Wunschvorstellung bzgl. Tod

Fragen zu Erfahrungen, Philosophie, Verständnis und Erkenntnis. Ein (Be-)Reich des Austausches.
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fish
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Re: Wunschvorstellung bzgl. Tod

Beitrag von fish »

Samon hat geschrieben:
sys hat geschrieben: Ich weiß, dass nicht jeder über Gefühle schreiben mag, aber mehr als "so what" steckt da bestimmt drin.
Also für mich nicht.
Das liegt einfach daran, dass ich ALLE existierenden Betrachtungsweisen über den Tod und das Sterben für mich akzeptieren kann.
Sie sind alle plausibel, nachvollziehbar und austauschbar. Ergo für mich irrelevant.
Das macht es ja so lustig. Es ist einfach wurscht.
Also für mich.

Samon
:bow:
für mich sind es austauschbare Geschichten, die ich mir so erzähle- aber ich rede viel, wenn der Tag lang ist :icon_cheesygrin:

sys

Re: Wunschvorstellung bzgl. Tod

Beitrag von sys »

Samon
Ergo für mich irrelevant.
Das macht es ja so lustig. Es ist einfach wurscht.
Also für mich.
Und existiert in dem Sterben kein Gedanke an die Angehörigen, z.B. an die Lebenspartnerin? Was hat sie für Ängste dabei, dich sterben zu erleben?
So wie wir in einer Gemeinschaft leben, und sich Gedanken verbinden, ist Sterben keine Sache für sich selbst!

Sterbende die mitfühlen (lieben), erfahren zwar (vielleicht) nicht mehr den eigenen Schmerz, aber sie erfahren den Schmerz der Hinterbliebenen. Und das is doch mehr als nur Wurst, oder? Also sehe ich das perfekte ideale Sterben im Angstreduzieren aller Beteiligten, die diesen Vorgang meist nicht ertragen können.

Liebe Mimi,

du musst da schon einiges durchgestanden haben, und die Reife die da miteinhergeht oder dadurch auftaucht, spürt man bei deinen Worten, und das werden wohl auch die Menschen in deinem Umfeld (Schwester) spüren. Das Lachen lässt m.E. lange auf sich warten, lange Zeit ist da ein Irrweg, mit viel..... fast unerträglicher Angst.

Sys

Niranjana

Re: Wunschvorstellung bzgl. Tod

Beitrag von Niranjana »

ich hab jez drei monate eine hospizbegleiter ausbildung gemacht. war eine solche freude, mit menschen zu arbeiten, die sterbende menschen seit zum teil jahrzehnten begleiten. die haltung, auf die man da trifft, und die vermittelt wird, ist "leben".

"sein". ist nichts anderes als satsang, was an sterbebetten geschieht. da gibt es absolut keinen grund mehr, irgendwas aufrechtzuerhalten. und sterben heisst auch - leben bis zum tod. kapiert man aber meistens erst dann, wenn man face to face steht.

und es war völlig faszinierend zu hören, was man alles noch deichseln kann, wenn man weiss wie. selten so gelacht wie an dem abend mit dem bestatter. sterben ist hierzulande ja ein geschäftszweig. hat mir immer schon gestunken, meinen körper dem friedhof überlassen zu müssen, weil der sich ja kostenmässig tragen muss...deshalb gibts das bei uns nicht von wegen : asche verstreuen. patientenverfügung, testament, vorsorgevollmacht...gute sachen das.

ich finde mittlerweile...es macht sinn, sich darüber gedanken zu machen. wenn ich auf eine reise gehe, pack ich auch nen koffer, oder einen rucksack - und wenns nur ein klitzekleiner ist.

särge können zb bemalt werden, die "liegepflicht" auf friedhöfen kann über die schweiz umgangen werden - für urnen - wenn man asche verstreuen will.

es ist schön, sich mit dem tod auch in materieller form auseinanderzusetzen. wenn es überhaupt einen trost gibt, dann ist es das.

ich hätte gerne eine feier. selbst würde ich gern in den fluss gestreut werden, aber ich schätze..meine kinder hätten lieber einen ort. vielleicht kann man das verbinden. i wanna have a party. and i will have a party. musik. ich werde das, link wie ich bin, choreografieren..insofern da noch familie ist. es gibt so viele geschenke die man selbst tot noch machen kann.. und...es gibt ein paar dinge, die ich mitnehmen will. auch wenns so wurscht is, wie nur was, ist es das nicht.

und ich schätze, das könnte sich mindestens alle paar jahre ändern. :biggrin: <3

Mimi
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Re: Wunschvorstellung bzgl. Tod

Beitrag von Mimi »

Bezüglich, wie genau ich meinen Tod wünsche, so würde ich sagen: Genau so, wie er sein wird.
Was mit meinem Körper geschehen soll nach meinem Tode, das sollen meine Angehörigen entscheiden.

Ich habe festgestellt, dass es für manche wichtig ist, einen Ort zu haben, zu dem sie hingehen können, um Abschied zu nehmen.

Mein Vater hat gewünscht, dass die Urne mit seiner Asche in unserem Familienwald (haben wir ein kleines Stückchen) vergraben werde.
Nach seinem Tod haben wir dies auch so gemacht. Meine Mutter geht nun mit ihren 81 Jahren wenn es schönes Wetter ist imme mal wieder zu diesem Ort hoch, ein für sie beschwerlicher Weg, weil es auch keinen richtigen Weg da hin gibt. Erst da ist mir bewusst geworden, dass es für manche wichtig ist, einen solchen Ort zu haben, wo sie Abschied nehmen können.

So sollen meine Angehörigen mit meinem Körper das machen, was für sie wichtig ist und was ihnen hilft, Abschied zu nehmen. Für mich spielt dies keine Rolle mehr.
Sys:
Das Lachen lässt m.E. lange auf sich warten, lange Zeit ist da ein Irrweg, mit viel..... fast unerträglicher Angst.
Die Angst war bei meinem zweiten mal kein wirkliches Problem mehr, da ich die Angst nicht mehr fürchte. Was du angesprochen hast: Den Schmerz den die Angehörigen spüren und den man mitkriegt, da müsste ich lügen, würde ich sagen, dass mich der kalt gelassen hat. Es war für mich zeitweise das, was mir am meisten Schmerzen bereitete am ganzen: Die Tränen, der Schmerz und die Angst meiner Lieben.

Mittlerweile sehe ich, dass sie ihr Recht auf Schmerz und Trauer haben, dass sie ein Recht auf ihre eigenen Tränen haben. Was bleibt ist, sie lieben in ihrem Schmerz, in ihrer Trauer, in ihrer Angst um mich und eine grosse Dankbarkeit. Und diese Liebe ist einfach nur wunderschön.

Gruss
Mimi

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Samon
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Re: Wunschvorstellung bzgl. Tod

Beitrag von Samon »

sys hat geschrieben:Sterbende die mitfühlen (lieben), erfahren zwar (vielleicht) nicht mehr den eigenen Schmerz, aber sie erfahren den Schmerz der Hinterbliebenen. Und das is doch mehr als nur Wurst, oder? Also sehe ich das perfekte ideale Sterben im Angstreduzieren aller Beteiligten, die diesen Vorgang meist nicht ertragen können.
Sys
Hallo sys,
brillianter Gedanke. Gefällt mir wirklich.
Angstreduzierung aller Beteiligten. Yes.
Das sollte aber schon vor dem face to face geschehen. Also heute rede ich schon mit meiner Frau über solche Themen. Der Tod ist für uns täglich präsent, genau wie das Leben.
Es ist doch nur die andere Seite und deswegen genau so willkommen (wirdkommen).
Das Leben hat uns genau so ereilt wie der Tod es tun wird. Ich sehe da keinerlei Traurigkeit, Leid oder sonstige Bewertungsversuche.
Wozu auch?
Wenn eine Kerze angezündet wird, geht sie mir absoluter Sicherheit auch wieder aus. Wann und wie? .......

Das Licht ist aus, ich geh nach Haus, rabimmel, rabammel, rabumm.

Samon
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