ICH - das HIER

Für vielfältige Grundsatzdiskussionen. Was ist 'Erwachen' überhaupt? Was sind ähnliche Erfahrungen (Satoris, Chakra-Erweckungen), wo endet das Subjektive und beginnt das Vergleichbare? Wieviele Worte gibt es für die SELBE Erfahrung, und wieviele unterschiedliche Erfahrungen bezeichnet das selbe Wort?
Tobias

Re: ICH - das HIER

Beitrag von Tobias »

"Das Phantom in der Oper"

Die sinnliche Wahrnehmung (also die Wahrnehmung durch die Körpersinn) findet immer schon genau hier statt-
das, was wir sozial die "Gegenwart" nennen - wobei "Gegenwart" ein weiter Begriff ist, und eine ganze Zeitepoche
umfassen kann - ich meine hier mit Gegenwart das, in dem gerade geschieht - in dem Gedanken auftauchen, in dem
die Sonne aufgeht, in dem die Luft still und klar ist und sogar noch die Vögel schlafen.

Mein Arbeitsleben hat mich zu einem Frühaufsteher gemacht. :scared:

Und das, was hier denkt und schreibt, ist das "Phantom in der Oper", dem meine heutiger Betrachtung
gelten soll.

Es steht dieses Phantom sinnlich beheimatet zwischen mir, als Wahrnehmendes, und den durch die
Körpersinne wahrgenommenen Ereignissen.

Dieses "Phantom", das ich zwischen dem Wahrnehmenden und dem nach-aussen-körpersinnlich Wahrgenommen -
der Persönlichkeit - anordne, ist unglaublich komplex, aber besteht, verkürzt gesagt, nur aus Erinnerung.

In der Persönlichkeit bin ich eine Erinnerung an mich selbst, in der ich
meinem Sein (Gegenwart) begegne, also dem, was ich gerade-aktuell im Ereignis bin, erlebe.

In der Persönlichkeit kann ich meiner Gegenwart als meine Vergangenheit begegnen - und ich werde
dadurch als ein Prozess der Veränderung sichtbar.

So ist Persönlichkeit zwar einerseits eine "virtuelle Instanz", an einen "Gedächtnisspeicher" gebunden, aber ermöglicht
dadurch eine Sichtbarkeit auf das Ereignis, die ohne dieses Vergleichen nicht möglich wäre: Zeitempfinden und Raumempfinden..

In einem Sarori kann ich (zum Beispiel) erleben, wie diese ganze Gedächtnisstruktur - und damit die
eigene Persönlichkeit - von mir selbst "abfällt", was sich so anfühlt, als fiele plötzlich die gesamte Last
des bisherigen Lebens von mir ab, und ich in eine überwältigende Freiheit ... ich bin plötzlich auf ein blankes
hier reduziert, das erstaunlicherweise ist, denn ich bin ja noch, aber mit nichts im Wesen an
die Geschichte, die Erinnerung "gebunden". und ich sehe das, indem sie plötzlich weg ist.

Es ist wie ein Aufblitzen des reinen Bewusstseins, das mit einem Schlag die ganze Persönlichkeit
wegpustet - und sie bootet dann wieder hoch. Systemabsturz der Persönlichkeit - der bluescreen
ist dabei das "reine Bewusstsein". :irre: :icon_cheesygrin:

Es gab historisch schon immer vielfach Anstrengungen, solch einen Systemabsturz des "Phantoms in
der Oper" bewusst zu provozieren, durch in die Verzweiflung treibende Koans, durch unauflösbare
Widersprüche, was weiß ich alles - denn, stürzt die Persönlichkeit ab, wird etwas "sichtbar",
was zwar schon immer mit der Persönlichkeit ist, als das Wahrnehmende, aber ihr zugeschrieben
wird: Ich bin (nur) dieser Mensch und diese Persönlichkeit.

Bin ich aber als dieser Mensch, als diese Persönlichkeit weg, und bin erstaunlicherweise immer noch,
ist die These, dass ich erst durch die erlebte Persönlichkeit wäre, natürlich substanziell fraglich. :tobroll:

Und umso fraglicher, umso klarer ich sehe, dass mich diese Frage selbst substanziellst betrifft.

Sie trifft auf meinen empfindlichsten Nerven, die eigene Identität: Wer bin ich?

Fühle ich mir selbst nach, kann ich mich in der Geschichte nicht finden - ich suche mein "ich", und finde es nicht,
alles scheinen Fragmente zu sein, aber darin kein "ich", das ich wirklich greifen könnte -

Provokativ sage ich hier: das Ich wird man in der Persönlichkeit, oder als Teil der Persönlichkeit, auch
nicht finden. die Persönlichkeit handelt um eine Realität meiner selbst, die schon nicht mehr ist.

Das Ich ist hier, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Geschichte - sie handelt um die Vergangenheit
des Ich in seiner Gestalt als dieser Mensch.

Fühle ich dem Ich nach, ist es unmittelbar hier - das Hier selbst - in seinem Sein als Wahrnehmendes -
und es steckt nicht in den Ereignissen - es identifiziert sich damit - und lässt das Ich diese Identifikation
los, warum auch immer, hat es zwar keine Persönlichkeit mehr, aber ist immer noch ICH -

und offenbart sich als die Realität selbst: nicht zu gewinnen, nicht zu verlieren - das, was ich in der Essenz
bin. Schon immer bin, jetzt und hier bin. Ein "ewiges" "bin":

ICH -das Hier.

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Rudolf
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Re: ICH - das HIER

Beitrag von Rudolf »

@ tobias
wie könnte es anders sein .
ein genuss wieder mal dein text

Tobias

Re: ICH - das HIER

Beitrag von Tobias »

Rudolf hat geschrieben:@ tobias
wie könnte es anders sein .
ein genuss wieder mal dein text
Danke Rudolf :angel: und einen lieben Gruss :icon_wink_small:

Tobias

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