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Ken Wilber: Über Gott und Politik

Nach dem Erwachen, philosophischer Austausch zu "Evolution von Erleuchtung", individuelle und kollektive Weiterentwicklung, Zukunft der Menschheit und Zukunft der Erde. Alpha bis Omega, Aurobindo bis Wilber, x, y, Z ...und darüber hinaus.
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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Norbert » Do 18. Nov 2010, 05:40

Hier noch einige direkte Hinweise am Schluss des Buches "Das Wahre, Schöne, Gute. Geist und Kultur im 3. Jahrtausend". Die ergänzenden Links und Hervorhebungen sind wieder von mir.

Allgegenwärtiges Gewahren

Diese ursprüngliche Erkenntnis des Einen Geschmacks – nicht die Herbeiführung, sondern das schlichte Anerkennen der Tatsache, dass man selbst und der Kosmos Ein GEIST ist, Ein Geschmack, Eine Geste – ist das große Geschenk der nichtdualen Traditionen. In einer vereinfachten Form gelangt man zu dieser Erkenntnis wie folgt:

(Die folgenden "hinweisenden" Instruktionen sind direkte "Wegweiser" zur grundlegenden Natur des GEISTES oder zum inneren GEIST. Traditionell gibt es dabei viele absichtliche Wiederholungen. Wenn man einen solchen Text in der üblichen Weise liest, findet man diese Wiederholungen möglicherweise langweilig oder auch irritierend. Aber wenn der Leser Gewinn aus diesem Abschnitt ziehen will, möchte ich ihn bitten, ihn langsam und in aller Ruhe zu lesen und die Wörter und die Wiederholungen auf sich wirken zu lassen. Man kann den Text auch zur Meditation verwenden, indem man sich für jede Sitzung einen oder zwei Abschnitte oder vielleicht auch nur einen oder zwei Sätze vornimmt.)

Beginnen wir mit der Einsicht, dass das reine Selbst, der transpersonale Zeuge, ein allgegenwärtiges Bewusstsein ist, selbst wenn man Zweifel an seiner Existenz hat. Sie gewahren jetzt in diesem Augenblick dieses Buch, das Zimmer, ein Fenster, den Himmel, die Wolken ... Sie können sich zurücklehnen und einfach feststellen, dass Sie alle diese vorüberziehenden Objekte gewahren. Wolken treiben am Himmel, Gedanken treiben durch den Geist, und wenn man sie "registriert", gewahrt man sie ohne alle Anstrengung. Man ist in einer einfachen, anstrengungslosen, spontanen Weise Zeuge von allem Gegenwärtigen.


In diesem schlichten Zeugen-Gewahrsein stellt man vielleicht fest: Ich bin mir meines Körpers bewusst, und deshalb kann ich nicht bloß mein Körper sein. Ich bin mir meines Geistes bewusst, und deshalb kann ich nicht bloß mein Geist sein. Ich bin mir meines Ich bewusst, und deshalb bin ich nicht bloß dieses Ich. Irgendwie scheine ich Zeuge meines Körpers, meines Geistes, meines Ich zu sein.


Und dies ist etwas Faszinierendes. Ich kann meine Gedanken sehen; also bin ich nicht diese Gedanken. Ich bin mir meiner Körperempfindungen bewusst; also bin ich nicht diese Empfindungen. Ich bin mir meiner Gefühle bewusst; also bin ich nicht nur diese Gefühle. Irgendwie bin ich der Zeuge von alldem!


Aber was ist dieser Zeuge selbst? Wer oder was ist es, das alle diese Objekte gewahrt, das die Wolken vorüberziehen sieht, die Gedanken, die Objekte? Wer oder was ist dieser wahre Seher? Dieser reine Zeuge, der das Zentrum von allem ausmacht, was ich bin?


Dieses schlichte Zeugen-Gewahrsein ist den Traditionen zufolge der GEIST selbst, der erleuchtete GEIST, die Buddha-Natur selbst, Gott selbst in seiner Gänze.


Den Traditionen zufolge ist es also nicht sonderlich schwierig, Kontakt mit dem GEIST, mit Gott oder dem erleuchteten GEIST zu erlangen. Dies ist einfach das eigene Zeugen-Gewahrsein in genau diesem Augenblick. Wenn man dieses Buch sieht, hat man dieses Gewahrsein in seinem ganzen Umfang in genau diesem Augenblick.


In einem berühmten Text des Dzogchen- oder Maha-Ati-Buddhismus, einer der großartigsten nichtdualen Traditionen, heißt es: "Es kommt vor, dass Meditierende sagen, es sei schwierig, die Natur des Geistes zu erkennen" (im Dzogchen steht "die Natur des Geistes" für ursprüngliche Reinheit oder radikale Leerheit, die letztlich nichts anderes ist als der nichtduale GEIST). Der entscheidende Punkt ist, dass diese "Natur des Geistes" allgegenwärtiges Zeugen-Gewahrsein ist, und dies können dem Text zufolge manche Meditierenden nicht glauben. Sie glauben, es sei schwierig oder sogar unmöglich, dieses allgegenwärtige Gewahrsein zu erkennen, und sie müssten größte Anstrengungen unternehmen und sehr lange meditieren, um dieses erleuchtete Denken zu erreichen, während es doch nichts anderes ist als ihr allgegenwärtiges Zeugen-Gewahrsein, das jetzt in diesem Augenblick aktiv ist.


Der Text fährt fort: "Manche männlichen oder weiblichen Übenden halten es für unmöglich, dass man die Natur des Geistes erkennen könne. Niedergeschlagenheit befällt sie, und Tränen rinnen ihre Wangen hinab. Aber es gibt gar keinen Grund, traurig zu sein. Es ist keineswegs unmöglich, sie zu erkennen. Ruhe unmittelbar in demjenigen, das glaubt, dass es unmöglich sei, die Natur des Geistes zu erkennen, und das ist es."


Was die Auffassung betrifft, dieses allgegenwärtige Zeugen-Gewahrsein sei schwierig zu erlangen: "Es gibt Meditierende, die ihren Geist nicht in sich selbst ruhen lassen (einfaches gegenwärtiges Gewahren), wie sie es tun sollten. Statt dessen lassen sie es das Äußere beobachten oder im Inneren suchen. Aber man kann (den Geist) nicht sehen und finden, indem man das Äußere beobachtet oder im Inneren sucht. Es gibt überhaupt keinen Grund, das Äußere zu beobachten oder im Inneren zu suchen. Lasse unmittelbar in diesen Geist los, der das Äußere beobachtet oder im Inneren sucht, und das
ist es."



Wir gewahren dieses Zimmer: und genau das ist es; einfach dieses Gewahren ist der allgegenwärtige GEIST. Wir gewahren die am Himmel vorüberziehenden Wolken: Genau das ist es, genau dieses Gewahren ist allgegenwärtiger GEIST. Wir gewahren die im Geist vorüberziehenden Gedanken: Genau das ist es, genau dieses Gewahrsein ist allgegenwärtiger GEIST. Wir gewahren Schmerz, Aufruhr, Schrecken, Angst: Genau das ist es.


Mit anderen Worten, die höchste Wirklichkeit ist nicht etwas, das man sehen kann, sondern vielmehr der allgegenwärtige Seher. Dinge, die man sieht, kommen und gehen, sind erfreulich oder betrüblich, angenehm oder schmerzhaft, aber der Seher ist nichts von alledem, und er kommt und geht nicht. Der Zeuge wankt nicht, schwankt nicht, tritt nicht in diesen Strom der Zeit ein. Der Zeuge ist kein Objekt, kein Ding, das man sehen kann, sondern der allgegenwärtige Seher aller Dinge, der schlichte Zeuge, das Ich des GEISTES, das Auge des Wirbelsturms, die Öffnung, die Gott ist, die Lichtung, die reine Leerheit ist.


Es ist nicht möglich, dass man einmal keinen Zugang zu diesem Zeugen-Gewahrsein hätte. In jedem einzelnen Augenblick besteht ein spontanes Gewahren von allem, was gegenwärtig ist, und dieses schlichte, spontane, anstrengungslose Gewahren ist der allgegenwärtige GEIST selbst. Selbst wenn man glaubt, dass man ihn nicht sähe, ist es eben jenes Gewahren. Deshalb ist der höchste Zustand des Bewusstseins, der innerste GEIST selbst, nicht schwierig zu erreichen, sondern im Gegenteil unmöglich zu vermeiden. Eben dies ist das große und wohlgehütete Geheimnis der nichtdualen Schulen.


Es spielt keine Rolle, welche Objekte oder Inhalte gegenwärtig sind; alles, was zum Vorschein kommt, ist in Ordnung. Manche Menschen haben größte Schwierigkeiten, den GEIST zu verstehen, weil sie versuchen, ihn als Objekt des Gewahrens oder als Objekt des Begreifens zu sehen. Aber die höchste Wirklichkeit ist nicht etwas, das man sehen kann, sondern der Seher selbst. Der GEIST ist kein Objekt; er ist radikales allgegenwärtiges Subjekt und daher nichts, was vor uns wie ein Stein, ein Bild, ein Gedanke, ein Licht, eine Empfindung, eine Erkenntnis, eine leuchtende Wolke, eine intensive Schau oder eine Empfindung großer Seligkeit auftauchen würde. All dies ist recht und schön – aber es sind Objekte, und eben dies ist der GEIST nicht.


Wenn man also im Zeugen ruht, sieht man nichts Besonderes. Der wahre Seher ist nichts, was man sehen kann, weshalb man einfach damit beginnt, seine Identifikation mit jeglichen Objekten aufzugeben:


Ich gewahre die Empfindungen in meinem Körper; diese sind Objekte, die ich nicht bin. Ich gewahre die Gedanken in meinem Geist; diese sind Objekte, die ich nicht bin. Ich gewahre mein Selbst in diesem Augenblick, das aber ebenfalls nur ein Objekt ist, was ich nicht bin.


Anblicke ziehen in der Natur vorbei, Gedanken ziehen im Geist vorbei, Gefühle ziehen im Körper vorbei, und ich bin nichts davon. Ich bin kein Objekt. Ich bin der reine Zeuge aller dieser Objekte. Ich bin Bewusstsein als solches.


Wenn man deshalb so im reinen Zeugen ruht, wird man nichts Besonderes sehen – alles, was man sieht, ist in Ordnung. Was man aber spürt, wenn man im radikalen Subjekt oder Zeugen ruht und aufhört, sich mit Objekten zu identifizieren, ist eine Empfindung unermesslicher Freiheit. Diese Freiheit ist nichts, was man sehen könnte: Man ist diese Freiheit. Wenn man der Zeuge von Gedanken ist, ist man nicht durch Gedanken gebunden. Wenn man der Zeuge von Gefühlen ist, ist man nicht durch Gefühle gebunden. Statt des zusammengezogenen Ich ist da einfach eine große Empfindung der Offenheit und Befreiung. Als Objekt ist man gebunden; als der Zeuge ist man frei.


Man sieht diese Freiheit nicht; man ruht in ihr. Es ist ein unermesslicher Ozean unendlicher Leichtigkeit.


So ruht man also in diesem Zustand des reinen und schlichten Zeugen, des wahren Sehers, der unermessliche Leerheit und reine Freiheit ist, und man lässt alles, was man sieht, ungehindert aufsteigen. Geist ist im freien und leeren Seher, nicht in den beschränkten, gebundenen, sterblichen und endlichen Objekten, die in der Welt der Zeit vorüberziehen. So ruht man in dieser weiten Leerheit und Freiheit, in der alle Dinge aufsteigen.


Dieses reine Zeugen-Gewahren kann man nicht erlangen, weil es nicht möglich ist, mit etwas Kontakt aufzunehmen, das man nie verloren hat. Statt dessen ruht man in diesem leichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahrsein, indem man einfach aufnimmt, was bereits geschieht. Man sieht den Himmel ja schon. Man hört die Vögel ja schon singen. Man spürt den kühlen Lufthauch ja schon. Der schlichte Zeuge ist schon gegenwärtig, schon tätig, und immer schon der Fall. Deshalb nimmt man nicht Kontakt mit diesem Zeugen auf und ruft man ihn nicht ins Dasein, sondern gewahrt einfach, dass er immer schon da ist, als das schlichte und spontane Gewahren von allem, was in diesem Augenblick geschieht.


Und man bemerkt auch, dass dieser schlichte, allgegenwärtige Zeuge vollständig anstrengungslos ist. Es verlangt keinerlei Anstrengung, Geräusche zu hören, Landschaften zu sehen, den kühlen Lufthauch zu fühlen: Es geschieht schon, und man ruht mit Leichtigkeit in diesem anstrengungslosen Zeugen-Sein. Man folgt diesen Objekten nicht und weicht ihnen aber auch nicht aus. Weil der GEIST der allgegenwärtige Seher und nicht eines der beschränkten Dinge ist, die gesehen werden, kann man alle gesehenen Dinge kommen und gehen lassen, wie sie wollen. "Der Vollkommene benutzt den Geist als Spiegel", sagt Zhuangzi. "Dieser ergreift nicht und verwirft nicht, er nimmt auf, aber hält nicht fest." Der Spiegel empfängt mühelos seine Spiegelbilder, wie man mühelos eben jetzt den Himmel sieht und wie der Zeuge mühelos alle Objekte aufsteigen lässt. Alle Dinge kommen und gehen im anstrengungslosen Spiegel des schlichten Zeugen.


Wenn ich als der reine und schlichte Zeuge ruhe, stelle ich fest, dass ich nicht in der Welt der Zeit gefangen bin. Der Zeuge existiert nur in der zeitlosen Gegenwart. Und auch dies ist wiederum kein Zustand, der schwierig zu erreichen wäre: er ist vielmehr unmöglich zu vermeiden. Der Zeuge sieht nur die zeitlose Gegenwart, weil nur die zeitlose Gegenwart wirklich ist. Wenn ich an die Vergangenheit denke, entstehen diese Vergangenheitsgedanken eben jetzt, in dieser Gegenwart. Wenn ich an die Zukunft denke, entstehen diese Zukunftsgedanken eben jetzt, in dieser Gegenwart. Vergangene wie künftige Gedanken entstehen eben jetzt, im schlichten allgegenwärtigen Gewahren.


Und wenn sich die Vergangenheit wirklich ereignete, dann ereignete sie sich eben jetzt. Wenn sich die Zukunft wirklich ereignet, dann wird sie sich eben jetzt ereignen. Es gibt nur das "eben jetzt", es gibt nur diese allgegenwärtige Gegenwart: Dies ist alles, was ich je unmittelbar erkennen kann. Deshalb ist die zeitlose Gegenwart nicht schwierig zu erreichen, sondern vielmehr unmöglich zu vermeiden, und dies wird offensichtlich, wenn ich als der reine und schlichte Zeuge ruhe und Vergangenheit und Zukunft in einem schlichten, allgegenwärtigen Gewahren vorüberziehen lasse.


Deshalb ist man nicht in der Zeit, wenn man im allgegenwärtigen Zeugen ruht. Wenn ich im schlichten bezeugenden Gewahren ruhe, stelle ich fest, dass die Zeit vor mir vorüber oder durch mich hindurchzieht, wie Wolken am Himmel vorüberziehen. Und nur deshalb kann ich Zeit gewahren: In meiner schlichten Gegenwärtigkeit, in meiner Ichseiendheit als reiner und schlichter Zeuge des Kosmos bin ich zeitlos.


Wenn ich also eben jetzt in diesem schlichten, allgegenwärtigen Zeugen ruhe, stehe ich dem GEIST von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ich bin "noch heute" und immer bei Gott, in diesem schlichten, allgegenwärtigen bezeugenden Zustand. Meister Eckhart sagt: "Gott ist mir näher, als ich mir selbst bin", denn Gott und ich sind eins im allgegenwärtigen Zeugen, der die Wesensnatur des inneren GEISTES selbst ist, der genau dasjenige ist, was ich im Zustand meiner Ichseiendheit bin. Wenn ich kein Objekt bin, bin ich Gott (und jedes Ich im ganzen Komos kann dies mit ganzem Recht von sich sagen).


Ich trete nicht in diesen Zustand des allgegenwärtigen Zeugen ein, der der GEIST selbst ist. Ich kann in diesen Zustand nicht "eintreten", weil er ja allgegenwärtig ist. Ich kann nicht beginnen, Zeuge zu sein: Ich kann nur gewahren, dass dieses schlichte Zeuge-Sein immer schon geschieht. Dieser Zustand hat keinen Anfang in der Zeit, weil er immer in der Gegenwart ist. Man kann weder von ihm fortlaufen noch ihm entgegeneilen: Man ist immer dieser Zustand. Deshalb sind Buddhas niemals in diesen Zustand eingetreten und sind fühlende Wesen niemals aus ihm herausgefallen.


Wenn ich in diesem schlichten, klaren, allgegenwärtigen Zeugen ruhe, ruhe ich im großen Ungeborenen, im wesenhaften GEIST, in der ursprünglichen Leerheit, in unendlicher Freiheit. Ich kann nicht gesehen werden, und ich bin ohne alle Eigenschaften. Ich bin nicht dieses und nicht jenes. Ich bin kein Objekt. Ich bin weder hell noch dunkel, weder groß noch klein, weder hier noch dort. Ich habe keine Farbe, keinen Ort, keinen Raum und keine Zeit; ich bin äußerste Leerheit, ein anderes Wort für unendliche Freiheit, unendliche Ungebundenheit. Ich bin die Öffnung oder Lichtung, in der die ganze manifeste Welt eben jetzt entsteht, aber ich entstehe nicht in ihr: Sie entsteht in mir, in dieser unermesslichen Leerheit und Freiheit, die ich bin.


Die Dinge, die man sieht, sind lustvoll oder unlustvoll, fröhlich oder traurig, zuversichtlich oder ängstlich, gesund oder krank aber der, der diese Dinge erlebt, ist weder glücklich noch traurig, weder zuversichtlich noch ängstlich, weder gesund noch krank, sondern einfach frei. Als reiner und schlichter Zeuge bin ich frei von allen Objekten, frei von allen Subjekten, frei von aller Zeit und allem Raum, frei von Geburt und Tod und frei von allem, was dazwischen liegt. Ich bin einfach frei. Wenn ich in diesem reinen und schlichten Gewahren ruhe, bemerke ich, dass dieses Gewahrsein keine Erfahrung ist. Es gewahrt Erfahrungen, aber es ist selbst keine Erfahrung. Erfahrungen kommen und gehen. Sie haben einen Anfang in der Zeit, verweilen ein wenig und gehen dann vorüber. Aber sie alle entstehen in der schlichten Öffnung oder Lichtung des weiten Raums desjenigen, was ich bin. Die Wolken ziehen in diesem weiten Raum vorbei, die Gedanken ziehen vorbei, und die Erfahrungen ziehen vorbei. Sie alle kommen, und sie alle gehen. Aber dieser weite Raum selbst, dieser freie und leere Seher, diese geräumige Öffnung oder Lichtung, in der alle Dinge entstehen, kommt und geht selbst nicht und bewegt sich in keiner Weise.


Wenn ich also im reinen und schlichten Zeugen ruhe, beschäftigt mich nicht mehr die Suche nach Erfahrungen, sei es des Fleisches, sei es der Seele oder sei es des Geistes. Erfahrungen, ob hohe oder tiefe, heilige oder profane, frohe oder alptraumhafte, kommen und gehen einfach wie endlose Wellen des Ozeans desjenigen, was ich bin. Wenn ich im reinen und schlichten Zeugen ruhe, zieht es mich nicht mehr zu den Wonnen und den Qualen der Darbietungen der Erfahrung hin. Erfahrungen ziehen über mein ursprüngliches Antlitz hin wie die weißen Wolken über den klaren Herbsthimmel, und in mir ist Raum für alles.


Wenn ich im reinen und schlichten Zeugen ruhe, wird mir allmählich auch deutlich, dass der Zeuge selbst kein getrenntes Ding oder etwas außerhalb desjenigen ist, dessen Zeuge er ist. Alle Dinge entstehen innerhalb des Zeugen, so dass letztlich der Zeuge selbst hinter allen Dingen verschwindet.


So im klaren, allgegenwärtigen Gewahren ruhend, bemerke ich, dass es kein Innen und kein Außen gibt. Es gibt kein Subjekt und kein Objekt. Dinge und Ereignisse sind immer noch ganz gegenwärtig und entstehen ohne Zweifel – die Wolken ziehen vorüber, die Vögel singen immer noch, der kühle Lufthauch weht immer noch –, aber es gibt kein getrenntes Selbst, das sich aus ihnen zurückzieht. Ereignisse entstehen einfach so, wie sie sind, ohne die beständige und aufgeregte Bezugnahme auf ein zusammengezogenes Ich oder Subjekt. Ereignisse entstehen so, wie sie sind, und sie entstehen in der großen Freiheit, dass sie nicht von einem kleinen Ich definiert sind, das sie betrachtet. Sie entstehen mit dem GEIST als GEIST in der Öffnung oder Lichtung, die ich bin; sie entstehen nicht deshalb, um von einem Ich gesehen und durch dessen Wahrnehmung verzerrt zu werden.


In meinem zusammengezogenen Modus bin ich "hier drinnen", auf dieser Seite meines Antlitzes, und schaue auf die Welt "da draußen", auf der "objektiven" Seite. Ich existiere auf dieser Seite meines Antlitzes, und mein ganzes Leben ist ein Versuch, dieses Antlitz, dieses Gesicht zu wahren, diese Selbstzusammenziehung zu behalten, diese Empfindung des Ergreifens und Suchens, eine Empfindung, die mich aus der Welt da draußen heraussetzt –, einer Welt, die ich dann begehren und verabscheuen kann, auf die ich zugehen und vor der ich zurückweichen kann, die ich ergreifen oder meiden, lieben oder hassen kann. Das Innen und das Außen befinden sich in einem immerwährenden Kampf, in einem Strudel von Hoffnungen und Ängsten, und dies ist das Drama der Wahrung des Gesichts.


Man sagt: "Das Gesicht zu verlieren heißt, vor Scham zu vergehen", und wie wahr ist dies: Wir wollen nicht das Gesicht verlieren! Wir wollen nicht vergehen! Wir wollen nicht, dass die Empfindung des getrennten Selbst aufhört. Aber gerade diese Urangst, das Gesicht zu verlieren, ist die Wurzel unserer tiefsten Pein, denn das Gesicht zu wahren, eine Identität mit dem Körper-Geist zu wahren, eben dies ist der Mechanismus des Leidens, der Mechanismus, mit dem man den Kosmos in eine Konfrontation von innen und außen zerrt, ein grausamer Bruch, den ich als Schmerz erfahre.


Aber wenn ich im schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahren ruhe, verliere ich das Gesicht. Innen und außen verschwinden vollständig. Und dies geschieht einfach folgendermaßen:


Wenn ich alle Objekte fallen lasse – ich bin nicht dies, ich bin nicht jenes – und im reinen und schlichten Zeugen ruhe, entstehen alle Objekte mühelos in meinem Gesichtsfeld, entstehen alle Objekte im Raum des Zeugen. Ich bin einfach eine Öffnung oder Lichtung, in der alle Dinge entstehen. Ich bemerke, dass alle Dinge in mir entstehen, in dieser Öffnung oder Lichtung, die ich bin. Die Wolken ziehen in dieser weiten Lichtung vorüber, die ich bin. Die Sonne scheint in dieser weiten Lichtung, die ich bin. Der Himmel existiert in dieser weiten Öffnung, die ich bin; der Himmel ist in mir. Ich kann den Himmel nicht schmecken; er ist mir näher als meine eigene Haut. Die Wolken sind in mir; ich sehe sie von innen heraus. Aber wenn alle Dinge in mir entstehen, dann bin ich einfach alle Dinge. Das Universum ist Ein Geschmack, und das bin ich.


Ruhe ich so als der Zeuge, dann entstehen alle Dinge in mir, so dass ich letztlich alle Dinge bin. Es gibt kein Subjekt und kein Objekt, weil ich die Wolken nicht sehe: Ich bin die Wolken. Es gibt kein Subjekt und Objekt, weil ich den kühlen Lufthauch nicht fühle: Ich bin der kühle Lufthauch. Es gibt kein Subjekt und Objekt, weil ich den Donner nicht grollen höre: Ich bin der grollende Donner.


Ich bin nicht mehr auf dieser Seite meines Antlitzes und betrachte die Welt da draußen: Ich bin einfach die Welt. Ich bin nicht hier drinnen. Ich habe das Gesicht verloren – und mein ursprüngliches Antlitz entdeckt, den Kosmos selbst. Der Vogel singt, und ich bin das. Die Sonne geht auf, und ich bin das. Der Mond scheint, und ich bin das in einem schlichten, allgegenwärtigen Gewahren.


Wenn ich im schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahren ruhe, ist jedes Objekt sein eigenes Subjekt. Jedes Ereignis "sieht sich" gewissermaßen selbst, weil ich jetzt dieses Ereignis bin, das sich selbst sieht. Ich betrachte nicht den Regenbogen: Ich bin der Regenbogen, der sich selbst sieht. Ich blicke nicht auf den Baum: Ich bin der Baum, der sich selbst sieht. Die ganze manifeste Welt entsteht unaufhörlich so, wie sie ist, nur gibt es keine Subjekte und Objekte mehr. Der Berg ist immer noch der Berg, aber er ist kein Objekt mehr, das betrachtet wird, und ich bin kein getrenntes Subjekt mehr, das ihn betrachtet. Ich und der Berg entstehen in einem schlichten, allgegenwärtigen Gewahren, und wir beide werden in diese Lichtung entlassen, wir beide werden in diesen nondualen Raum befreit, wir beide werden in der Lichtung erleuchtet, die allgegenwärtiges Gewahrsein ist. Diese Öffnung ist frei von der gewaltsamen Trennung in Subjekt und Objekt, von hier drinnen und dort draußen, von ich und anderen, von ich und Welt. Ich habe ganz und gar das Gesicht verloren – und in schlichtem allgegenwärtigem Gewahren Gott entdeckt.


Wenn ich als der zeitlose Zeuge ruhe, hört die große Suche auf. Die große Suche ist der Feind des allgegenwärtigen GEISTES, eine hässliche Lüge im Antlitz der sanften Unendlichkeit. Die große Suche ist die Suche nach einer höchsten Erfahrung, einer mitreißenden Vision, einem Paradies der Wonnen, einem unendlichen Vergnügen, einer beeindruckenden Erkenntnis; es ist eine Suche nach Gott, eine Suche nach der Göttin, eine Suche nach dem GEIST – aber der GEIST ist kein Objekt. Der GEIST kann nicht ergriffen, erlangt, gesucht oder gesehen werden: Er ist der allgegenwärtige Seher. Die Suche nach dem Seher entspringt einem Irrtum. Ewig zu suchen heißt, ewig am Wesentlichen vorbeizugehen. Wie kann man auch etwas suchen, das eben in diesem Augenblick diese Buchseite gewahrt? DU SELBST BIST DAS. Man kann nicht nach etwas Ausschau halten, das der Ausschauhaltende ist.


Wenn ich kein Objekt bin, dann bin ich Gott. Wenn ich ein Objekt suche, höre ich auf, Gott zu sein, und diese Katastrophe kann nicht dadurch behoben werden, dass man nach noch mehr Objekten sucht.


Vielmehr kann ich nur als der Zeuge ruhen, der schon frei von Objekten ist, frei von Zeit und frei von der Suche. Wenn ich kein Objekt bin, bin ich der GEIST. Wenn ich als der freie und formlose Zeuge ruhe, bin ich eben jetzt bei Gott, in diesem zeitlosen und endlosen Augenblick. Ich koste die Unendlichkeit und bin in Fülle gebadet, weil ich nicht mehr suche, weil ich einfach in demjenigen ruhe, was ich bin.


Bevor Abraham war, bin ich. Bevor der Urknall war, bin ich. Nachdem die Welt sich aufgelöst hat, bin ich. In allen großen und kleinen Dingen bin ich. Und doch kann ich niemals gehört, gefühlt, erkannt oder gesehen werden; der "Ich-Bin" ist der allgegenwärtige Seher.


Weil die höchste Wirklichkeit nichts ist, was man sehen kann, sondern vielmehr der Seher, spielt es überhaupt keine Rolle, was zu einem gegebenen Zeitpunkt gesehen wird. Ob man Frieden oder Aufruhr sieht, Gleichmut oder Aufgeregtheit, Genuss oder Entsetzen, Glück oder Trauer, spielt keine Rolle: Nicht diese Zustände, sondern der Seher dieser Zustände ist schon frei.


Es kommt also überhaupt nicht darauf an, Zustände zu ändern; es kommt darauf an, den allgegenwärtigen Seher anzuerkennen. Selbst inmitten der großen Suche und inmitten meiner schlimmsten Selbst-Zusammenziehung habe ich unmittelbaren Zugang zum allgegenwärtigen Zeugen. Ich brauche nicht zu versuchen, dieses schlichte Gewahren ins Dasein zu bringen. Ich brauche nicht in diesen Zustand einzutreten. Er ist mit keiner Anstrengung verbunden. Ich stelle einfach fest, dass ich den Himmel schon gewahre. Ich stelle einfach fest, dass ich die Wolken schon gewahre. Ich stelle einfach fest, dass der allgegenwärtige Zeuge schon tätig ist: Er ist nicht schwierig zu erreichen, sondern es ist vielmehr unmöglich, ihn zu vermeiden. Ich bin immer schon im Schösse dieses allgegenwärtigen Gewahrens, der radikalen Leerheit, in der alle Manifestation jetzt im Augenblick entsteht.


Wenn man der Zeuge aller Objekte ist und alle Objekte in einem entstehen, dann steht man in äußerster Freiheit, in der großen Weite allen Raums. In diesem schlichten "Einen Geschmack" weht der Wind dir nicht entgegen; er weht in dir. Die Sonne scheint nicht in dir; sie scheint tief aus deinem innersten Wesen. Wenn es regnet, dann weinst du. Du kannst den Pazifik in einem einzigen Zug austrinken und das ganze Universum verschlucken. Supernovae werden in deinem Herzen geboren und sterben in ihm, und Galaxien wirbeln ohne Ende dort, wo du glaubtest, dass dein Kopf war, und all dies ist so einfach wie der Gesang eines Zaunkönigs an einem kristallklaren Morgen.


Sooft ich den allgegenwärtigen Zeugen erkenne oder anerkenne, ist die große Suche unterbrochen und das getrennte Ich aufgehoben. Dies ist die höchste, geheime, nichtduale Praxis, das Üben des Nichtübens, die Praxis des schlichten Anerkennens, die Praxis der Wiedererinnerung und Erkenntnis, die ihre zeitlose und ewige Grundlage in der Tatsache hat, dass es nur GEIST gibt, einen GEIST, der nicht schwierig zu finden, sondern vielmehr unmöglich zu vermeiden ist.


Der GEIST ist das einzige, das niemals abwesend ist und war. Er ist die einzige Konstante in deiner sich wandelnden Erfahrung. Du weißt dies buchstäblich seit einer Milliarde Jahren. Und du kannst dies ebensogut anerkennen. "Wenn du dies verstanden hast, dann ruhe in demjenigen, das versteht, und dies ist einfach der GEIST. Wenn du dies nicht verstehst, dann ruhe in demjenigen, das nicht versteht, und dies ist einfach der GEIST." Denn seit Ewigkeiten und in alle Ewigkeiten gibt es nur GEIST, den Zeugen dieses und jeden Augenblicks bis zum Ende der Welt.


Das Auge des GEISTES


Wenn ich in diesem schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahrsein ruhe, ruhe ich in dem allem einwohnenden GEIST; ich bin nichts anderes als der GEIST selbst, der Zeuge ist. Ich werde nicht GEIST; ich erkenne einfach den GEIST, der ich immer schon bin. Wenn ich im schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahren ruhe, bin ich der Zeuge der Welt. Ich bin das Auge des Geistes. Ich sehe die Welt, wie Gott sie sieht. Ich sehe die Welt, wie die Gottheit sie sieht. Ich sehe die Welt, wie der GEIST sie sieht: Jegliches Objekt ist ein Objekt der Schönheit, jedes Ding und Ereignis ist eine Geste der Großen Vollkommenheit, jeder Vorgang ist ein Kräuseln im Teich meines eigenen ewigen Seins, weshalb ich nicht als Zeuge gegenüberstehe, sondern entdecke, dass der Zeuge ein Geschmack mit allem ist, was in ihm entsteht. Der ganze Kosmos entsteht im Auge des GEISTES, im Ich des GEISTES, in meinem eigenen inneren Gewahren, diesem schlichten allgegenwärtigen Zustand, und ich bin einfach das.


Aus dem Grund des schlichten, allgegenwärtigen Gewahrens erhebt sich der eigene vollständige Körper-Geist. Wenn du im ursprünglichen Gewahren ruhst, beginnt dieses Gewahren dein Wesen zu durchdringen, und aus dem Strom des Bewusstseins gebiert sich ein neues Schicksal.

Wenn die große Suche aufhört und die Empfindung eines getrennten Selbst geopfert wurde, wenn du für dich die Kontinuität der Zeugenschaft hergestellt hast, wenn allgegenwärtiges Gewahren dein ständiger Grund ist, dann wird sich dein ganzer Körper-Geist regenerieren, er wird wiederauferstehen und sich neu um den inneren GEIST organisieren, und du wirst wie von den Toten zu einem neuen Schicksal und einer neuen Aufgabe im Bewusstsein wiederauferstehen.


Du wirst aufhören, als getrenntes Selbst (mit all dem Schaden, den dies dem Körper-Geist zufügt) zu existieren, und du wirst statt dessen als Träger des GEISTES existieren, weil der Körper-Geist jetzt die Freiheit hat, aus seinem höchsten Potential zu agieren, unbehindert und unverfälscht von den grausamen Zwängen der Selbst-Zusammenziehung. Aus dem Grund des allgegenwärtigen Gewahrseins wirst du dich erheben, und du wirst eine der erleuchteten Eigenschaften des Buddhas und Bodhisattvas erworben haben, "eines, dessen Sein (sattva) allgegenwärtiges Gewahrsein (bodhi) ist".


Aber die buddhistischen Bezeichnungen sind nicht wichtig; wichtig sind die Erleuchtungszustände, für die sie stehen. Das Entscheidende ist einfach, dass du – sobald du das schlichte, allgegenwärtige Gewahrsein stabil erkannt hast, sobald die große Suche und die Selbst-Zusammenziehung ihres Eigenlebens beraubt und zu Gott zurückgeführt, in allgegenwärtigem Gewahrsein zu ihrem Grund zurückgebracht wurden – vom Grund des allgegenwärtigen Gewahrens auferstehen wirst und eine der höchsten Möglichkeiten dieses Grundes verkörpern wirst. Du wirst Träger des GEISTES sein, der du selbst bist. Dieser allgegenwärtige Grund wird durch dich und als du in einer Vielzahl außergewöhnlicher Formen leben.


Vielleicht wirst du dich als Samantabhadra erheben, dessen allgegenwärtiges Bewusstsein die Form eines umfassenden Gleichheitsbewusstseins annimmt: Du wirst erkennen, dass das allgegenwärtige Gewahrsein, das ganz in dir gegenwärtig ist, dasselbe Gewahrsein ist, das ausnahmslos in allen fühlenden Wesen als eines und dasselbe vollständig gegenwärtig ist, als ein Herz, eine Seele, ein Geist, der atmet und pocht und pulsiert in allen fühlenden Wesen, und deine bloße Haltung pulsiert in allen fühlenden Wesen, und deine bloße Haltung wird alle Wesen an diese schlichte Tatsache erinnern, daran, dass es nur einen GEIST gibt, dass alles Gott gleich nahe ist, denn es gibt nur Gott, es gibt nur die Göttin.


Vielleicht wirst du dich als Avalokiteshvara erheben, dessen allgegenwärtiges Gewahrsein die Form milder Barmherzigkeit hat. In der strahlenden Klarheit allgegenwärtigen Gewahrseins entstehen alle fühlenden Wesen als gleiche Formen innewohnenden GEISTES oder reiner Leerheit, und so werden alle Wesen als die Söhne und Töchter des GEISTES behandelt, die sie sind. Du wirst nicht anders können, als dieses Erbarmen mit zarter Hingabe zu leben, so dass dein bloßes Lächeln die Herzen der Leidenden erfreuen wird, und sie werden in dir die Verheißung erblicken, dass auch sie zur großen Weite ihres eigenen ursprünglichen Gewahrseins erlöst werden können, und du wirst dich niemals von ihnen abwenden.


Vielleicht wirst du als Prajnaparamita erstehen, die Mutter der Buddhas, deren allgegenwärtiges Gewahrsein die Form einer großen Geräumigkeit annimmt, des Schosses des großen Ungeborenen, in dem der ganze Kósmos existiert. Die tiefste Wahrheit ist, dass alle Dinge aus dem Grund deines eigenen schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahrseins geboren werden, und zum Grund deines schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahrseins werden alle Dinge zurückkehren. In der strahlenden Klarheit deines allgegenwärtigen Gewahrseins ruhend, siehst du alle Welten entstehen, siehst du die Buddhas entstehen, siehst du alle fühlenden Wesen entstehen. Und zu dir werden sie alle zurückkehren. Und du wirst lächeln und sie in dieser großen Weite ewiger Weisheit empfangen, und alles wird wieder beginnen, nochmals beginnen und immer wieder beginnen im Schoss deines Zustandes der Allgegenwart.


Vielleicht wirst du als Manjushri entstehen, dessen allgegenwärtiges Gewahrsein die Form leuchtender Intelligenz annimmt. Wiewohl alle Wesen gleichermaßen innerer GEIST sind, erkennen manche Wesen diese allgegenwärtige Soheit nicht ohne weiteres an, weshalb sich eine unterscheidende Weisheit strahlend vom Urgrund des Gleichheitsbewusstseins erheben wird. Du wirst instinktiv sehen, was wahr und was falsch ist, und damit Klarheit in allem schaffen, was du berührst. Und wenn die Selbst-Zusammenziehung nicht auf deine sanftere Stimme hören will, dann wird sich dein allgegenwärtiges Gewahrsein in seiner rasenden Form manifestieren, die, wie es heißt, niemand anders ist als Yamantaka, der Zuchtmeister des Herrn der Toten.


Deshalb wirst du dich vielleicht als Yamantaka erheben, der grimmige Beschützer des allgegenwärtigen Gewahrseins und Samurai-Krieger des inneren GEISTES. Alles, was dem allgegenwärtigen Gewahrsein hinderlich zu sein scheint, muss rasch durchhauen werden, weshalb das allgegenwärtige Gewahrsein in vielen rasenden Formen auftritt. Du wirst vom Boden des Gleichheitsbewusstseins aus gedrängt sein, das Falsche, das Seichte und das Nicht-Allzeit-Gegenwärtige ans Licht zu zerren. Jetzt ist die Zeit für das Schwert, nicht für das Lächeln, aber dies ist immer das Schwert der unterscheidenden Weisheit, das alle Hindernisse im Grund des Allumfassenden unerbittlich durchhaut.


Vielleicht wirst du dich als Bhaishajya-Guru erheben, dessen allgegenwärtiges Gewahrsein die Form einer heilenden Strahlung annimmt. Aus der strahlenden Klarheit des allgegenwärtigen Gewahrseins wirst du dich gedrängt fühlen, die Kranken und Traurigen und diejenigen, die Schmerzen leiden, daran zu erinnern, dass der Schmerz zwar wirklich ist, aber dass sie nicht dieser Schmerz sind. Mit einer einfachen Berührung oder einem Lächeln werden auf sich selbst zusammengezogene Seelen sich in die große Weite des inneren Gewahrseins entspannen, und Krankheiten werden im Leuchten dieser Befreiung alle Bedeutung verlieren. Und du wirst niemals müde werden, denn allgegenwärtiges Gewahren kostet keine Anstrengung; so wirst du immerfort alle Wesen daran erinnern, wer und was sie auf der anderen Seite der Furcht wirklich sind, in der bedingungslosen Liebe und rückhaltlosen Hinnahme, die der Geist-Spiegel allgegenwärtigen Gewahrseins ist.


Vielleicht wirst du dich als Maitreyaerheben, dessen allgegenwärtiges Gewahrsein die Form eines Versprechens annimmt, dass das allgegenwärtige Gewahrsein selbst in der endlosen Zukunft immer noch einfach gegenwärtig sein wird. Aus der strahlenden Klarheit dieses ursprünglichen Gewahrseins wirst du geloben, bis in eine Ewigkeit von Zukünften bei allen Wesen zu sein, weil selbst diese Zukünfte im schlichten gegenwärtigen Gewahren entstehen werden, demselben gegenwärtigen Gewahren, das jetzt eben dies sieht.


Dies sind nur einige wenige der Potentiale eines allgegenwärtigen Gewahrseins. Die buddhistischen Namen sind nicht wichtig; es können auch andere Namen sein. Dies sind einfach einige der Formen deiner eigenen Auferstehung. Es sind einige der Möglichkeiten, die nach dem Tod der großen Suche Triebfeder deines Handelns sein könnten. Es sind einige der
Möglichkeiten, wie die Welt für das allgegenwärtige Auge des GEISTES aussieht, das allgegenwärtige Ich des GEISTES. Sie sind, was du jetzt in diesem Augenblick siehst, wenn du die Welt so siehst, wie Gott sie sieht, aus dem grundlosen Grund des schlichten allgegenwärtigen Gewahrseins.


Und es wird alles ungeschehen gemacht


Vielleicht wirst du als eine oder alle diese Formen allgegenwärtigen Gewahrseins entstehen. Aber wenn dies geschieht, spielt es letztlich keine Rolle. Wenn du in der strahlenden Klarheit des allgegenwärtigen Gewahrseins ruhst, bist du nicht Buddha oder Bodhisattva, bist du nicht dies oder jenes, bist du nicht hier oder dort. Wenn du im schlichten, allgegenwärtigen Gewahrsein ruhst, bist du der große Ungeborene, frei von allen Eigenschaften. Du gewahrst Farbe, bist aber farblos. Du gewahrst Zeit, bist aber zeitlos. Du gewahrst Form, bist aber formlos. In der großen Weite der ursprünglichen Leerheit bist du für diese Welt immer unsichtbar.


Es ist einfach so, dass du als verkörpertes Wesen auch in der Welt der Form entstehst, die deine eigene Manifestation ist. Die inneren Potentiale des erleuchteten Geistes (die inneren Potentiale deines allgegenwärtigen Gewahrseins) wie Gleichmut, Unterscheidende Weisheit, Spiegelgleiche Weisheit, Urgrundbewusstsein und Allesumfassendes Gewahrsein, all dies verbindet sich mit den individuellen Neigungen und Begabungen deines eigenen Körper-Geistes. Wenn dann das getrennte Ich in die große Weite seines eigenen allgegenwärtigen Gewahrseins erstirbt, wirst du von einem oder allen dieser verschiedenen erleuchteten Potentiale beseelt wieder auferstehen. Du bist dann nicht von der großen Suche motiviert, sondern vom großen Mitgefühl dieser Potentiale, die teils sanftmütig, teils rasend sind, aber immer einfach die Möglichkeiten deines eigenen allgegenwärtigen Zustandes.


Indem du nun so im schlichten, klaren, allgegenwärtigen Gewahrsein ruhst, wirst du dich mit den Eigenschaften und Tugenden deiner eigenen höchsten Potentiale erheben – vielleicht Mitleid, vielleicht Unterscheidende Weisheit, vielleicht kognitive Erkenntnis, vielleicht heilende Gegenwart, vielleicht zornige Erinnerung, vielleicht künstlerische Leistung, vielleicht sportliche Fähigkeiten, vielleicht erzieherisches Talent oder vielleicht etwas ganz Einfaches, wenn man vielleicht einfach der beste Blumengärtner in seinem Viertel ist (man verwirklicht, mit anderen Worten, eine der Entwicklungslinien, die in ihren ursprünglichen Zustand freigesetzt wurden, in ihren ureigenen post-postkonventionellen Zustand). Wenn der Körper-Geist von den Grausamkeiten befreit ist, die ihm die Selbst-Zusammenziehung zufügt, strebt er von selbst seinem höchsten Zustand zu, der in den großen Potentialen des erleuchteten Geistes aufscheint, den großen Potentialen schlichten, allgegenwärtigen Gewahrseins.


Wenn du so im schlichten, allgegenwärtigen Gewahrsein ruhst, bist du der große Ungeborene; aber wenn du geboren wirst, wenn du dich aus dem allgegenwärtigen Gewahrsein erhebst, wirst du bestimmte Eigenschaften an dir tragen, die dem inneren GEIST eigen sind, Eigenschaften, die von den Veranlagungen deines eigenen Körper-Geistes und seiner jeweiligen Begabungen getönt sind.


Und in welcher Form du auch immer wiederauferstehst, du wirst nicht von der Großen Suche, sondern von deiner Großen Pflicht gedrängt auferstehen, von deinem grenzenlosen Dharma, der Manifestation deiner eigenen höchsten Potentiale, und die Welt wird sich ändern, weil du sie änderst. Und du wirst niemals zaudern, du wirst niemals in der Erfüllung dieser großen Pflicht versagen, und du wirst dich niemals abwenden, weil das schlichte, allgegenwärtige Gewahrsein jetzt und immer mit dir sein wird, bis zum Ende der Welten, weil es jetzt und immer und für alle Zeit nur GEIST gibt, nur inneres Gewahrsein, nur das schlichte Gewahrsein von einfach diesem, und weiter nichts.


Aber diese ganze Reise zum Seienden beginnt am anfangslosen Anfang: Man beginnt mit der einfachen Erkenntnis desjenigen, was immer schon der Fall war. ("Wenn du dies verstehst, dann ruhe in demjenigen, was versteht, und genau dies ist der GEIST. Wenn du dies nicht verstehst, dann ruhe in demjenigen, das nicht versteht, und genau dies ist der GEIST.") Man lässt diese Erkenntnis des allgegenwärtigen Gewahrseins auftauchen, sanft, beliebig, spontan, am Tage und in der Nacht. Dieses schlichte allgegenwärtige Gewahrsein ist nicht schwierig zu erlangen, sondern vielmehr unmöglich zu vermeiden, und man nimmt dies einfach zur Kenntnis.


Dies tut man sanft, beliebig und spontan, am Tage und in der Nacht. Schon bald wird im Zustand des Wachens, Träumens und Schlafens diese Erkenntnis von selbst und durch ihre eigene innere Kraft wachsen und die Hindernisse überstrahlen, die ihre Natur zu überdecken scheinen, bis dieses schlichte, allgegenwärtige Gewahrsein sich in einer ununterbrochenen Kontinuität in allen Zustandsveränderungen ausspricht, in allen Veränderungen von Raum und Zeit. Dann verlieren Raum und Zeit jegliche Bedeutung und werden sichtbar als das, was sie sind, die glänzenden Schleier der strahlenden Leerheit, die du allein jetzt bist und du wirst ohnmächtig in dieses Schöne versinken, in dieses Wahre ersterben und dich in diesem Guten auflösen, und es wird niemanden mehr geben, der von Schrecken Zeugnis ablegen könnte, der Tränen ernst nehmen könnte, der Missbefinden konstruieren könnte, der das Göttliche leugnen könnte, das allein ist, das allein immer war und das allein immer sein wird.


Und irgendwo in einer kristallklaren kühlen Nacht wird der Mond auf eine still wartende Erde scheinen, nur um diejenigen, die zurückgeblieben sind, daran zu erinnern, dass alles ein Spiel ist. Das Mondlicht wird in deren schlummernden Herzen Träume entzünden, und die Sehnsucht nach einem Erwachen wird sich in den Tiefen dieser ruhelosen Nacht regen. Du wirst wiederum den Drang verspüren, auf diese flehentlichen Gebete zu antworten, und du wirst dich gerade hier, gerade jetzt vorfinden und dich fragen, was dies alles eigentlich zu bedeuten hat – bis die blitzartige Erkenntnis dein Antlitz erhellt und alles ungeschehen gemacht wird. Dann wirst du dich als der Mond selbst erheben und diese Träume in deinem eigenen Herzen singen; du wirst dich als die Erde selbst erheben und alle ihre gesegneten Bewohner verherrlichen; du wirst dich als die Sonne selbst erheben, unendlich strahlend und viel zu offensichtlich, als dass man sie sehen könnte, und in diesem Einen Geschmack ursprünglicher Reinheit, ohne Anfang und ohne Ende, ohne Eingang und ohne Ausgang, ohne Geburt und Tod tritt alles in ein unumstößliches Dasein. Das Geräusch eines irgendwo in der Ferne singenden Wasserfalls ist alles, was noch verbleibt, um diese Geschichte zu erzählen, spät in dieser kristallklaren Nacht, die in ein herrliches Mondlicht getaucht ist, einfach so, einfach so.


Als der große Zen-Meister Fazang im Sterben lag, keckerte ein Eichhörnchen auf dem Dach. "Das ist es", sagte er, "und weiter nichts".

:bow:
Norbert
 

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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon LaMer » Do 18. Nov 2010, 12:08

das haste aber jetzt mit "copy paste" gemacht oder?
>Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück <
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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Manfred » Do 18. Nov 2010, 15:00

Hammertext Norbert, Danke. Beim lesen kam mir das Bild einer Kamera, die nicht nur Bilder, sondern auch Töne, Gerüche, als äußere Wahrnehmungen, aber auch die Gedanken und Gefühle, die da waren, auf Film (inzwischen Microchips) bannt. Vollkommen unbeteiligt (ein anderes Sinnbild für die - schon oft zitierte - Leinwand). Und beim Sein dieser Kamera, hatte ich das Empfinden, DEM schon recht nahe zu sein.
Dann gleich wieder nachdenken, über das, was mich derzeitig vordergründig bewegt, und schon war ich auch wieder draußen, dann das auch mit auf die Kameraplatte mit draufgenommen, und ich war wieder fast drin.
Danke. (auch Tobi im anderen Thread, der ja auf ähnliche Weise da, auf das hinweist).
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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Norbert » Do 18. Nov 2010, 15:25

Manfred hat geschrieben:Hammertext Norbert, Danke.

Gerne. Ich finde den Text auch klasse. Wilber mal ganz anders.
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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon _Rosenglut » Do 18. Nov 2010, 17:51

Norbert, vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast! Ich hab die Vorlesestunde runtergeladen und werde sie mir in Ruhe durchlesen.
Ken Wilber mag ich gern, ich glaub er ist Wassermann, wie ich :lol: , die wollen gern alles erklären (bzw. erklärt haben)....
(das ist auch nur eine Geschichte) ;-)
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Re: Ken Wilber: Allgegenwärtiges Gewahren

Beitragvon Herz » Fr 19. Nov 2010, 15:45

Ken Wilber hat geschrieben:Allgegenwärtiges Gewahren

Das ist ein schöner Text von Ken Wilber, mir allerdings viel zu ausführlich.... habe deshalb manches nur überflogen.

Mir fällt auf, dass er sich so sehr an den "Zeugen" krallt, dass es mir fast scheint, als habe er sich wieder mit etwas identifiziert, nämlich dem Zeugen...

Könnte es sein, dass er, im Sine der Ochsenbilder, da ist, wo der Ochse geritten wird... Doch irgendwann verschwindet auch der Ochse, und das Leben ist wieder ganz normal.

Der ganze Text wirkt auf mich verkopft und abgehoben. So wie von jemandem geschrieben, der für mein Gefühl in "höheren Sphären" schwebt... und mit der Welt nicht mehr viel zu tun haben möchte...

Ich erlebe es so, dass sich Bewusstsein (was er Zeuge nennt) pausenlos völlig identifiziert... so sehr, dass es (das Bewusstsein) IN dem was geschieht, verschwindet. Da ist dann kein Zeuge mehr, sondern nur noch Inhalte - ohne ein Gefäß. So gesehen ist Bewusstsein - in diesem Sinne - komplett unbewusst - jeweils vollständig dem Geschehen hingegeben.

"Inhalte" ist alles, was den Body-Mind-Organismus durchzieht, Schmerzen, Freude, Gedanken, Weisheit, Blödheit, albern sein, müde sein... alles GANZ.

Mag sein, dass das gar nicht im Widerspruch zu den Worten Ken Wilbers steht... sondern der Eine sagt: es ist Alles Nichts, der andere sagt: Nichts ist Alles... und beides stimmt...

Wollte nur Ergänzendes anmerken.

Grüße von gabi
Herz
 

Re: Ken Wilber: Allgegenwärtiges Gewahren

Beitragvon Norbert » Fr 19. Nov 2010, 17:06

Herz hat geschrieben:.... habe deshalb manches nur überflogen ...

Mir fällt auf, dass er sich so sehr an den "Zeugen" krallt


Wahrscheinlich, weil du Wilber nur "überflogen" hast. Ich habe noch viel mehr von ihm gelesen, u.a. auch "Mut und Gnade", wo er zum Zeugen noch das hier schreibt:

"Der Zeuge ist eine sehr hohe und unbedingt notwendige Entwicklungsstufe, aber nicht die letzte. Wenn der Zeuge - die Seele - transzendiert wird, geht er in all dem auf, dessen Zeuge er bisher war. Die Subjekt/Objekt-Dualität verschwindet, und übrig bleibt reines, nichtduales Gewahrsein."

(Ken Wilber, Mut und Gnade)
Zuletzt geändert von Norbert am Fr 19. Nov 2010, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Manfred » Fr 19. Nov 2010, 17:07

Gabi hat geschrieben:Mir fällt auf, dass er sich so sehr an den "Zeugen" krallt, dass es mir fast scheint, als habe er sich wieder mit etwas identifiziert, nämlich dem Zeugen...

Der Zeuge ist vielleicht ein notwendiger Schritt in diese Richtung?
Grade im Nissargadatta Film. Da ist zB. nirgens, auch nur eine Andeutung von Nichts, wohl aber vom Zeugen.
Ich weiß es aber nicht.
Aber habe ja auch (wenn auch schon von Euch verständlich tausendemal erklärt) schon immer noch Schwierigkeiten, dieses Nichts (kein Zeuge, noch sonstirgendetwas) zu verstehen, weil halt meinem Verständniss nach, Nichts eben Nichts ist. Und Nichts nichts sein kann. Und demnach, keiner über das Nichts sprechen kann.
Ist es aber ein Nichts, über das man im Nachhinein, wenigstens in Ansätzen reden kann, ist es kein Nichts mehr. Vielleicht "ein wenig" oder ein "so gut wie nichts" aber eben kein Nichts an sich.
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Re: Ken Wilber: Allgegenwärtiges Gewahren

Beitragvon Herz » Fr 19. Nov 2010, 20:27

Ken Wilber hat geschrieben:"Der Zeuge ist eine sehr hohe und unbedingt notwendige Entwicklungsstufe, aber nicht die letzte. Wenn der Zeuge - die Seele - transzendiert wird, geht er in all dem auf, dessen Zeuge er bisher war. Die Subjekt/Objekt-Dualität verschwindet, und übrig bleibt reines, nichtduales Gewahrsein."

Ja, Norbert, das kannte ich nicht. Obwohl "Mut und Gnade" das einzige Buch ist, was ich je von ihm gelesen habe... ist aber schon ewig her... Das Buch gefiel mir sehr gut...

Bin immer wieder beeindruckt von deinem großen Schatz an Texten und Zitaten, finde das toll! <3

Grüße von gabi
Herz
 

Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Herz » Fr 19. Nov 2010, 20:35

Manfred hat geschrieben:Der Zeuge ist vielleicht ein notwendiger Schritt in diese Richtung?

Hey, da sagst du ja das Gleiche wie Ken Wilber in dem von Norbert zitierten Text...

Ich glaub aber nicht, dass das unbedingt notwendig ist... Ich kann mich nicht erinnern, einen dauerhaften Zeugen gehabt zu haben, nur einen zeitweisen.

Manfred hat geschrieben:Grade im Nissargadatta Film. Da ist zB. nirgens, auch nur eine Andeutung von Nichts, wohl aber vom Zeugen.

Den kenne ich nicht, Manni. Ist mir auch nicht wirklich wichtig, was z.B. Nisargadatta sagt oder ein Film über ihn.... Gibt für mich keinen Papst... :icon_biggrin:
Manfred hat geschrieben:Aber habe ja auch (wenn auch schon von Euch verständlich tausendemal erklärt) schon immer noch Schwierigkeiten, dieses Nichts (kein Zeuge, noch sonstirgendetwas) zu verstehen, weil halt meinem Verständniss nach, Nichts eben Nichts ist. Und Nichts nichts sein kann. Und demnach, keiner über das Nichts sprechen kann.
Ist es aber ein Nichts, über das man im Nachhinein, wenigstens in Ansätzen reden kann, ist es kein Nichts mehr. Vielleicht "ein wenig" oder ein "so gut wie nichts" aber eben kein Nichts an sich.

Das ist mir zu theoretisch. Man muss das schließlich nicht verstehen... Dummer Verstand macht sich nur wichtig...
Herz
 

Re: Ken Wilber: Allgegenwärtiges Gewahren

Beitragvon Norbert » Fr 19. Nov 2010, 20:47

Herz hat geschrieben:Bin immer wieder beeindruckt von deinem großen Schatz an Texten und Zitaten, finde das toll! <3

Danke! <3

Ich habe selbst nicht viel zu sagen, da stöbere ich lieber hier und da mal rum. Was mir dann gefällt, teile ich dann gerne hier mit den Forenfreunden. Aber das auch nur sporadisch, wie ich grad Lust dazu habe.

Die Quelle ist ja eh immer die gleiche, ob solche Inspirationen jetzt durch mein Hirn rauschen oder durch Wilbers. *ggg* Auch wenn es dann sein Geldbeutel ist, der sich füllt durch diese Art von "Werbung" ... so what. Ich komme klar mit meiner kleinen Rente, ich gönne es ihm.
Norbert
 

Re: Ken Wilber: Über Gott und Politik

Beitragvon Norbert » Fr 19. Nov 2010, 20:53

Manfred hat geschrieben:Aber habe ja auch (wenn auch schon von Euch verständlich tausendemal erklärt) schon immer noch Schwierigkeiten, dieses Nichts (kein Zeuge, noch sonstirgendetwas) zu verstehen, weil halt meinem Verständniss nach, Nichts eben Nichts ist.


Du kannst das Nichts nicht verstehen, weil dann der Verstehende in seinem Verstehen immer noch als Verstehender übrig bleiben würde. Sobald das Nichts wirklich "verstanden" ist, ist keiner mehr da, der es verstanden haben könnte. *g* Das verstehen des Nichts ist der Tod des Verstehenden. Bleibt keiner mehr übrig, der dann noch was verstanden hat. *g*
Norbert
 

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