Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

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Tobias

Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Diese Idee treibt mich eigentlich schon den Tag lang um, und da es so eine
schöne Nacht ist, bin ich gerade wieder wach. Mir wird immer wieder bewußt,
wie schwer es ist über dieses Thema zu schreiben, weil man wohl leicht
missverstanden wird. Ich möchte daher hier ein kleines Tagebuch mit
Berichten aus meiner "atma vichara" anfangen. Vielleicht findet sich dann darin
die eine oder andere Sache, oder lässt sich auch sehen, dass darin eine
Entwicklung für mich ist.

Ich mache einfach "atma vichara", meine, was ich darunter verstehe, und berichte
darüber. Fragen dazu kann man unter der Rubrik in einem neuen Thread stellen.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Ramana Maharshi sagte einmal: um in einem Raum Platz zu schaffen,
muss man keinen neuen Raum hinzufügen, sondern einfach nur ein
paar Dinge beiseite räumen." und das trifft als Umschreibung den
Effekt von "atma vichara" recht gut - nur dass ich darin nichts bewegen
muss, als einfach nur zu versuchen, mich zu betrachten.

Für mich ist die Persönlichkeit nicht weniger klar, als zu Beginn meiner
"Atma vichara", sie ist aber als "meine Identität" viel weicher geworden. Ich
hänge nicht mehr auf Gedeih und Verderb an all ihren Aktionen. Es ist
wie eine "Transparenz der Persönlichkeit" in das getreten, was ich Identität
nenne, mich.

Wenn ich es betrachte, ist Persönlichkeit "ein Schemen im Licht". Sie
existiert tatsächlich eigentlich nicht, aber das verändert nicht die
Intensität des Persönlichkeitserlebnisses. Es findet einfach in der Empfindung
mehr in dem statt, was man "Hier" nennt: empfundener Nähe zu sich selbst.

Diese Transparenz der Persönlichkeit wird stärker, wende ich mich absichtlich
dem "Licht" zu, was nichts anderes ist, als der klare "Raum des Hier", in dem
sich das Leben entfaltet. Es ist für mich einfach eine stille klare Substanz.
Man könnte auch sagen "das, was wahrnimmt" oder "das an mir selbst,
was wahrnimmt". In der Wahrnehmung selber ist man nur eine Wahrnehmung.
Und dann verschwindet die Empfindung "der Täter zu sein" nach und nach.
Er löst sich in der Klarheit unreflektierter Bewegung einfach auf. Und dann
geschieht das "es geschieht" ... und lasse ich meine Aufmerksamkeit einfach
fließen, verbindet sie sich wieder stärker mit der Persönlichkeit.

An diesem Punkt erkennt man auch, dass "atma vichara" nicht gelehrt wird,
in unserem menschlichen Sinne. Es ist eher ein natürliches Geschehen, wie
alles andere auch, das sich im Einklang mit dem jeweiligen Leben entfaltet.

Doch das, was im Wegsein des Täters als "natürlicher Fluss" erfahren wird, ist
aus der anderen Perspektive "die Erfahrung des Täters".

Kann man das verstehen oder begreifen, kann man erkennen, dass man nichts
"falsch" machen kann, oder auch "richtig" ... man sieht, dass sich alles als
Teil des Lebens entfaltet.

Und aus dieser Perspektive Mensch heraus erscheint halt der "Täter Mensch" und
damit der, der "es tun kann oder könnte".

Ich kann auch nur von meiner "vichara" berichten, und die ist schon recht weit von
dem entfernt, was war, als ich sie begann.

Eine der angenehmsten Phasen in meiner "Vichara" war die Entdeckung des bewussten
Nichtwissens, ich nenne es absichtlich hier "bewusstes Nichtwissen", denn es ist
der Gegenpol zum menschlichen Wissen, der allem Wissen diese oft in ihm
gesehene Härte nimmt. Warum das so ist, zeigt eben das Nichtwissen. Man
findet sich im "menschlichen Raum der Spekulationen wieder". Nicht dass sie schlecht
wären oder überflüssig.

Sie sind einfach Bestandteil der Diskussion um die Frage: Wer sind wir? oder Wer bin ich?

Das Leben rätselt über sich selbst. In dem, in dem ich diese Person bin, wundere
ich mich über dieses Phänomen des Lebens und versuche ihm etwas zu entlocken.

Dabei schaue ich einfach auf mich selbst, und dabei wird wie in der Unsichtbarkeit
etwas sichtbar.

Das, was ich unter "atma vichara" begreife, also meine "atma vichara", hinterfrägt das
Leben und mich selbst in der direkten Betrachtung. Es sind dafür die Erklärungen
anderer nur Hinweise auf "mich selbst", aber im Mittelpunkt steht "ich selbst".

Und wie ich mich diesem "ich selbst" zuzuwenden begann, löste sich meine "Vichara" von
Erklärungen, die aber zu gegebener Zeit durchaus sinnvoll und hilfreich waren.
Sie sind Hinweise auf "ich selbst" gewesen, die man, werden sie überflüssig, einfach
wieder zur Seite stellt.

Das was ich dabei betrachtete ist von Anfang an dasselbe geblieben, auch wenn sich
das Persönlichkeitserlebnis darin transformiert hat, verändert hat, weicher wurde - und
in vieler Hinsicht klarer, auch wenn ich heute weit weniger weiß, was das Leben ist.

Es ist eigentlich auch nicht so, dass man dieses Wissen verloren hätte, es ist einfach
seiner Natur nach kein verbindliches Wissen mehr, kein fester Bestandteil von mir
selbst, an dem ich mich fest grallen müsste, und die ganze Geschichte des eigenen Lebens
erscheint für mich nicht weniger intensiv, aber doch viel weicher, entspannter.

Aber was der "Wegfall des Täters" eigentlich bedeutet, lässt sich nicht erklären.
Ist es ein Tod? Würde ich nicht sagen. Ist es ein Erlöschen? Auf einen Irrtum hin gesehen
wohl schon.

Was das alles bedeutet, all diese "spirituellen Begriffe", das erschließt sich einem halt
erst in der Vichara, und all die Spekulationen sind zwar nicht unumgänglich, aber
es kann vielleicht hilfreich sein, sozusagen "erleichternd" immer wieder darauf hinzuweisen,
dass nicht die "richtige Weise sich selbst zu sehen" wichtig ist, sondern einfach nur
sich selbst zu betrachten, also sich absichtsvoll zu sehen versuchen. Alles andere kann
nicht gewollt werden, durch Verständnis erzwungen ... es ist ein Erkennen im
Fortgang der eigene Vichara.

Das Objekt der Untersuchung ist ja man selbst.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

03.10.2010

Nicht zu wissen, was das Leben ist, als ein Erleben in verschiedensten Weisen,
empfinde ich als einen erstaunlichen Nebeneffekt der Vichara.

Man begegnet dem Ereignis Leben darin, trotz der ganzen Geschichte, wie
am ersten Tag. Und darin findet sich auch die bestehende "atma vichara",
dieser Blick auf mich selbst. "Atma vichara" ist also nicht das willentliche
"neu erschaffen", von was auch immer (das mag geschehen oder auch nicht),
es ist mehr ein Entdecken von etwas, was im bestehenden Blick schon besteht.

Ich denke es ist eine kollektive Imponderabilie, dass man zuerst bei der
Vichara etwas neues zu sehen versucht, oder etwas neues zu erreichen.
Was aber all dieses "neu" bewirkt, ist nicht das Erreichen von irgendetwas-
es ist die Entdeckung des Bestehenden, das die Persönlichkeit in ihrem
Selbstbild verändert. Das Selbstverständnis der Persönlichkeit verändert sich,
und sie verliert die vorher anmutende Kompliziertheit. Persönlichkeit ist
eigentlich völlig unkompliziert. Sie funktioniert im Grunde von selbst.

Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen soll, aber ganz am Grunde wurstelt
die Persönlichkeit von alleine. Und mischt man sich nicht ein ( :icon_mrgreen_small: )
macht sie halt das, was ihr in den Sinn kommt. Das ist völlig unkompliziert.

Ist die Persönlichkeit keinem äußeren Druck ausgesetzt, ist sie völlig
unkompliziert. Mal bestaunt sie ein paar Vögel, mal surft sie etwas,
dann besucht sie die Fische ...

Durch das Nichtwissen wird der innere Druck abgebaut - der Druck, den man sich
immer selber machte, im Sinne der eigenen Vorstellungen, wie man richtig
zu funktionieren hätte. Dieser Druck löst sich in der Vichara nach und nach.

Es ist mit eines der ersten Dinge, die einem nach einiger Zeit auffallen: es
scheint alles nicht mehr so schwer, eine gewisse Leichtigkeit schwingt da
plötzlich mit, auch wenn es gerade etwas rauh zugeht.

Aber dieser Effekt ist nicht verschieden von dem des "Auflösens der Persönlichkeit".

Die Persönlichkeit, die sich auflöst, sind einfach die Irrtümer, die man über
sich selbst hatte ... und so wie einem Geister nichts mehr anhaben können, erkennt man:
"es gibt sie nicht" - so gewinnt man seine Freiheit zurück, indem man das
Korsett der eigenen Vorstellungen über das "richtige ich selbst" los wird.

"Atma Vichara" ist so eher eine Methode eine Hypnose los zu werden, eine
soziale Hypnose darüber: was ich bin, indem ich einfach das wahrzunehmen versuche,
was ich selber wirklich bin ... und dabei schaue ich nicht in die Erzählungen über mich,
sondern einfach nur in mich.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Das erste Mal hörte ich 1983 von Ramana Maharshi - in
Dänemark auf einem Satsang mit Swami Narayanananda.

Jemand fragte, ob Ramana M. "erleuchtet" gewesen wäre, worauf der Swami
mit "ja" antwortete. Und dann, was er von Ramanas Lehre halten würde.
Darauf meinte er: "sie ist zu schwer zu begreifen."

Und das ist ungefähr auch die verbreitete Meinung, die zum Jnana-Yoga
besteht: zu schwer zu begreifen, denn irgendwie kapiert man nicht, von
was er spricht.

Ich hörte dann später wieder von Leuten, die Ramanas Lehre folgten, und
Abende lang in den Kneipen nichts anderes taten, als sich ständig:
"Wer bin ich?" zu fragen. Sie erzählten davon, im Sinne einer Meditation,
in der man so lange nachfrägt, bis sich plötzlich wie eine Stimme erhebt:
"du bist das und das ... und das ...", oder so ähnlich. :tobroll: Natürlich kann man
Ramana so missverstehen. Man erwartet bei dieser Frage jemanden, der
einem antwortet: "ich bin das Selbst" oder was auch immer. Man begegnet
quasi plötzlich "seiner wahren Natur", sie läuft einem irgendwo über den
Weg, und dann hat man sie wiedergefunden: die wahre Natur. :tobroll: :icon_mrgreen_small:

Das Problem an einer wahren Natur ist, dass sie immer wahr ist, hier, jetzt,
und wann auch immer. Das ist das Problem an "wahren Naturen": sie sind
immer wahr. Nur was nicht wahr ist, kann kommen und gehen ...

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich mich als "erwacht" bezeichnen würde,
würde ich wohl mit "ja" antworten, aber im Grunde ist es mir egal ,ob ich sozialen
Kriterien des Erwachtseins genüge: denn "erwacht-sein" ist mitunter diesen Kriterien
nicht mehr genügen zu müssen.

Freiheit entsteht einfach dadurch, dass Zwänge von einem fallen. Daher ist
"atma vichara" eigentlich eine Anti-Lehre. Es geht ihr nicht um die Erfüllung
irgendeiner Lehre, sondern um das, was sich in diesen ganzen Zwängen wie gefangen
fühlt: du selbst.

Wollte ich es literarisch ausdrücken, würde ich sagen: "Es ist eine Emanzipation
des Nichts vor der Erscheinung", oder die Emazipation Shivas vor Shakti.
Gewöhnlich hat im menschlichen Leben Shakti die Hosen an, und der Mensch
eilt förmlich nur noch den Ereignissen hinterher. Er sieht sich nur noch als Shakti,
die Schöpfung, und übersieht, dass da auch ein Vater ist: Shiva.

So wäre das eine nette Geschichte für kleine Kindlein. :tobroll:

Man könnte das schon so schön vergleichen, auch, dass dann Shiva über
Shakti nichts weiß, und Shakti sich ohne Shiva nicht sehen kann. Und schon
haben wir dieser Ehetragödie ein Fundament gegeben. :tobroll:

Der Mann kennt seine Frau nicht, und die Frau kann ihren Mann nicht sehen. :wohow:

Oder "die Geschichte vom Mann ohne Gedächtnis und seiner bewußtlosen Frau."

In den Hauptrollen ... :irre: :bgdev:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Tobias hat geschrieben:
Oder "die Geschichte vom Mann ohne Gedächtnis und seiner bewußtlosen Frau."

In den Hauptrollen ... :irre: :bgdev:


Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt die korrekte Version der Shiva-Shakti-Geschichte ist,
es ist eher das, was ich darin sehe, ohne die wirkliche Geschichte genau zu kennen. :scared: :icon_wink_small:

In dieser Vermählung bekommt Shiva eine Gestalt, und Shakti Bewusstsein. Sie sind darin
ein Wesen, das man einfach virtuell in zwei zerlegt hat, um auf Shiva hinzuweisen, oder
auf Shakti.

Im Leben schaut man auf Shakti, bei "atma vichara" auf Shiva, könnte ich hier im Rahmen
dieser kleinen Geschichte abschließend sagen.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

"Shiva" ist eine Erfahrung die zur "wahren Natur-Geschichte", wie irgendwo erwähnt,
gehört. Richte ich meine Aufmerksamkeit von Shakti auf Shiva, richte ich sie auf
etwas "was keine Gestalt hat" und trotzdem anwesend ist. Der Herr Papa, dessen
Auge alles sieht, und diesem Auge entgeht nichts. Das gefürchtete "Auge Gottes"
aus dem Religionsunterricht, das manchen kleinen Sünder schlaflose Nächte bereitete:
ständig von Gott beobachtet zu werden, selbst bei unkeuschen Handlungen. :irre: :w00t:

Wenn einem einer ständig auch unter die Bettdecke schaut, dann ist es "Shiva". :tobroll:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Früher sah man das Weltgeschehen viel "personifizierter", wohl aus dem Totenkult
herkommend, der Ahnenverehrung, in der die Vorfahren als reale Persönlichkeiten
aktiv blieben, und über das Wohl und Wehe ihrer Nachkommen wachten, wie
auch Buddha über alle als Bodhisatva wacht.

So ganz falsch sind diese Sichtweisen aus meiner heutigen Sicht eigentlich gar
nicht. Es ist eher immer ihre Einseitigkeit, die etwas problematisch scheint. :tobroll:

So wurden auch die beiden Aspekte des eigenen Daseins Shiva und Shakti
personifiziert, als wären sie Ahnen in diesem Prozess, ein Ehepaar, das das
Leben (einen selbst) zeugte - und in dem sich die Merkmale des Vaters und der
Mutter wiederfinden und widerspiegeln.

Als Ansatz finde ich das eigentlich ziemlich gut gemacht, nur sind Shiva und Shakti
dadurch in das "Reich der Ahnen" verbannt worden, wo auch alle anderen verstorbenen
Verwandten leben, einer schwer zugänglichen Welt des Jenseits, denn wie die
Toten auf andere Weise immer noch unter uns weilen könnten, war anders nicht
zu erklären.

Wenn ich von Shakti spreche, meine ich die Gestalt des eigenen Lebens, so wie man
sie kennt, und spreche ich von Shiva, meine ich das Licht, indem das Leben
erscheint.

Sie sind darin einfach Aspekte meines eigenen Seins.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Aber zur Erklärung von "atma vichara" gibt die Geschichte über Shakti und
Shiva einiges her, indem der Aspekt Shivas darin klar sichtbar wird, oder
die Frage: Worauf achte ich bei "atman vichara" eigentlich? Mich.

Streng genommen gibt es ja überhaupt keine Männer in dieser Geschichte.
Der Mann existiert nicht, alles Weiber, alle Shakti, die in der Hälfte der
Menschheit so tut, als wäre sie ein Mann. In der Schöpfung fehlt der wirkliche
Mann (Shiva) vollständig. Er ist darin eine Vorstellung Shaktis. Sie phantasiert sich
Shiva in der Weise zusammen, wie sie sich ihn vorstellt.

Und das ist halt das eigenartige an diesem Paar. Der sichtbare Mann ist Shakti,
aber das, was ihn sichtbar macht, ist der Mann: Shiva. Und die Frauen sind zwar
Frauen, aber werden nur durch Shiva überhaupt gesehen. Was ist eine Frau,
die nicht gesehen wird? :irre:

Scheidet sich die Ehe, ist Shiva zwar wieder Shiva, aber als solcher nichts.
Und Shakti ist zwar wieder Shakti, aber sie ist "wie nicht existent".

Soll man sich nun auf den "Vater" oder auf die "Mutter" berufen? Früher
berief man sich gerne auf den Vater, Shiva, und daher kommen dann auch alle
Aussagen: ich bin nicht die Nase, die Ohren, die Haare, meine Fussnägel, u.s.w.,
aber so ganz macht man da halt die Rechnung nur mit der einen Seite,
man schlägt sich auf die Seite des Vaters. :tobroll:

Das ist auch erst einmal sinnvoll, denn man selbst ist durch den Shakti-Aspekt wie geblendet
für den Shiva-Aspekt des eigenen Lebens. Aber der Vater hat im Haushalt der
Schöpfung nichts zu sagen. Das ist in der Schöpfung reine Frauendomäne, und
mancher virtuelle Fraumann mag da behaupten: habe ich es mir doch schon immer
gedacht ... eine Frau am Steuer. :tobroll: :icon_mrgreen_small:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Nun kommt der Advaita daher und behauptet: Shiva und Shakti = nicht zwei.

Die beiden haben sich gar nicht verheiratet. Es scheint nur so, als wären sie
zwei. Und daher können sie sich auch logischerweise nicht scheiden. Es ist
sozusagen eine "katholische Ehe", Scheidung ausgeschlossen. :tobroll:

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Heute ist so ein schöner Tag, dass ich gerne schreibe. Draußen hat es fast
24°C. Aber bevor ich zu einer Einladung gehe, möchte ich noch kurz
fortsetzen. Da "Shiva und "Shakti" nicht zwei sind, nur als Hilfsmittel des
Verständnisses zu "scheinbar zwei" gemacht wurden, findet sich im Bewusstsein
auch Shakti, und Shiva in der Gestalt.

Es macht damit das, was wir Bewusstsein nennen, zum wertvollsten Stoff, den es
überhaupt gibt - ein Stoff aus dem jeglicher Stoff hevorgeht, sei es Kohlenstoff
oder Gold. Wobei Gold in der Schöpfung wenig beträgt, eher geeignet ist, Streit
unter den Menschen um seinen Besitz zu entfachen. :tobroll: :icon_biggrin_small:

Aber der Stoff, aus dem die Welt gemacht ist, dieser Stoff sind wir selbst - und in
dieses Geheimnis führt einen "atma vichara"

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

06.10.2010

Was uns eigentlich in der "spirituellen Frage" beschäftigt ist das Leben.
Es beschäftigt uns in dieser Frage dasselbe wie die Wissenschaft, nur
dass der Ansatz ein anderer ist.

Der Naturwissenschaftler schaut auf die Dinge, sei er Biologe, Zoologe,
Ethnologe, Psychologe, oder was auch immer ... seien es nun andere
Lebewesen, Herkommen und Beziehungen von Lebewesen, von Materie,
oder psychische Zusammenhänge. Es sind Dinge und deren Beziehungen,
Zusammenhänge, die in seinem Interesse stehen. Man sagt nun "sein Blick
richte sich nach außen", und das ist gut nachzuvollziehen, denn alles erscheint
in Distanz zu dem, von dem der Blick ausgeht: "außen".

Bei "atma vichara" schaut man nach "innen". Man fragt dann gerne, wo dieses
"innen" sein soll und vermutet es irgendwo im Körper. "Man schaut nach innen",
und innen ist halt "innen".

Dieses "innen" verweist auf Nähe, im Gegensatz zur Distanz, Nähe zu was? Zu sich
selbst. Ich habe lange versucht nach "innen" zu schauen, und dieses "innen" von dem
da gesprochen wird nicht gefunden. Zumindest nicht das "innen", wie es meiner
Erwartung von einem "innen" entsprach.

Ich kann das eigentlich nicht mehr so genau nachvollziehen, wie sich das "Innen"
für mich entwickelte, aber eines Tages erkannte ich plötzlich die Welt in mir,
und damit war sie dann "innen", und ich schaute nach "innen".

Mein Blick hatte sich aber nicht verändert, er wurde durch mich nur als das
erkannt, was schon immer nach "innen" schaut, in mich hinein sozusagen.

Heute kann ich mit den Begriffen "innen" und "außen" zwar in Bezug auf das Leben
sehr viel anfangen, aber in Bezug auf mich selbst nicht mehr sehr viel. Da ist
eigentlich kein "innen" und auch kein "außen" an mir, so sehr alle möglichen
Pfannkuchen in mir als Mensch verschwinden mögen. "Innen" und "außen" sind
Bezüge zu Dingen und zu meinem Körper.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Dasselbe ist mit dem Hier geschehen, das mir anfangs arge Kopfschmerzen bereitete.
Wo ist dieses verflixte Hier? Ich war da anfangs sehr eisern, und versuchte
immer wieder "hier zu sein", in welcher Weise mir das auch immer als möglich
erschien.

Irgendwann erkannte ich, dass "ich immer nur hier bin", wie behauptet wurde, und
was da genau geschah weiß ich gar nicht mehr, denn ich erkannte erst für einen Augenblick:
ich bin nur hier. Aber in seiner weiteren Konsequenz entfaltete sich dieser Eindruck
erst mit dem weiteren Fortgang der vichara, diesem Versuch mich selbst zu sehen.

Wenn ich mir heute das Hier betrachte, hat es denselben Geschmack
wie Realität, und es gibt eigentlich gar nichts anderes als dieses Hier.

Es befand sich eigentlich noch nie etwas, egal was, in einer Distanz zum Hier.
Es erscheint nur so, als ein Bild im Hier, als gäbe es Distanzen zum Hier. Das
ist irgendwie eigenartig, denn es (Hier) ist keine andere Erfahrung als vorher auch.

Nur ist jetzt ein alles umschließendes Hier so selbstverständlich wie es vorher
unbegreiflich schien. Aber der Vorgang ist vielleicht begreiflich bedenkt man,
dass man sich anfangs ausschließlich mit der eigenen Form, und damit Geschichte,
identifizierte - und darin erlebt man sich selbst nur als Distanzen.

Das Hier ist das, was zu allem schon immer ohne Distanz ist und in dem die Distanzen
als Beziehung der Dinge zueinander erscheinen. Distanz ist Eigenschaft von Erscheinung.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

"Ich", "innen", "hier", "jetzt", "du selbst" verweist in meinen Augen auf dasselbe.
Die bestehende Nähe zu mir/dir selbst. In der "bestehenden Nähe" , egal über welchen Begriff
sie mir zugänglich erscheint, ist alles einfach irgendwie "man selbst". Man wird quasi
zu all diesen Dingen, da sie zusammen eine Beziehung darstellen, z.B. x Milliarden
Jahre vom Urknall entfernt fiel ihm dies oder das auf.

Ich weiß nicht, was das Leben ist, und diese Frage weiß ich auch heute nicht
zu beantworten. Ich würde sogar behaupten, ich weiß überhaupt nicht mehr,
was das Leben ist.

Worin sich die Frage für mich derzeit aber beantwortete hat, diese Frage nach dem Leben,
ist die Antwort, dass ich es selber bin. Und darin liegt für mich eine Unausweichlichkeit.
Ich kann mir selbst nicht entkommen. Also, was tun?

Leben ist das, was mich quasi "auf dem linken Fuß" überrascht hat, und seit das Universum
mit dieser Erscheinung seiner selbst konfrontiert ist, Leben, rätselt es auf diesem
Planeten "selbst, über sich selbst": "als das Leben, über das Leben". Die Fragen und Antworten
zum Leben entstehen im Leben, in diesem erstaunlichen "sich über sich selbst bewusst werden"
des Universums.

Es ist da überhaupt alles was ich schreibe ebenso blanke Spekulation. Die Frage nach
dem Leben lässt sich zwar im Hier beantworten, indem man seine eigene Einheit mit dem Leben
erkennt, aber alle anderen Fragen zum Leben werden nicht beantwortet.

Doch verlieren all diese Fragen irgendwie ihre dramatische Komponente, verändert sich
durch die vichara die eigene Beziehung zum eigenen Leben, und damit: zu sich selbst.

Tobias

Re: Tobias "atma vichara" Tagebuch (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Das Leben ist man einfach, da es in einem selbst erscheint, und man ist es auch nicht,
da es als Erscheinung keinen Bestand hat.

Ich habe darin einfach eine temporäre Identität als Lebewesen, die sich verändert
und irgendwann wohl wieder ganz zerbricht wie der Körper, der sie als Gestalt trägt.

Aber ich bin eigentlich reines Bewusstsein. Das ist das Licht, das immer gleich
leuchtet. Es leuchtete schon immer, bezogen auf die eigene Lebensgeschichte,
"gleich hell", "gleich klar", ob nun als Kind oder jetzt. Die Wahrnehmung der sich
ständig wandelnden Identität als Mensch war immer gleich klar.

Das Denken, das Alter, die Eindrücke, die Persönlichkeit veränderte sich in diesem
"immer gleichen Licht", und es ist nur dieses Licht, das dem Menschen, dieser Persönlichkeit
aus all den Erinnerungen, überhaupt Identität verleiht.

Das war für mich eine interessante Entdeckung: die Identität steckt nicht im Körper,
oder im Leben selbst. Sie steht wie "außerhalb" und verleiht ihm erst Identität als
ein "ich selbst".

Heute würde ich die Identität als die "Selbstbemerkung des Bewusstseins" bezeichnen.

Irgendwie habe ich so eine Gestalt als dieser Mensch, andererseits steckt meine
eigentliche Identität gar nicht in diesem Körper, sondern in dem, was den Rahmen
für Körper und Welt bildet: Realität. Dieses eigenartige Licht, in dem alles sich
verändert.

Aber wie geht man nun als Mensch mit all diesen Dingen um?

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