach "objektiver Erkenntnis"-
aber bei der Welt, dem Universum, handelt es sich eigentlich um das
Subjekt selbst. Ich habe eigentlich nie auf ein "Objekt" geschaut, sondern
immer auf das "Subjekt".

Es erschien nur als "Objekt", da sich das "Subjekt" auf etwas begrenzt sah,
das etwas (und das ist dann ganz natürlich das Objekt) begegnet.

Wenn die Welt schon das eigentliche Subjekt ist, hat das Subjekt im
Subjekt keinen Platz mehr. Das ist etwas eigenartig, denn dadurch erkenne
ich mich im Wesen als "gestaltlos" - und wenn ich keine Gestalt habe, ist
die Welt meine Gestalt. Und das ist dann einfach, da meine Gestalt genau die
Gestalt ist, die ist. Nicht im Anspruch an irgendetwas anderes - sondern
im Wesen, was ist.

Und hier stehe ich vor etwas, in der Selbstbegegnung (alle Erkenntnis
ist Begegnung), was ich nicht so recht ausdrücken kann. Was sich einerseits
wie eine Aufspaltung, Trennung, von "Licht" (reinem Bewusstsein) und
"Inhalt" (das Leben) anfühlt, fühlt sich gleichzeitig wie ein Verschmelzung
von "Inhalt" und "Licht" an.

Ich stehe hier vor einem eigenartigen Paradox des Schreibens, das sich in beiden
Aspekten aber "leicht" anfühlt: diesem ominösen, verbal gequälten und
gemarterten "alles und nichts" - das wie eine abgedroschene Floskel in dieser Thematik im
Raume steht.

Was ist damit eigentlich gemeint: alles und nichts?

Es beschreibt für mich subjektiv genau dieses Erleben, die eigene Gestalt zu
verlieren, und im "alles" wieder zu gewinnen - aber für mein Verständnis
ist es ein Paradox, das ich in beiden Weisen beschreiben kann, ohne zu lügen -
und trotzdem ist das "nichts" ohne das "alles" in der Beschreibung unvollständig,
obwohl nicht falsch.

Aber eigentlich kann ich die Frage nach dem was ich bin, nur mit "alles UND nichts"
beantworten. Das liegt für mich einfach an der "Einzigkeit" des Erkennenden - das
ich selbst bin. Das Erkennende selbst ist "einzig" - und das weiß auch jede(r) schon immer,
dass er das "einzig Erkennende" ist.

Und diese "Einzigkeit des Erkennenden" beantwortet dann auch natürlich die Frage
nach dem, was erkannt wird (die Welt): selbst.

Die Einzigkeit des Erkennenden (reines Bewusstsein) beinhaltet ein "es gibt nur mich"-
ein grundsätzliche Alleinsein des Erkennenden, unabhängig von der Begegnung im
Leben.

Die Einzigkeit des Erkennenden wird darin als der umfassende Rahmen zum Leben
erkannt - und damit auch zu jeglichem "ich und du" - und darin erkennt man
sich als den Rahmen zu jeglicher Begegnung.

Die eigene Realität übersteigt darin "ich und du" - was "ich" und "du" nicht daran hindert,
"ich" und "du" zu sein, sondern die das Leben einfach in das rückt, in dem es stattfindet:

in der Realität:

in mir.

So hat man die Welt gewonnen, ist an ihr aber im Grunde völlig besitzlos: der Besitzer
hat keine Gestalt, und der ist man selbst. Aber wo ich kein erkennbarer Besitzer
bin, kann ich nichts wirklich besitzen. Ich erscheine mir als Besitzer und Besitz,
aber in einem "ich selbst", in dem ich eigentlich keine Gestalt beanspruche, dem
Wesen nach.

Im "einzigen" ist auch eigentlich egal, ob man sich "erwacht" nennt, oder nicht.
Es verleiht sich das alles selbst. Und hier spreche ich dann von mir als ein "es",
weil ich darin zwar das Subjekt bin - aber keine Gestalt als Subjekt habe. :icon_cheesygrin:

Und natürlich habe ich die Gestalt des Menschen Tobias - wie der auch immer entstand. :icon_cheesygrin:

Dieses "einzige" zieht mich immer noch wie ein magischer Sog an, als dieser Mensch,
obwohl es an sich still und unbeweglich ist.

Aber die eigene Gestalt fällt wie in ein schwarzes Loch, wie in den "bodenlosen Grund",
wie es mal ein Mystiker umschrieb - und in diesem "Fallen in den bodenlosen Grund"
geschieht Erkenntnis.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

2.Januar 2011

Wenn mich also jemand fragen würde, wer ich bin, was niemand tut, und daher
frage ich mich selbst: Wer bin ich? :icon_cheesygrin: würde ich so antworten:


-der unsichtbaren Gestalt nach bin ich Alles.
-dem Wesen nach bin ich im Nichts Alles.
-der sichtbaren Gestalt nach bin ich ein Mensch.
-dem Wesen nach bin ich Nichts.

Es ist zutiefst paradox für das Verständnis "alles" zu sein,
was sich aber darin erleichtert, dass man immer "nichts" ist.

Und das "Nichts" ist immer wahr, egal was erscheint, wobei ich
das "Alles" in Wirklichkeit nie ausgrenzen kann - aber das Verständnis
findet darin Ruhe und das eigene Wesen ist darin überschaubar. :icon_cheesygrin:

Denn im "Nichts" darf "Alles" alles sein. :icon_wink_small:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

3.02.2011

Gestern wollte ich schon etwas in mein Tagebuch schreiben, das sich mit dem Fortgang
meiner Vichara beschäftigt, die eigentlich nicht mehr mehr ist als "präsent" zu sein.

Mich einfach immer wieder einmal in meiner Präsenz zu spüren, in sie zu blicken,
und zu sehen, dass es mich zwar gibt, aber dass ich eben dem Wesen nach nicht
die Gestalt dieses Menschen bin.

Aber das stimmt auch nicht so recht, denn meiner Gestalt nach bin ich dieser Mensch.

Ich sehe da auch keinen Widerspruch mehr, einen Widerspruch den ich darin anfangs
vermutete, denn eher hat sich die Frage geklärt, welcher Natur Gestalt ist: nicht fest.

Meine Gestalt ist einfach nicht fest, im Gegensatz zu diesem eigenartigen "mein
Wesen", das das allumspannende "Jetzt" ist.

Aber alles was ich über mich in diesem "Jetzt" sagen könnte, ist von dieser
"Präsenz" zu sprechen, die gewohnt, vertraut, jedem bekannt, ist, und
trotzdem ein vollständiges Rätsel. Warum? Ich kann über sie in der Thematik
"Gestalt" nur das aussgen, was eben Gestalt ist: das Leben und seine
Fähigkeiten des Erkennens und Beschreibens.

Ich schaue quasi in ein vollständiges Dunkel, und in ihm verliert sich
selbst die "Präsenz" als etwas festes. Sie wird eigentlich erst durch einen
Eindruck "wach" ... ohne einem Eindruck gleicht sie eher einem tiefen
Schlaf, der völlig leer ist, weil in ihm nichts geschieht - und damit für
jegliche Beschreibung "nicht exisitert" - weil es in ihm nichts gibt, was
beschreiben werden könnte, was ihm Größe und Dimension gäbe.

Theoretisch kann "das" in diesem Zustand ein Universum "verschlafen", ohne
etwas davon zu bemerken. Theoretisch wohlbemerkt.

Denn das ist auch reine Theorie, weil ja das Gewahrsein durch das Leben
aufgeweckt wurde, kurzum, es hatte auch keine Wahl darin, zu einer
Persönlichkeit aufzuwachen.

Und da weiß ich derzeit eigentlich nicht, was ich groß sagen könnte, denn
ich befinde mich darin in einem Prozess, auf den ich als Identifikation, also
als empfundene Persönlichkeit, überhaupt keinen wirklichen Einfluss habe.

Der Einfluss erscheint als etwas "scheinbares" durch Identifikation mit
den Vorgängen. Aber bei Lichte betrachtet, steckt da nicht wirklich ein
§freier Entscheider" drin, da steckt ein "empfundener Entscheider" drin,
dem es so erscheint, als würde er entscheiden.

Aber dieser Rückschluß im Denken, der zur Vorstellung der "freier Entscheidung"
führte ist gar nicht einmal so falsch. Denn letztlich ist ja auch der
"empfundene Entscheider" "Gott" selbst, und alles geschieht aus "Gott" -
als traf auch "Gott" die scheinbare Entscheidung des Entscheiders.

Das eigentlich Problem, das zu dieser Vorstellung des "freien Willens" führte,
ist in meine Augen einfach "Beschränkung". Gewahrsein oder Gott betrachtet sich
als "isoliert", "abgetrennt", als ein Teil des Ereignisses Leben.

Und wie es dazu kam, lässt sich auch einfach navollziehen, eben dadurch, dass
die Sinne auf einen Körper beschränkt sind, durch den es schaut.

Und es ist ganz natürlich, dass es sich mit dem identifiziert, durch das es schaut.
Denn darin hat ja das Kraftwerk des Ich, der Persönlichkeit, auch Verfügungsgewalt,
es steuert diesen Körper, auch wenn nur bis auf das nächste Sofa. :icon_mrgreen_small:

Man kann nun aber diese empfunden Begrenzung, die einfach nur eine persönliche
Interpretation der Lage ist, nämlich ein Interpretation des körperlichen Erkennniskonstruktes,
hinterfragen, in der Vichara, und erkennen, dass dies Grenze illusorisch ist:

das sichtbare Wesen mag durch die Fähigkeiten des eigenen Körpers als Bild
limitiert sein, und ein Vogel sieht sich auch wieder ganz anders, hat ein anderes
Selbstbild - aber das "Wesen" umspannt halt alles, und darin ist dann halt
so etwas wie ein "freier Wille" einfach nicht möglich. Die Realität spricht gegen
ihn. Damit er möglich wäre, müsste es wirkliche Trennung geben. Aber
Trennung gibt es nur in der Gestalt, nicht im Wesen ...

und mit dieser Erkenntnis, löst sich das "eigen" in eine Art "eigen" auf, das mit
unseren bestehenden Begriffen von "persönlich" und "eigen" schwer zu beschreiben
ist, obwohl es "eigen" und "persönlich" ist.

Der "eigene wille" ist noch am ehesten das, was geschieht, aber dieses "eigen"
der Persönlichkeit hat sich darin einem anderen "eigen" unterworfen. Dem
"eigen" was keiner Persönlichkeit alleine gehören kann.

Man hat dann zwar nicht mehr zu sagen, im Grunde (abgesehen davon, dass man immer
wieder etwas zu sagen hat), aber man ist auch diese Qual los, ob ich nun die richtige
oder falsche Entscheidung getroffen habe.

Denn man sieht, dass Entscheidung "jenseits" der Persönlichkeit" "fällt" - wie
der Apfel vom Baum.

Aber für mich ist es darin völlig natürlich eigene Entscheidungen zu fällen, was heißt
für mich, als Empfindung, als empfundene Wahrheit - auch wenn ich sehen kann,
schaue ich, dass da die Gesamtheit wirkt.

Aber da ist einfach nicht mehr diese Verkrmapftheit dahinter, dieses strenge
Abwägen - es ist einfach etwas, was sich immer noch weiter vertieft - all die
4 Jahre weiter vertieft, sein meinem "Erwachen".

Ich weiß eigentlich nicht, wie dieser Prozess weitergeht, außer dass sich alles immer
noch weiter klärt.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

27.09.2011

Ich habe mich entschlossen, erst einmal keine (oder zumindest weit weniger) "Lehr"-Texte mehr zu schreiben,
weil ich mir inzwischen damit manchmal "blöd" vorkomme.

Natürlich schrieb ich all diese Texte gerne, und es war auch richtig sie zu schreiben,
auch zur eigenen Klärung.

Aber ich komme mir immer mehr "blöd" damit vor - und auch "überflüssig".

Eben so wie sich ein Schriftsteller vorkommt, der 4 Exemplare seines Buches verkauft hat. :icon_mrgreen_small:

Manchmal denke ich echt: ich hab es doch an der Waffel, ungefragt so viel
zu schreiben. Es ist natürlich auch viel Freude am Schreiben gewesen - und ist
es vielleicht noch - aber der Tendenz nach wird es arg abnehmen.

Was soll ich auch schreiben? Immer wieder: schaue dir dich an, schaue dir das hier
an ... das ist ja auch irgendwie aufdringlich.

Es ist zwar genau das, was man bei "Atman Vichara" macht, so lange, bis
es funkt. Immer wieder dieser blick auf sich selbst - so wie es auch schlicht
und einfach John Sherman lehrt und viel andere:

Schaue auf dich selbst = du bist hier ... schaue, schaue, schaue, schaue, immer wieder ...
dann wirst du zwangsläufig erwachen ... es braucht halt einfach Zeit, Wochen, Monate.
Aber, das kann man tun, indem man es tut, will man "erwachen" erleben.

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