Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

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Tobias

Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

oder "an der Grenze der Persönlichkeit".

Ich möchte mich hier in der Folge mit dem "Nichts" beschäftigen, als einen unverbindlichen Monolog subjektiver
Betrachtung. Ich verbinde damit keinen Anspruch auf eine allgemeingültige Wahrheit. Es ist einfach nur (m)eine
persönliche Begegnung mit, ja, was? Vielleicht schläft der Versuch gleich wieder ein, vielleicht setzt er sich fort. Ich habe
zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung. Es ist vielmehr ein "Experiment der Betrachtung", unverbindlich für den Leser,
unverbindlich für seine eigene Betrachtung - aber vielleicht in einigen Punkten Anregung.

:tobroll:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Bei mir im Baum sitzt gerade eine riesige Elster. Sie springt nun durch die
Büsche, und siehe da, da ist auch noch eine zweite Elster, schaue ich ihr so zu: wohl ein Paar,
das es sich in meinem Garten häuslich einrichten will. Das ist eigentlich alles, was "Schau" oder
"Betrachtung" ist. Ich wende mich mit meiner Aufmerksamkeit etwas zu, betrachte es. Das Objekt
der Betrachtung wird aufgrund der eigenen Erfahrung erst identifiziert, auf Grund der eigenen Erfahrung
dann analysiert - und somit aufgrund der eigenen Erfahrung interpretiert. Das ist alles Verstand, Denken ...
und alles, was von meiner "Betrachtung des Nichts" zu sehen sein wird ist: Verstand, Denken.

Diese Worte haben sehr wenig mit der gesehenen Elster gemein, aber sie rufen im Leser eigene Bilder
und Erlebnisse mit Elstern hervor. Und so funktioniert Sprache.

Nun ist die Elster wieder weg, sie existiert nicht mehr als direkte Wahrnehmung, doch noch als
Erinnerung in mir: da war gerade eine Elster, und dann ein Elsternpaar. Wohl, da ich sie schon öfter hier
sah, wollen sie sich in meinem Garten niederlassen.

Bei der Betrachtung des "nichts" betrachte ich aber etwas, das nie weg ist; etwas, das immer hier ist;
etwas, was nicht wie die Elstern kommt und geht; etwas, was ich nicht erinnern muss; etwas, was
jederzeit verfügbar ist; etwas, was immer lebende und direkte Begegnung ist.

Aber im Prinzip tue ich dasselbe, wie wenn ich den Elstern zuschaue - nur, ich wende meine Aufmerksamkeit
nicht direkt der Elster zu, ich verlagere sie gleichsam wie auf den Hintergrund, in dem die Elster erscheint.
Aber schon der Begriff "Hintergrund" kann sprachlich missverständlich sein - es ist ein "etwas", das
vor der Elster war; ein etwas, das mit der Elster ist; ein etwas, das nach der Elster ist und in dem sie
nur noch Erinnerung ist; ein etwas, das auch dann ist, ist selbst die Erinnerung an die Elster weg;
ein etwas, das auch ist, hätte ich nie eine Elster gesehen.

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

So wie ich also meinen Blick ausrichte auf: keine Erinnerung, trotz aller anwesenden Erinnerungen; kein Gedanke,
trotz aller anwesenden Gedanken; kein Sinnesobjekt, trotz aller anwesender Sinnesobjekte ...
so ist das erste, was ich bewusst (Aufmerksamkeit) wahrnehme: "eigene Präsenz": ich bin (das Subjekt zu jeder Erscheinung
mit der Erscheinung).

Die Aufmerksamkeit bleibt auf dieses "Subjekt der Erscheinung, das mit jeder Erscheinung ist" ausgerichtet, und
ich erkenne "die Permanenz des Subjekts der Erscheinung". Es verändert sich nicht mit den Erscheinungen, es
bleibt gleich.

Diese aus sich selbst seiende Permanenz des "Subjekts zu jeder Erscheinung" ist für mich das Tor zum
"ewigen Hier" oder der sogenannten Ewigkeit. Hat nun Ewigkeit eine Gestalt? Betrachte ich Ewigkeit, hat sie
erstaunlicherweise wie "keine Gestalt", aber:"es verändert sich etwas nicht, das immer ist."

Ich richte also meine Aufmerksamkeit auf dieses "es ist, aber es verändert sich trotz aller Veränderung nicht"
aus. Und wie ich das jetzt gerade beim Schreiben (also: trotz aller Erscheinung) tue, erkenne ich mich im Wesen als
unabhängig der Erinnerung. Ich bin etwas, was mit dem Tobias ist, aber in dem Tobias nur erscheint.

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Das "Nichts ist dort, wo unsere Persönlichkeit aufhört, nach innen und nach
außen. Und nach innen wie nach außen dasselbe Nichts. Wo die eigene Persönlichkeit
aufhört, hört auch Zeit auf, und Raum auf ... und etwas bleibt, wie ein Same:
das Nichts, ohne als Raum oder Zeit einen Platz zu beanspruchen.

Es wurde so viel über das Nichts geschrieben, über Karma, über Weltentstehung,
was weiß ich. Ich sehe nur eines, schaue ich ins Nichts: nichts ... und das ohne
Erklärung. Da ist kein Wissen mehr, keine Gestalt mehr, nichts mehr, was sich
als "so" oder "so" sagen ließe. Jede Aussage über das Nichts ist eine Spekulation.

Raumzeit, und damit Welt ist noch nicht geboren, und trotzdem ist etwas, etwas,
was jegliche Geburt, jegliche Zeit, jeglichen Raum umschließt, umschlossen hat,
umschließen wird. Wir sind uns ein vollkommenes Rätsel.

Im nichts begegnet man der seienden Wurzel des Rätsels unserer eigenen Existenz,
und da ist nichts zu sehen, keine Erklärung, keine Kommentar: nichts.

Und meine eigene Identität mündet aus der Gestalt im selben Nichts, verliert
sich im Nichts, und ist nicht mehr als Jemand, als ein Gestalt erkennbar,
doch immer auch der Rahmen aller Gestalt.

Ein Blick, der durch die ganze Schöpfung fällt, aus dem Nichts.

An-ton
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Wohnort: Strullendorf bei Bamberg

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von An-ton »

gibt es für uns Menschen etwas besseres und sinnvolleres, als sich mit "Nichts" zu beschätigen?
Auf Grund deiner Anregung liegt nun auf meinem linken Oberschenkel, da ich ja während des Schreibens es -nicht- in den Händen hallten kann -Nichts-
Ein Buch.
geschrieben von: Ludgar Lütkehaus.... Ich hab es grad angefangen zu lesen...!

Was mir aus Menschenmunde z.B sehr gefällt und ich es nachempfinden kann- im warsten Sinne des Wortes- ist der drei Sätzer
von Tersteegens Lied:

Nichts ist gegenwärtig
Alles in uns schweige
Und sich innigst vor ihm beuge

In diesem Sinne
nicht nur vor nichts, sondern auch vor dir Tobias/ Nothing but the throw - auch wenns in Worte gekleidet ist :bow:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Janesh hat geschrieben:Tobias schrieb:

Das "Nichts ist dort, wo unsere Persönlichkeit aufhört, nach innen und nach
außen.


Das Nichts ist in der Persönlichkeit, die Persönlichkeit ist im Nichts.

J


Sollte mehr auf den Aspekt als Quelle deuten. Außer nichts gibt es eh nichts. :tobroll:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Janesh hat geschrieben:Ah okay. Also ich kann da keine Trennung finden im Sinne eines Anfangs oder Endes von etwas. Also a la "hier hört die Person auf, und das Nix fängt an."

J


Es gibt ja nur dich und sonst nichts. :tobroll:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

An-ton hat geschrieben:
Nichts ist gegenwärtig
Alles in uns schweige
Und sich innigst vor ihm beuge



Dir auch einen lieben Gruß Anton.

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Bewusstsein hat geschrieben:
Ich bin nicht, aber das scheinbare Universum ist mein Selbst... ;-)


Ich bin der Osterhase. :tobroll:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Bewusstsein hat geschrieben:
Bardo, dass ich geantwortet habe! Ich sehe gerade, dass es ja hier um ein Selbstgespräch handelt...


Das hast du gut erkannt, weil da im Titel "Monolog" steht. :tobroll: :icon_wink_small:

Ramana Maharish: Verschwindet der Ich-Gedanke, verschwindet die Welt.


Keine Ahnung, denn wer sollte sich dann noch an eine Welt erinnern? Kann sie dann
verschwunden sein? Dazu müsste ja jemand da sein, der sich an die Welt erinnert
und ihr das Verschwindibus bescheinigt. Kann das jemand anders, als der Ich-Gedanke,
der wieder erscheint, und dann bemerkt, dass die Welt verschwunden war? Wohl nicht.

Wenn die Welt weg ist, hat sie ohne den Ich-Gedanken nie existiert. Ich-Gedanke und
Welt sind identisch. "Verschwindet der Ich-Gedanke, verschwindet die Welt" ist
doppelt gemoppelt. Aber doppelt genäht hält besser, auch wenn in diesem Falle, um
auf das Thema zurückzukommen, nichts zu halten ist. :tobroll: :icon_wink_small:

Tobias

Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Tobias »

Janesh hat geschrieben:
Das hast du gut erkannt, weil da im Titel "Monolog" steht.


ups, sorry.


Kein Problem. Sollte es dann halt kein Monolog mehr sein, ist es eben kein Monolog mehr.
Im weiteren Sinne ist es ja noch immer ein Monolog. Das sehe ich also heute nicht so eng,
sonst hätte ich mich beschwert. :icon_mrgreen_small: :angel:

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Manfred
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Re: Der Blick ins "Nichts" (Monolog)

Beitrag von Manfred »

Tobias hat geschrieben:
Janesh hat geschrieben:
Das hast du gut erkannt, weil da im Titel "Monolog" steht.


ups, sorry.


Kein Problem. Sollte es dann halt kein Monolog mehr sein, ist es eben kein Monolog mehr.
Im weiteren Sinne ist es ja noch immer ein Monolog. Das sehe ich also heute nicht so eng,
sonst hätte ich mich beschwert. :icon_mrgreen_small: :angel:

Na, da hätt ich mir jetzt aber auch den neuen Thread sparen können, noch dazu, wo es die Diskussion darüber noch unübersichtlicher macht, wie ich finde. :mad:

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