Para Vida !

Heidnische Selbsterfahrungen im Lichte der Energie-Göttin.
Niranjana

Para Vida !

Beitrag von Niranjana »

zum Geleit :

"Um es gleich zu sagen : die Pforten zur Welt des wilden Selbst sind rar, aber von hohem Wert. Wenn du eine tiefe Narbe zurückbehalten hast, dann ist das eine Tür. Wenn du eine uralte Geschichte kennst, dann ist das eine Tür. Wenn du den Himmel und den Ozean so sehr liebst, dass es dir das Herz auseinandersprengt, dann ist das eine Tür. Wenn du dich nach einem tieferen Leben, einem vor Fülle berstenden Leben sehnst, ist das eine Tür." (Clarissa P. Estes)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=WYAeGh8UnrU[/youtube]

"Para Vida! Um das Leben voll auszukosten, brauchen wir uns gegenseitig." (Clarissa P. Estes)

Quelle : "Die Wolfsfrau"

***

"Schamanisches Heilen ist eine Reise. Es beinnhaltet das Heraustreten aus unseren gewohnheitsmässigen Rollen, unseren herkömmlichen Drehbüchern und dem Improvisieren eines Weges des Tanzes. Der Weg des Tanzes führt uns aus der Trägheit des Schlafwandelns in die Ekstase, in der wir den Geist des Augenblicks erleben. Nur allzuoft wird unser Leben automatisch in enge, sichere Muster gelenkt, in tödliche Routinen festgelegt. Einige von uns wollen da heraus, wollen loslassen und die Kraft erwecken, die in uns vergraben liegt. Um dies zu tun, müssen wir auf der Schneide leben, zwischen den Linien, irgendwo zwischen Materie und Geist, männlich und weiblich, Dunkelheit und Licht, Schüler und Lehrer, Stille und Bewegung. Wir wagen uns wie Seiltänzer über den Abgrund des Unbekannten." (Gabrielle Roth)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=-O6otMFeQmI&feature=related[/youtube]

"Für mich ist jeder ein Tänzer, in jedem steckt ein Schamane. Der auf den Weckruf wartet. Bereit auf der Schneide zu Tanzen."( Gabrielle Roth)

Quelle : Das befreite Herz
Gabrielle Roth

***

"So lasst uns zusammen reisen, wie Wasser, das in eine Richtung fliesst" (Serge Kahili King)

Quelle : Der Stadtschamane

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=PL-uL2M3xvM&feature=related[/youtube]

***

"Ich stiess auf das Geheimnis des Meeres, als ich über einen Tautropfen meditierte. (Khalil Gibran) - Das ist es, was Julie als poetischen Bullshit bezeichnet, und dies zu Recht, aber ich kann es mir leisten zu schwelgen. Poetischer Bullshit ist eine Sache, wenn du die Schlacht deines Lebens Schlägst, und etwas ganz anderes, wenn du, den Hut im Gesicht, in einer Hängematte hin- und herschaukelst. Was ist kein Wunder ? Welches Teil der Vase ist geringer als eines der anderen ? Alles passt zusammen, alles ist am richtigen Ort. Niemand ist verloren. Alle werden ankommen. Das Eine ist die Quelle des Vielen, Rückkehr ist die Bewegung des Tao, und die Wissenschaftstypen bewegen sich mit dem Hintern zuerst voran. Das Universum fliegt nicht auseinander, es fliegt zusammen." (Jed Mc Kenna, zitiert aus Spirituell unkorrekte Erleuchtung)"

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Schamanismus hat für mich unendlich viele Gesichter, wie auch der "Tanz"...ich kann nicht nur tanzen, indem ich meinen Körper in Bewegung setze, ich kann tanzen mit Worten und Gesang, beim Kochen...im Grunde überall, wo ein kreativer Prozess stattfindet...und was ist nicht...kreativ ? Dieser Tanz kann eine schamanische Reise sein..wie zB auch eine Massage, die gegeben oder genommen wird (zB. Lomi Lomi Nui) Ich persönlich gebe den "modernen" Schamanen den Vorzug, weil ich schlicht keine wahrhaftige Verbindung zu bestimmten ethnischen Wurzeln habe, ich lebe in Europa, ich lebe in dieser Zeit (auch wenn das eine Frage der Perspektive ist ;-) )...und dennoch fühle ich mich durch alle Zeiten hindurch - kopfneigend - verbunden mit fast allen bekannten und unbekannten Schamanischen Traditionen.

Jemand der die Fähigkeit hat zu transportieren, ist in meinen Augen ein Schamane, ein Gestaltwandler. Ein excellenter Schauspieler, genialer Sänger/Band...das sind ebenfalls Schamanen für mich. Ich lege keinen grossen Wert auf die "Echtheit der Ahnenlinie"...auf die Authentizität und Ehrbarkeit "grosser" Lehrer, oder besser gesagt : "richtiger" Lehrer...die von denen man behauptet dass sie "echt" sind. In meinen Augen existiert nichts echtes. In jeder Richtung lauern unzählige Möglichkeiten sich zu verheddern, egal an was man sich orientiert - an modernem oder althergebrachtem - es ist egal. Letztlich bleibt man Selbst übrig, das ist die einzige Orientierung, die man wirklich hat. Aber, und das ist gut, es existieren eine Menge Landkarten. Und sie helfen deshalb, weil es ein universelles Gebiet ist, das sie beschreiben. Vielleicht dienen sie auch nur dazu, einen not-wendigen Umweg zu initiieren.

Die "schamanische Reise" ist eine Metapher für mich. Eine Trance-Reise, die innerhalb von Minuten stattfindet, eine Parabel auf das Leben, auf das "ich", auf das, was tagtäglich geschieht, auf das was wir nicht verstehen können, weil es so direkt, so einfach und so schlicht ist. Ich glaube, deshalb ist die künstliche Distanz nötig. Die Trennung, die Abspaltung ist in meinen Augen nichts krankhaftes - sie ist wesentlich. Und die schamanische Reise ist so etwas wie eine Blaupause, sie kopiert das, was ist und macht es sicht- fühl- berührbarer.

Und auch diese Reisen unternimmt man, nur um festzustellen, dass man nie aufgebrochen ist. Aber um das festzustellen, muss man auf irgendeine Art..

auf
brechen.

[youtube][youtube]http://www.youtube.com/watch?v=kNcgADtL7RM[/youtube][/youtube]

***

weitere empfehlenswerte Literatur zum Thema :

die "Klassiker"
Michael Harner : http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Harner
Sandra Ingermann
Mircea Eliade
Felicitas Goodman

eine Rundreise zum Thema bietet der Film "Unterwegs in die nächste Dimension" von Klemens Kuby

Meine alltime Favourites sind, wie o.g. : Gabrielle Roth, Serge K. King, Clarissa P.Estes, Osho *g*, Luisa Francia uvm. - und ihr gebe ich auch das Schlusswort zu diesem Beitrag :

"Sie sagte : Warten kannst du immer. Irgendwas passiert immer. Ich fragte : Aber was ? Und wenn du mal kochst ? Sie antwortete : Dann wird es meine Suppe sein. Wer weiss was sie in dir anrichtet. Wer weiss, ob du sie je essen wirst.

Mitten zwischen all den kosmischen Wirtshausgästen lege ich mich auf den kosmischen Wirtshausboden und versuche mir einen Reim auf alles zu machen. Ist es nicht mein Wirtshaus ? Koche ich da meine Suppe ? Wirke ich da meine Verwandlungen ? Träume ich das hier, oder ist das meine wirkliche Heimat, und wenn ich zurückgehe in die materielle Welt, träume ich sie ? Ist hier der Ursprung dessen, was ich in der materiellen Welt erlebe, habe, verliere ? Könnte ich hier, sagen wir, eine Stein sehen, in seine Gestalt rufen und dort, in der Welt der Körper finden ?

Versuchs, sagt der Stein.
Übrigens, die Suppe kann ich dir empfehlen."
(zitiert aus : Auf der anderen Seite der Haaresbreite, Luisa Francia)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=AX2g0XVV-ZY[/youtube]

schubidu.

:icon_biggrin_small:

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Edgar
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Re: Para Vida !

Beitrag von Edgar »

oh wow... was für ein Beitrag ! :dance:

Vera

Re: Para Vida !

Beitrag von Vera »

WOW...

Einfach grandios, Nira
Schöne Texte, Videos und super zusammen gestellt.
Gefällt mir sehr.

:groupwave1:

Blue
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Re: Para Vida !

Beitrag von Blue »

so schön wie du, danke.

Siempre,

Blue.

Frauke
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Re: Para Vida !

Beitrag von Frauke »

Nira, wunderschöner Beitrag ... Texte, Videos und ganz besonders mag ich „A tribute to Bruddha IZ“. Hab ich vor kurzem erst mit den Kindern geschaut. Es rührt ans Herz, und geht mir immer wieder so, auch jetzt, ist sehr berührend – danke dir :love1:

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Re: Para Vida !

Beitrag von Saradevi »

Vielen Dank, liebe Nira, ich hab extra auf einen Moment gewartet, wo ich mir diesen Beitrag in Ruhe ansehen konnte und ich habe ihn genossen!

Einen dicken Kuss,

Sara Devi

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paul
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Re: Para Vida !

Beitrag von paul »

Erst jetzt entdeckt,

sehr schön, vielen dank.

sage
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Re: Para Vida !

Beitrag von sage »

Made me feel good again, thank you.
sage

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Aphex
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Re: Para Vida !

Beitrag von Aphex »

Toller Beitrag! Ich habe ihn sehr gerne gelesen und gehört. Und ich hätte eine Ergänzung:

[youtube]http://de.youtube.com/watch?v=zlfKdbWwruY[/youtube]

:-)

Niranjana

märchen & mythen - die skelettfrau

Beitrag von Niranjana »

weil mir grad so nach umzug ist...bring ich mal meine etwas älteren beiträge hierher :

meine lieblingsgeschichte aus dem buch die "wolfsfrau"

die skelettfrau .... diese erzählung hat mir geholfen, tiefer in meine natur einzutauchen, mich in meinem mensch-sein zu begreifen.

gestern habe ich etwas grundlegendes verloren. ich dachte immer, mir fehlt etwas. ich dachte immer, ich könnte niemals "erwachen"...solange mir das fehlt, ich müsste "vorher"...die fäden zusammenkriegen. aber das stimmt nicht. es KANN nicht zusammenkommen, was niemals getrennt war. und welche spiele auch gespielt werden - das wesentliche bleibt unberührt. still und klar. egal wie laut es ist.

meine liebe zu geschichten und dem mensch-sein, meine leidenschaft dafür mag sich wie ein diametraler gegensatz anfühlen, anhören. das ist wie mit krankheit und heilung. wenn dir der arzt und die medizin erscheint, nimmst du sie eben. auch wenn das, was du bist, nicht krank ist, nicht gesund ist, nicht geheilt werden kann.

die skelettfrau bietet keine lösung, auch wenn sich manches danach anhört.
sie zeigt archetypische muster auf. erkenne ich sie, kann ich sie wirklich sehen, entsteht eine entspannung und damit löst sich die anhaftung an diesem muster. es gibt keine PERSÖNLICHE geschichte. es gibt nur eine einzige in unterschiedlichen farben. und selbst die gibt es nicht. -

die skelettfrau und der liebesfischer leben in mir. ob ich ein mann oder eine frau bin, ist vollkommen egal.

hier die geschichte :

jahre vergingen, bis sich niemand mehr daran erinnern konnte, gegen welches gesetz das arme mädchen verstossen hatte. die leute wussten nur noch, dass ihr vater sie zur strafe von einem felsenvorsprung ins eismeer hinabgestossen hatte. so lag sie für eine lange zeit am meeresboden. die fische nagten ihr fleisch bis auf die knochen ab und frassen ihre kohlrabenschwarzen augen. blicklos und fleischlos schwebte sie unter eisschollen, und ihr gerippe wurde von der strömung um - und um- und umgedreht. die fischer und jäger der gegend hielten sich fern von der bucht, denn es hiess, dass der geist der skelettfrau dort umginge. doch eines tages kam ein junger fischer aus einer fernen gegend hergezogen, der nichts davon wusste. er ruderte sein kajak in die bucht, warf seine angel aus und wartete.

er ahnte ja nicht, dass der haken seiner angel sich sogleich in den rippen des skeletts verfing ! schon fühlte er den zug des gewichts und dachte voll freude bei sich : oh welch ein glück ! jetzt habe ich einen riesenfisch an der angel, von dem ich mich für lange zeit ernähren kann. nun muss ich nicht mehr auf die jagd gehen.

das skelett bäumte sich wie wild unter wasser auf und versuchte freizukommen, aber je mehr es sich aufbäumte, und wehrte, desto unentrinnbarer verstrickte es sich in der langen angelleine des ahnungslosen fischers. das boot schwankte bedrohlich im aufgewühlten meer, fast wäre der fischer über bord gegangen, aber er zog mit aller kraft an seiner angel, er zog und liess nicht los und hievte das skelett aus dem meer empor.

Iiiii, aiiii, schrie der mann, und sein herz rutschte ihm in die hose hinunter, als er sah, was dort zappelnd an seiner leine hing. Aiii und igitt, schrie er beim anblick der klappernden, mit muscheln und allerlei getier bewachsenen skelettgestalt. er versetzte dem scheusal einen hieb mit dem paddel und ruderte, so schnell er konnte, an das meeresufer.

aber das skelett hing weiterhin an seiner angelleine, und da der fischer seine kostbare angel nicht loslassen wollte, folgte ihm das skelett, wohin er auch rannte. über das eis und den schnee, über erhebungen und durch vertiefungen folgte ihm die skelettfrau mit ihrem entsetzlich klappernden totengebein. weg mit dir ! schrie der fischer und rannte in seiner angst geradewegs über frische fische, die jemand dort zum trocknen in die sonne gelegt hatte. die skelettfrau packte ein paar, während sie hinter dem mann hergeschleift wurde, und steckte sie sich in den mund, denn sie hatte lange keine menschenspeisen mehr zu sich genommen.

und dann war der fischer bei seinem iglu angekommen. in windeseile kroch er in sein schneehaus hinein und sank auf das nachtlager, wo er sich keuchend und stöhnend vorm schrecken erholte und den göttern dankte, dass er dem verderben noch einmal entronnen war.

im iglu herrschte vollkommene finsternis, und so kann man sich vorstellen, was der fischer empfand, als er seine öllampe anzündete und nicht weit von sich, in einer ecke der hütte, einen völlig durcheinander geratenen knochenhaufen liegen sah. ein knie der skelettfrau steckte in den rippen ihres brustkorbs, das andere bein war um ihre schultern verdreht, und so lag sie da, in seine angelleine verstrickt. was dann über ihn kam und ihn veranlasste, die knochen zu entwirren und alles vorsichtig an die rechte stelle zu rücken, wusste der fischer selbst nicht. vielleicht lag es an der einsamkeit seiner langen nächte, und vielleicht war es auch nur das warme licht seiner öllampe, in dem der totenkopf nicht mehr ganz so grässlich aussah - aber der fischer empfand plötzlich mitgefühl mit dem gerippe.

na, na, na, murmelte er leise vor sich hin und verbrachte die halbe nacht damit, alle knochen der skelettfrau behutsam zu entwirren, sie ordentlich zurechtzurücken und sie schliesslich sogar in warme felle zu kleiden, damit sie nicht fror. danach schlief der gute erschöpft ein, und während er dalag und träumte, rann eine helle träne über seine wange. dies aber sah die skelettfrau und kroch heimlich an seine seite. brachte ihren mund an seine wange und trank die eine träne, die für sie wie ein strom war, dessen wasser den durst eines ganzen lebens löscht.

sie trank und trank, bis ihr durst gestillt war, und dann ergriff sie das herz des mannes, das ebenmässig und ruhig in seiner brust klopfte. sie ergriff das herz, trommelte mit ihren kalten knochenhänden darauf und sang ein lied dazu. oh fleisch, fleisch, fleisch, sang die skelettfrau. oh haut, haut, haut. und je länger sie sang, desto mehr fleisch und haut legte sich auf ihre knochen. sie sang für alles, was ihr körper brauchte, für einen dichten haarschopf, und kohlschwarze augen, eine gute nase und feine ohren, für breite hüften, starke hände, viele fettpolster überall und warme, grosse brüste.

und als sie damit fertig war, sang sie die kleider des mannes von seinem leib und kroch zu ihm unter die decke. sie gab ihm die mächtige trommel seines herzens zurück und schmiegte sich an ihn, haut an lebendige haut. so erwachten die beiden, eng umschlungen, fest aneinandergeklammert.

die leute sagen, dass die beiden von diesem tag an nie mangel leiden mussten, weil sie von den freunden der frau im wasser, den geschöpfen des meeres, ernährt und beschützt wurden. so sagt man bei uns, und viele unserer leute glauben es noch heute.

(...)

wenn uns die immense einsamkeit der leben/tod/leben-natur aufgeht, wenn wir zum ersten mal begreifen, dass sie ohne eigenes verschulden von allen menschen zurückgestossen, permanent von einer klippe gestürzt,oder von liebesfischern über bord geworfen wird...dann rührt uns ihre verquere lage vielleicht ebenfalls tief genug an, dass wir ein stück näher heranrücken, ihr gebein vielleicht sogar eigenhändig berühren.

(23.01.2007 niranjana/sf)

Niranjana

schamanismus & märchen

Beitrag von Niranjana »

auszüge aus dem buch "schamanismus & märchen"...die mir sehr gutgetan haben und weil ichs einfach schön find :

"es kommt der tag, an dem wir erkennen, dass wir nicht unsere vergangenheit sind. sie ist zwar da, sie wird nicht verdrängt oder glorifiziert, doch wir sind daraus erwacht wie aus einem traum - sie gehört uns nicht, wir haben uns von ihr gelöst. oder besser gesagt, sie ist untrennbarer teil des universums, des raums, des bewusstseins, wie auch wir es sind. untrennbar und in keiner weise isoliert. dadurch wird die vergangenheit unpersönlich, oder um es positiv zu formulieren - ichfrei.

dies ist der schamanische tod, dies ist das erwachen der suchenden im märchen, die im wald ausgesetzt wurde und erschöpft und bitterlich weinend unter einem baum zusammenbricht. sie hat sich gelöst von ihrem ich UND GEHT IM GESCHEHEN AUF. warum soll eine figur gründe für eine reise angeben, ängste vor dem drachen empfinden, sich sorgen um die zukunft machen, wenn diese figur der HANDLUNGSABLAUF... SELBST... ist? deshalb sind die figuren keine ausgestalteten einzelschicksale, keine individuen, sondern...handlung, geschehen.

es ist wie das grosse bild, das von anfang an da ist. stellen sie sich einen dunklen, unvorstellbar grossen raum vor, in dem ein riesiges gemälde hängt. wir betreten diesen raum mit einer taschenlampe. das ganze gemälde ist vor uns, doch mit unserer taschenlampe können wir nur immer einen kleinen ausschnitt betrachten. (nanntu, das war das beste bild, das ich je zu all diesen gedanken gefunden habe...ich finde es schön) : der irrtum ist, den ausschnitt oder einige ausschnitte zusammen für das ganze zu halten. genauso wie das gemälde ist auch unser geist, das universum unermesslich. der zweite irrtum ist, die zeit die wir brauchen (!!! ah wie geil !!) um mit unserer taschenlampe das bild zu betrachten, für den wandel der welt zu halten.

medizinrad und märchen sind das tor (beschreibungen...) zu einem "raum", in dem alles jederzeit vorhanden ist. das internet ist eine ganz einfache skizze dieses raums. es ist in einem gewissen sinne statisch - denn alles ist ja jederzeit vorhanden. jede phase des wandels ist immer vollständig vorhanden. es gibt keine wandlung keine zeit kein werden und vergehen....nur die all-präsenz.

>>> die illusion eines wandels entsteht, wenn ich als von dieser all-präsenz scheinbar getrenntes subjekt die all-präsenz nicht als solche wahrnehmen kann, sondern (AHHHHH) den fokus von einem ausschnitt zum nächsten verlagere.


"die reise des helden" .... und dann kommt der prinz

(...) der prinz, der prinz ist, weil er sich ausserhalb linearer zeit und linearem raum bewegen kann, durchschreitet die struktur ( den 100jährigen schlaf dornröschens und ihres hofstaates...'tschuldigung, aber das beispiel is einfach perfekt..grins) durchschreitet also die struktur und kann sie nach belieben ändern. es ist, als würde man in einen computer eindringend und am betriebssystem eine änderung vornehmen. (das ist, was ein "schamane" tut)

der prinz nimmt in der grundstruktur, der matrix eine änderung vor. er küsst dornröschen, er "drückt" auf den knopf...sozusagen und tritt dann aus dem zeitfreien raum wieder in das raum-zeit-kontinuum ein. für alle, die nie aus diesem kontinuum herausgetreten waren, ist in den hundert jahren, die dornröschen schlief, keine sekunde vergangen. der küchenjunge bekommt seine ohrfeige "hundert jahre später"...mit keinem sekundenbruchteil verspätung.

die veränderung der matrix...entspricht dem wesen der "heilung" im schamanismus, oder jeder form von geistiger, energetischer heilung.

um in diesen raum eintreten zu können, muss der schamane die illusion eines von diesem raum getrennten ichs aufgeben, er muss "sterben" so "tritt" er denn auch nicht in diesen raum ein. er IST dieser raum. oder, noch klarer formuliert : er erkennt, dass er dieser raum ist, war und sein wird. er ist der unendliche kreis.

er schamane ist so unsterblich, wie es die märchenfiguren sind. sie sind unsterblich, weil sie nicht getrennt sind vom rest des märchens weder prinz noch prinzessin, das schlafende königreich, noch der rest der welt...sind NICHT märchen. genauso wenig ist der schamane und jeder mensch - nicht RAUM. wir alle sind und alles ist raum. alles ist bewusstsein.

und natürlich - nimmt der schamane auch keine änderung vor....sondern sein eintreten, das keines ist, "bewirkt" die veränderung.
(das war ein "ding-dong" - satz für mich )

denn zum schluss ist etwas bemerkenswert : der prinz, der den "raum"...(hinter der dornenhecke..) betritt, war nicht der erste, der es versucht hatte. es gelang ihm nur deshalb, weil er zum richtigen zeitpunkt am richtigen ort war und geschehen liess, was geschehen sollte, ohne dass er wusste, was es sei. denn er betrat diesen raum NICHT.... UM dornröschen zu küssen, sondern er tat, was angemessen war. er betrat den raum, war berührt von dornröschens schönheit und küsste sie. er küsste sie, weil ein kuss angemessen war, nicht um dornröschen zu wecken.

es gibt keine gründe, es gibt keine absichten...nur geschehen.

(martin schmid, in dem buch : schamanismus & märchen, kapitel : medizinrad und märchen)

ich finde es immer wieder bemerkenswert, dass "wahrheit" tatsächlich auf nichts und nichts und wieder nichts begrenzt ist.

weiter im text :

(...)
ende gut...

"wir durchschreiten mit dem medizinrad einen raum, von dem wir nicht getrennt sind. (medizinrad = märchen = mythen = religionen = ...)
es gibt verdichtungen, veränderungen, die wir als phasen wahrnehmen, als übergangsphase, phase des wachstums, phase der integration usw.
aber in tat und wahrheit sind wir immer das ganze. wir sind nicht nur im osten, süden, westen oder norden, wir gehen nicht entweder die reise des geistes oder die der seele, wir sind alles und immer.

wir entwickeln uns nicht, wir beleuchten lediglich die einzelheiten des grossen gemäldes genau, betrachten sie eingehender, erkennen dadurch uns selbst, unsere mitmenschen, das universum. wir sind das universum, das sich selbst betrachtet.

auch das märchen durchschreitet....sich s e l b s t . es geschieht mit einer eindringlichen unausweichlichkeit, weil es schon zu beginn sagt, dass alles immer und überall ist. (das märchen betrachtet als parabel der "wahrheit) wie immer es auch verlaufen und ausgehen mag, es ist gut so. so wie die märchenfiguren nicht getrennt sind von der handlung, so sind wir nicht getrennt von der "handlung welt". alles ist, wie es ist.

was ist, wenn wir nicht individuen sind , sondern geschehen ? nicht einzelwesen, sondern allumfassender raum ? nicht primär verlorene, suchende, ausgestossene, begnadete...sondern AUSDRUCK ? nicht isolierte, psychische wesen, sondern entfaltung ? nicht reisende, nicht weg, sondern SO-SEIN ?

dann leben wir, wenn wir noch nicht gestorben sind, glücklich und zufrieden bis ans ende der tage...einfach aus diesem grund, weil die suche ein ende hat. (martin schmid)

das spiel ist tot...es lebe das spiel !

(28.01.2007 niranjana/sf)

Maraiah

Re: Para Vida !

Beitrag von Maraiah »

Hi Niranjana !

Du bist bemerkenswert !

Niranjana

Re: Para Vida !

Beitrag von Niranjana »

niranjana 26apr08

die erde
da liegt sie
zerkrümelt, brockentrocken

leer.

noch nicht mal der wind mag über sie wehen
der frühling, wie ein versprechen
mit dem der südpol den nordpol verarscht

vergangene und zukünftige träume
ernteschwer
entladen
ins nichts
vergangen, bevor sie angekommen sind
schlicht
ins knie gefickt

hochtrabende, beifallheischende worte
nichtssagend
von der stille, die tobt
wunden reisst
mit hilflos scharfen klauen

sich fragend woher das strömt
was da strömt
was da strömt
was da strömt
und strömt

tobias 26apr08

Vergessen, das woher - doch immer sichtbar das "in was?"
So fließt die Frage selbst im Strom, wie eine Eisscholle den Fluss
hinabtreibt.
Nichtwissen ist die Antwort, die alle Fragen heilt.
Die erste Antwort, in der die Frage selbst ist, das "in was?"

Die Antwort, die Wissen ist, ist schon die nächste
Eisscholle, die den Fluss hinabtreibt.

Nichtwissen erwirkt sich durch den Blick auf "in was?", das von
Frage und Antwort unberührt.

Niranjana

Re: Para Vida !

Beitrag von Niranjana »

gott und die widerspenstige uhr
(...)

"aber irgendwann beginnen die zeiger der uhr sich darüber gedanken zu machen, was denn eigentlich hinter unserem ziffernblatt läge ? gott sagen die einen, synchronizität die anderen, die übernächsten....-

das ist unsere position : wir wollen uns ein bild machen - bleiben wir bei der uhr - von der verwirrenden vielfalt der zahnräder in unserem inneren. aber nicht nur das, sondern auch noch : wer setzt uns in gang, wer zieht uns auf ? wer stellt uns auf die richtige uhrzeit ein, dass alles immer so haargenau passt ? (oder auch nicht) - wie sieht das wesen aus, das einmal am tag die krone dreht ? und wer fällt die entscheidung, dass eines tages die uhr nicht mehr aufgezogen wird, so dass sie stehenbleibt ? wer ist für dessen schicksal zuständig, denn es könnte ja sein, dass er auch wieder nur eine art zeiger ist auf einer noch viel grösseren uhr ( :-)))))))))))) ?

all das können sich die zeiger auf dieser uhr fragen. und das tun sie ja auch. und dann gibt es noch die zeiger, die der festen überzeugung sind, sie seien gar keine zeiger (das geht mir jetzt voll auf den zeiger *anmerkung der abschreiberin)

das heisst, sie würden durch nichts bestimmt, sie seien auf keiner achse. man habe es selber in der hand, was man ist, was man will, was einem widerfährt. es sind die, über die spinoza folgendes bild - eine sehr tiefe analogie - gegeben hat :

wenn der geworfene stein bewusstsein hätte, würde er sagen:

ich fliege, weil ich das will.


.........

dreissig jahre lang war ich auf der suche nach gott, und als ich am ende dieser zeit die augen öffnete, entdeckte ich, dass er es war, der mich suchte

(bajezid bastami, 9.jh.)

(alles aus p.orban, die reise des helden)

(niranjana 09may08/sf)

Niranjana

Re: Para Vida !

Beitrag von Niranjana »

der liebe überdrüssig
des lebens müde

das eine gilt für dich,
das andere für mich.

nun,

wo ist der unterschied ?

strauchelnd setzt mein fuss auf schwankende erde
lautloser donner in meinem ohr
perfekt
die dramaturgie

da, sieh nur, wie lückenlos schmerz sich die hand reicht


es ist keine frage des glaubens mehr
alles ist in den wind geschrieben
schon bevor es entsteht

ja und ?

und nun ?

satt, einfach satt. wo sind die edlen ?
es hat nie welche gegeben.
nicht einen.

ich male mit sand und wasser.

und obwohl du keine wahl hast, musst du dich entscheiden. die totalität deines untergangs ist
das mass

das mass...

hören ist so taub, sehen so blind, sprechen so stumm.
irre werden von allein verrückt.
und liebe...
liebe...

liebe ist die masseinheit des lebens.
wer bricht den stab ?

trunken vor glück, wankt der blanke hass in seine gefilde.
die der namlosen ungeheuer, hologramme einer entarteten welt. oh vater, warum hast du mich verlassen.

ja,

deshalb. eben deshalb.

un-teil-bar...und doch entzweit.

das leid der welt auf mich nehmen, mein kreuz tragen ?
ans kreuz geschlagen, bespuckt,
tief ins herz getroffen

würde


würdest du ?

wenn nichts bliebe ? es gibt so viele falsche propheten, ihrer überzeugung so sicher.

und ja und ? was machts.
nichts.

dein reich komme,
dein wille geschehe
wie im himmel
so auf erden.

woher ? ich weiss es nicht. ich bin voller löcher. der wind pfeift durch mich durch. weltzeiten kommen und gehen. gesicher reisen mondgleich durch alle phasen von ebbe und flut. worte drängen sich auf, wie ungebetene gäste.
buchstaben setzen sich zusammen, galoppieren wie wildpferde...mit samtnüstern. mild und niederreissend.

allein die frage selbst, ist schon die lüge, in der immerwährenen anwesenheit jeglicher antwort. wie hilflos,
wie zappelnd...und doch :

kein fischer fischt, kein haken. kein köder.

vielleicht kann man es ...tanzen.

aber geht das ?
des liebens überdrüssig
und
des lebens müde ?

(niranjana 25mar09/sf)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?gl=GB&hl=en-GB&v=FhD5tSo6uKI[/youtube]

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